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Beiträge · Erzählung von Axel Ertelt
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Axel Ertelt

Sagen, Mythen und Legenden aus Thailand

Makato und die Kaurimuschel

Eine Nacherzählung von Axel Ertelt

Lebende Kaurischnecke mit hochgeschlagenem Mantel.In diesem schönen Märchen aus Thailand wird erzählt, wie der arme Waisenjunge Makato durch eine Kaurimuschel zum König wurde:

Vor langer Zeit lebte in der kleinen Stadt Mon in Thailand ein kleiner Waisenjunge mit dem Namen Makato. Seine Eltern waren gestorben, als er noch sehr klein war, und er hatte auch sonst keinerlei Verwandte oder Freunde mehr. So ganz auf sich allein gestellt mußte er schon als Kind schwer arbeiten, um nicht zu verhungern.

Makato nahm jede Arbeit, die er verrichten konnte, an. Er fütterte für seine verschiedenen Lohnherren die Tiere, säuberte die Ställe und Grundstücke und schleppte die schwersten Sachen ohne zu klagen. Fleißig, klug und arbeitsam wie er war, gab es für seine Arbeitgeber nie Grund zu schimpfen. Im Gegenteil, stets wurde Makato, der immer gut gelaunt und fröhlich war, gelobt.

Doch eines Tages dachte der kleine Junge über seine Zukunft nach. In weit entfernten Ländern wollte er Abenteuer bestehen und sein Glück versuchen. Von dem Land im Nordosten hatte er schon gehört. Das sollte sehr fruchtbar sein und nur von freundlichen Menschen bewohnt werden. Als er so darüber nachdachte, leuchteten seine Augen strahlend hell vor lauter Begeisterung.

Das Land im Nordosten, von dem Makato träumte, war das Königreich Sukhothai und es hieß, daß der König Phra Ruang ein sehr gutherziger und gutmütiger Herrscher sei. So beschloß Makato eines Tages das Dorf, in dem er bisher gelebt hatte, zu verlassen und machte sich auf in das weit entfernte Königreich seiner Träume.

Als er schon einen ganzen Monat lang unterwegs war, kam er endlich in ein Dorf, das an der Grenze des Königreichs Sukhothai lag. Durstig von dem langen Marsch bat er eine alte Frau, die einen vollen Wasserkrug auf dem Kopf trug, um einen Schluck der kostbaren Flüssigkeit. Die Frau setzte den Krug ab und goß etwas Wasser in einen Becher und reichte ihn Makato. „Woher kommst du denn so ganz alleine“, fragte die Alte „und hast du keine Familie?“ Daraufhin erzählte Makato ihr seine Geschichte, und daß er gerne den König Phra Ruang sehen würde, von dem alle Leute erzählten, daß er ein sehr gutherziger König sei.

Die Frau nahm Makato mit sich nach Hause. Ihr Mann arbeitete für den König, er war ein Mahout. Das sind die Hüter der Elefanten und der Mann der alten Frau versorgte die vielen hundert Elefanten, die dem König gehörten. Makato blieb hier und half dem Mahout dabei die Tiere zu füttern und ihre Gehege und Ställe zu säubern und auszumisten.

Als er eines Tages wieder einmal bei seiner Arbeit war und die Ställe säuberte, kam ein junger Mann in prächtigen Gewändern, gefolgt von zahlreichen Dienern, zu ihm in den Stall. Es war der König selbst, der hier so plötzlich und unverhofft vor ihm stand. Mit klopfendem Herzen verneigte sich Makato ganz tief vor ihm.

Nachdem der König von seinem Mahout die Geschichte Makatos gehört hatte, ging er weiter. Da bemerkte der kleine Waisenjunge eine Kaurimuschel auf dem Boden, die der König wohl verloren hatte. Schnell hob er sie auf, lief hinter dem König her und hielt sie ihm in der geöffneten Hand entgegen. Es handelte sich schließlich um bares Geld, denn die Kaurimuscheln waren damals das offizielle Zahlungsmittel in Sukhothai. Aber der König lächelte nur und sagte zu Makato, daß er die Muschel behalten dürfte.

Obwohl so eine einzelne Kaurimuschel keinen allzu großen Wert darstellte, wollte Makato soviel wie eben möglich war daraus machen. Einige Tage später kam er auf einen Markt. An einem der Stände wurde Saatgut verkauft. Da kam ihm die Idee, für die Kaurimuschel Salatsamen zu kaufen, um Salatpflanzen daraus zu ziehen. So sagte er zu der Frau, die hinter dem Stand war, daß er gerne Salatsamen hätte. Die Frau lachte, als sie hörte, daß Makato nur eine Kaurimuschel besaß. „Das ist sowenig, daß ich dafür nicht einmal den Samen im Gegenwert abwiegen könnte.“

Makato entgegnete ihr, daß er den Finger in den Samen stecken und das mitnehmen wolle, was daran hängen bliebe. Dies müsse, so meinte er, in etwa dem Gegenwert der Kaurimuschel entsprechen. Als sich die Marktfrau damit einverstanden erklärte, gab Makato ihr die Muschel und steckte seinen Finger zuerst in den Mund und machte ihn gehörig naß. Dann tauchte er ihn in den Samen. Das, was an seinem Finger hängen blieb, hütete er sorgsam und paßte höllisch auf, daß davon auch ja nichts verloren ginge.

Geldkauri (Monetaria moneta) von der Seite und von oben.Sorgfältig bereitete er den Boden vor und legte den Samen in die Erde. Jeden Tag bewässerte er sein kleines Salatbeet bis die ersten Pflänzchen zaghaft aus dem Boden sprossen. Behutsam zog er die kostbaren Pflanzen auf und setzte sie aus. Bald war der ganze Küchengarten voll mit den schönsten Salatköpfen. Es dauerte nicht lange, da kam auch der König wieder einmal vorbei und Makato bot ihm nun die schönsten seiner Salatköpfe an. Ein wenig überrascht fragte ihn der König, wo er denn diese wunderschönen Salatköpfe her habe. „Ich habe sie aus der Kaurimuschel gezogen, die Ihr mir geschenkt habt“, antwortete Makato ihm und erzählte dann dem König die ganze Geschichte.

Völlig beeindruckt von seinem Fleiß und seiner Klugheit gab der König Makato schließlich Arbeit in seinem Palast. Die Jahre vergingen und aus dem kleinen Waisenjungen Makato wurde ein angesehener junger Mann, dem der König immer wichtigere Ämter übertrug. Makato besaß das volle Vertrauen des Königs und erhielt schließlich auch noch den Titel Khun Wang verliehen, der besagte, daß er der wichtigste Mann nach dem König am ganzen Königshof war.

Es dauerte nicht mehr lange, da bekam er auch noch die hübsche junge Königstochter zur Frau. Daraufhin wurde er zum Herrscher über Mon ernannt. – So wurde aus dem kleinen und armen Waisenjungen Makato, der ohne Eltern, ganz auf sich allein gestellt, aufwachsen mußte, der Herrscher über ein blühendes Königreich.

 
 
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