Oskar hat in einer Kurzgeschichte Bemerkenswertes erfahren über die unterschiedlichen Ansprüche und Erwartungen an Liebe und Beziehung von der heimatlichen Armut entflohenen Asiatinnen und emanzipierten Europäerinnen. In „Warum heiraten?“ lässt die in Shanghai geborene Deutsche Ingrid Noll einer Chinesin ihre Situation schildern. Sie lebt mit wechselnden verheirateten Männern zusammen und genießt das Leben in deren Komfort-Wohnung. Wenn die Deutschen ihren Auslandsauftrag erfüllt haben und abreisen, kehrt die Frau in ihre Hütte ohne Wasserleitung und Toilette zurück. Dort sehnt sie sich nach Badewanne und meerblauen Badezusätzen. Sie weiß: Kein asiatischer Mann würde sie mit der Feuerzange anfassen, Europäerinnen hingegen gingen aus Liebe wechselnde Partnerschaften ein – ohne sich schämen zu müssen.
Die Schriftstellerin lässt ihrer Protagonistin einer anonymen deutschen Frau sagen: In meinem Fall kriegt er den exotischen Sex und ich die Badewanne, ein faires Geschäft. Du ziehst deinen Mann doch ganz anders über den Tisch: Hast Sex, soviel du willst – und er putzt dir noch dazu die Wanne.
Ingrid Noll hätte diese Erfahrung ebenso in Thailand sammeln können. Die eine liebt halt einen Mann, die andere eine Wanne.