"Thambun" - Selig machen
Wasser soll Wünsche ans Ziel bringen
Von Daeng Duangdee
Wer als Ausländer länger in Thailand lebt, hat sicher schon einmal das Thai-Wort "Thambun" gehört. Wörtlich übersetzt heisst es: selig machen.
Entsprechend der buddhistischen Lehre sind Opfergaben und Spenden für die meisten Thais sehr wichtig, weil Buddha gesagt hat: Der Mensch soll mehr geben als nehmen.
Nach der Tempelstatistik vom Religionsamt gibt es in Thailand 33.176 Tempel, davon allein 442 in Bangkok. Alle Tempel werden von gläubigen Buddhisten finanziert. (Es gibt in Thailand keine Steuer für religiöse Zwecke wie die Kirchensteuer in Deutschland.) Die Mönche bekommen kein Gehalt, spielen aber im Alltagsleben eine grosse Rolle: z. B. bei Segnungen und Einweihung neuer Gebäude, bei Umzügen, Geburtstagen, Hochzeiten, Totenfeiern etc.
Viele wohlhabende Thais feiern ihren Geburtstag heute noch so wie früher: Das Geburtstagskind ist der Geber. Thais erinnern sich an ihren Geburtstagen an ihre Eltern und gehen zuerst zu ihnen, um Dankbarkeit für das gegebene Leben zu erweisen. Dann geht man zu einem oder mehreren Mönchen und bietet ihnen Speisen an. Wohlhabendere geben nach dem "Thambun" bei den Mönchen häufig auch noch Opfergaben an Einrichtungen für Behinderte und Waisenkinder, Altersheime etc.; oder sie füttern streunende Tiere und setzen sich mit den Behörden wegen geplanter Hilfsmassnahmen in Verbindung.
Zum "Thambun" gehört auch jedesmal das rituelle Symbol des Wasserbegiessens "Kruad Naam" dazu. Eine Tasse voll sauberes, klares Wasser wird in einem kleinen Wasserkrug ("Kontho") aufgehoben. Während die Mönche in singendem Ton beten und segnen, wird das Wasser vom Gastgeber langsam in einen Behälter aus Metall oder Glas gegossen bis zum Ende des Gebetes. Der Wasserguss soll möglichst ununterbrochen hinunterlaufen wie eine Schnur.
Zum Schluss der Feier wird das gesegnete Wasser wieder langsam unter einem Baum oder ins Gras gegossen. Natürlich kann man das "Kruad Naam", das Wasserbegiessen, auch ohne eine religiöse Feier zu Hause durchführen, denn das Wasser trägt die menschlichen Gedanken und bringt ihre Wünsche ans Ziel.
Buddhisten berechnen die Verdienste der Menschen (die gute Absicht der Geber) mit bestimmten Punktzahlen, "Anisong". Das "Anisong" durch Geben hat Buddha in drei Stufen aufgeteilt:
1. Wattu - taan = materielles Geben
2. Wittaya - taan = Wissen vermitteln, Mut machen
3. Apaiya - taan = Verzeihung geben, Freiheit geben durch Erlass von Schuld
Die Wertung für materielles Geben ist der geringste Verdienst und bleibt in der untersten Stufe, gleichgültig wie viel Geld man ausgegeben hat. Der zweitgrösste Verdienst ist das Wissen geben. Die höchste Stufe des "Anisong" ist die Verzeihung, obwohl man gar nichts zu investieren hatte. Denn durch die Vergebung wird die Rache und damit alles böse Denken ausgelöscht. |