Oskars Kolumne
Ungleich
Oskar fühlt sich weder verfolgt noch unterdrückt. Daher lehnt er es ab, Thais wegen der unterschiedlichen Preisgestaltung für Einheimische und Ausländer als Rassisten zu beschimpfen. Das tun viele über die ungleiche Behandlung erboste Farang.
Thais sind im Allgemeinen tolerant. Ihre weltanschauliche Überzeugung kennt keinen Rassismus, allerdings einen übersteigerten Nationalismus. Thais stufen ihre ausländischen Mitbürger nicht nach Rasse, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit ein.
Dass sie dennoch von ausländischen Urlaubern und Residenten einen höheren Preis verlangen, mag der Zahlende als diskriminierend empfinden. Der Thai legt das unter „mai pen rai“ ab. Wenn Europäer oder Amerikaner in Thailand Urlaub machen oder hier leben und sich für zig Millionen auf dem Immobilienmarkt einkaufen, werden sie doch wohl ein paar Baht für ihre weniger vermögenden Gastgeber übrig haben. Oder?
Der immer wieder gehörte Einwand, dann müssten die an den Kassenhäuschen im Benz oder BMW vorfahrenden thailändischen Familien ebenfalls den Farang-Preis zahlen, zählt nicht. Sollen sie etwa der Kassiererin ihre Steuererklärung vorlegen? Wie unterscheidet die Kassiererin nach gehobenen und unteren Einkommensschichten?
Oskar ist ein entschiedener Gegner der Mehrfach-Preisgestaltung, vermisst aber bei seinen ausländischen Mitbürgern rechtfertigende Konzepte. Deren Geschrei ist gross, wenn sie dem Baht-Bus-Taxifahrer einen zehn Baht höheren Fahrpreis zahlen. Dass sie sich ebenso über die höheren Gebühren und Preise in den Krankenhäusern aufregen, ist Oskar jedenfalls noch nicht zu Ohren gekommen.
|