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Beiträge · Erzählung von Axel Ertelt
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Axel Ertelt

Sagen, Mythen und Legenden aus Thailand

Prinz Barots Ställe

Etwa 20 km südwestlich von Nong Khai, wo sich einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Thailand und Laos befindet, liegt der Berg Ban Phu. Auf ihm ist das Kloster Wat Phra Phutthabat Bua Bok, das als eines der schönst gelegenen in ganz Thailand gilt. Das Wat steht auf den Fundamenten einer Siedlung, deren Alter auf etwa 6.000 Jahre geschätzt wird. In der unmittelbaren Umgebung der Tempelanlage befinden sich seltsame, merkwürdig aussehende Felsformationen, die noch geheimnisvoller klingende Namen tragen. Da gibt es die Felsen, die Dok Ma Thao Barot (Prinz Barots Ställe) heißen, oder andere, denen man die Bezeichnung Wat Lik Koei (Tempel des Schwiegersohnes) gab.

Über diese mystisch anmutenden Felsformationen erzählt man sich eine alte und traurige Legende, die von ihrer Entstehung berichtet: Einst wollte ein König von Muang Phan seiner Tochter Ussa eine gute Erziehung zukommen lassen und gab sie zu einem alten, einsamen Einsiedler in die Lehre. Der lebte völlig von der Außenwelt isoliert, so daß auch die junge hübsche Königstochter keinerlei Kontakte zur Außenwelt unterhalten konnte.

Die Jahre verstrichen und Ussa wuchs zu einer stattlichen, jungen Dame von 16 Jahren heran. Da hatte sie genug von diesem Leben und den strengen Regeln, die ihr der Einsiedler auferlegte. Sie hatte dieses Leben gründlich satt und sann darüber nach, wie sie ihm entrinnen könnte. So schrieb sie eines Tages eine hilfeflehende Botschaft, die sie auf ein Blumengebinde legte und dieses dann auf einem Zufluß des Maenam Mekong hinabgleiten ließ.

Prinz Barot, der Sohn des Königs von Muang Wiang Kut, fand die Botschaft schließlich. Er besuchte daraufhin die Prinzessin Ussa in ihrer Einsamkeit bei dem alten Einsiedler und verliebte sich in sie. Diese Liebe blieb nicht lange geheim, und als Ussas Vater von der Liebe hörte, wurde er zornig. Er hatte einen anderen Schwiegersohn vorgesehen und wollte Prinz Barot töten lassen.

Nur mühsam und unter vielem guten Zureden konnte er davon abgehalten werden den Prinzen Barot sofort zu ermorden. Ein Wettstreit zwischen den beiden Prinzen wurde vorgeschlagen, in den Ussas Vater schließlich einwilligte. So forderte er Prinz Barot und den von ihm als Schwiegersohn vorgesehenen Prinzen auf, je einen Tempel zu errichten. Derjenige, dessen Tempel als erstes fertig sein würde, der sollte leben und seine Tochter zur Frau bekommen. Der andere aber sollte geköpft werden.

So sehr Prinz Barot auch Ussa liebte, und so sehr er sich auch abmühte den Wettstreit zu gewinnen und seinen Tempel als erstes fertig zu bekommen - gegen seinen Widersacher hatte er nicht die geringste Chance. Und als dessen Tempel schließlich vor dem seinen fertig wurde, da war sein Schicksal besiegelt. Prinzessin Ussas Vater, der König von Muang Phan, ließ Prinz Barot nun hinrichten. Niemand konnte nun noch seinen Tod verhindern.

Von diesem Ereignis, so die Legende, berichten die seltsamen Felsformationen auf dem Berg Ban Phu.

 
 
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