Oskars Kolumne
Zwei Klassen
Oskar hat sich damit abgefunden, in seinem gelobten Land Mensch zweiter Klasse zu bleiben. Nach eineinhalb Jahrzehnten, nach Heirat mit einer Thai, Kindererziehung und Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe ist er, wie alle Ausländer, im Königreich nur geduldet. Jederzeit kann ihm die Immigration die Aufenthaltsgenehmigung entziehen.
Ausländer sind nicht Bürger dieses Staates, auch keine Mitbewohner, sie sind Fremde. Als würden sie nicht in derselben Welt leben. Thais und Ausländer bleiben einander fremd. Deshalb ziehen Thais gerne einen Trennungsstrich zwischen sich und den Anderssprachigen.
Selbst mit dem Mehr-Klassen-Preissystem an Ausflugszielen hat sich Oskar abgefunden. Für Ausländer ist es diskriminiert, für den Thai indessen durchaus logisch: Die Fremden sind reicher als der durchschnittliche Thai, also dürfen sie zur Kasse gebeten werden. Wie unanfechtbar diese Regelung den Thais erscheint, ist an den Kassenhäuschen abzulesen: Als ob Ausländer die lokale Sprache nicht beherrschten, stehen die unterschiedlichen Eintrittspreise nebeneinander angeschlagen, in Thai und Arabisch.
Was Oskar nervt und wütend macht, sind viel mehr die alltäglichen Nickeleien: Die Marktfrau schlägt wortlos und lächelnd auf, der Baht-Bus-Fahrer lächelt nicht, hält aber ebenso bestimmt die Hand auf. Bei einer führenden Versicherung können Thais für einen wenige Tage währenden Auslandsaufenthalt eine Reiseversicherung abschließen, der Ausländer nur die teuere für mehrere Monate. Auf der Bank wird Oskar bedeutet, diese Regelung gelte nur für Thais. Und das Finanzministerium hat kürzlich Wertpapiere über 50 Milliarden Baht mit einem Zins von 4 Prozent aufgelegt. Nicht für Ausländer!
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