Schlechte Noten für das Bildungssystem
Eine Million Kinder sind vom Schulbesuch ausgeschlossen
Fazit einer Studie der Unesco: Thailands Schüler haben erhebliche Wissenslücken.
Nicht ausreichend, mangelhaft! So bewertet eine Organisation der Vereinten Nationen (UN) das thailändische Schulsystem. Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (Unesco) sieht in der Ausbildung zwar Fortschritte, doch die gravierenden Mängel überwiegen und stehen im Widerspruch zum Anspruch des Staates, sich weltweit als ein modernes und High-Tech-Land zu positionieren.
Bei rund acht Prozent der Erwachsenen im Alter über 15 sind die Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben unzureichend. Bei diesen drei Millionen Thais, davon sind zwei Millionen Mädchen und Frauen, scheitert eine Verbesserung der Lebensumstände bzw. des Einkommens an der fehlenden Bildung. Sie zählen zu den sozialen Randgruppen und profitieren nicht vom Wirtschaftswachstum.
Ein wichtiges Argument für den schlechten Bildungsstand zu vieler Thais: Zuhause wird eine andere Sprache gesprochen als in der Schule! Experten rechnen vor, dass die Hälfte aller Grundschüler in der Familie kein Schul-Thai spricht.
Die UN-Studie bemängelt weiter den Bildungsstand der Schüler. 37 Prozent der 15-jährigen können nicht ausreichend lesen, 40 Prozent dieser Mädchen und Jungen haben erhebliche Wissenslücken im Fach Mathematik.
Die Unesco hatte im Jahr 2000 eine Kampagne “Education For All”, also Ausbildung für alle, propagiert und Bildungs-Standards festgelegt: Zu den Zielen zählen der Besuch von Grund- und Hauptschulen, die Gleichstellung der Geschlechter, ein qualifiziertes Ausbildungssystem und staatliche Unterstützung bei der Ausbildung.
Fünf Jahre später muss die UN-Organisation feststellen, dass in Thailand immer noch eine Million Kinder nicht in Schulen unterrichtet werden. Denn Thailand zählt neben China, Indonesien, Laos, Vietnam und den Philippinen zu den 89 von weltweit 103 untersuchten Staaten, in denen weiterhin der Besuch einer Grundschule nicht kostenfrei ist. Die staatlichen Lehranstalten erheben zwar kein Schulgeld, doch die Eltern müssen für Schuluniform, Sportbekleidung, Essen sowie für Bücher und Schreibmaterialien aufkommen. Und Familien, die in bitterer Armut leben, können das Geld nicht aufbringen und trotzen der Schulpflicht.
Legale und illegale Zahlungen beim Wechsel zu einer privaten Schule mit höheren Ausbildungsansprüchen verhindern, dass Mädchen und Jungen einkommenschwacher Familien sich qualifizieren und beruflich Karriere machen. Die Regierung hat zwar ein Machtwort gesprochen und diese finanziellen Hürden beseitigen wollen, doch an den privaten Schulen werden die Kinder wie gehabt aufgenommen. Wer nach der Eintrittsgebühr fragt, bekommt an vielen Lehranstalten zur Antwort: “Das bleibt den Eltern überlassen.” Da aber auf dem Anmeldeformular bereits die Höhe der Spende eingetragen werden muss, ist klar, dass Mädchen und Jungen, deren Eltern nicht spendenwillig genug waren, schlechte Karten haben und bei der Prüfung womöglich durchfallen.
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