Oskars Kolumne
Griffbereit
Oskars Freund Paul redet sich wieder einmal in Rage. „Was tut denn die Polizei? Ist sie nur hinter Motorradfahrern ohne Helm her?“, fragte er die Runde. Der Stammtisch sah sich verwundert an und wollte den Grund für Paulchens heftige Worte wissen.
Dieser holte tief Luft und schilderte anschaulich sein Erlebnis. Es geschah am helllichten Tag auf der Thepprasit Road. Paul fuhr auf seiner Yamaha in Richtung Jomtien. Plötzlich näherte sich ein mit zwei Männern besetztes Motorrad. Als es auf Höhe der Yamaha war, langte der Sozius zu. Er griff sich Paulchens goldene Kette – und schon rasten die beiden Räuber davon.
Paul erstattete bei der Polizei Anzeige. Doch er konnte weder zum Kennzeichen des Fahrzeugs (wenn es denn eines hatte) noch zu den beiden Männern nähere Angaben machen. Schließlich hatten die beiden vorschriftsmäßig Schutzhelme getragen. Paulchens Kette hatte einen Wert von rund 17.000 Baht.
Oskar kann für seinen Freund kein Mitleid empfinden. Residenten und Stammtouristen sollten es ohnehin wissen, und Pauschalurlauber müssten es von ihren Reiseleitern erfahren: Die Beschaffungs- und Kleinkriminalität hat in den letzten Jahren so drastisch zugenommen, dass sich jeder vor Raub und Diebstahl in Acht nehmen sollte. Wer dennoch als Fußgänger oder Motorradfahrer wertvollen Schmuck trägt, zieht Räuber an wie das Licht die Motten.
Und die Räuber werden immer dreister. Einem Österreicher wurde der Goldschmuck während des Abendessens in einem Restaurant in Naklua vom Hals gerissen. Der Urlauber hatte hart an der Straße Platz genommen und konnte dem flüchtenden Motorradfahrer nur hinterher sehen. Ein anderer Tourist platzierte sein teures Handy griffbereit auf den Tisch der Kneipe. Ein vorbeifahrender Thai dankte es ihm.
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