Lung Sen macht sich Gedanken . . .
In einem Monat ist es wieder so weit: Es beginnt das Wasserfest Songkran, das traditionelle thailändische Neujahr. Wieso beginnt es, fragt sich der mit den Sitten des Landes nicht Vertraute? Neujahr ist doch ein fester Tag in allen Ländern. Stimmt. Auch in Thailand ist das so, nämlich am 13. April jedes Jahres. Der Thai aber liebt zu feiern, und die Regierung bewilligt auch den 14. und 15. April als Feiertage. Zu diesem Anlass wird die Familie auf dem Land besucht, und so steht uns ein langes Wochenende bevor. Sitte ist es, den Älteren Wasser über die Hände zu giessen oder auch über den Kopf. Freilich nur sehr wenig Wasser, dem Duftstoffe beigemengt sind. Manchmal wird auch feuchtes Babypulver an die Wangen gestrichen. Das gilt als Reinigung von allen Sorgen, Übeln oder Sünden. Ein Fest also mit tiefer Bedeutung, das auch in Laos, Kambodscha und Südchina gefeiert wird.
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Songkran in Pattaya
In unserem Lotterstädtchen hingegen ist alles anders – wie so oft. Dieses Familienfest ist hier im Laufe der Jahre zu einer Wasserschlacht ausgeartet. Diese beschränkt sich nicht etwa auf die drei Tage, sondern beginnt bereits am 11. oder 12. April neben der Polizeistation Soi 9 in den dortigen Bier-Bars. Keiner der Ordnungshüter hat je eingegriffen, wenn Passanten, Motorradfahrer oder Baht-Bus-Fahrgäste mit Wasser aus Eimern und Schläuchen durchweicht wurden. Von diesen Bars breitet sich das Treiben dann aus über das ganze Stadtgebiet, hauptsächlich aber dort, wo der unbedarfte Urlauber entlang geht. Ungefährlich ist das nicht, denn der Druck aus den Schläuchen ist stark. Ebenso der Druck aus den Wassergewehren, reinste Pumpen, die Jahr für Jahr verboten wurden und doch immer wieder auftauchten. Auch wurden oft Eiswürfel beigemengt und diese an den Kopf geworfen. Sie können böse Verletzungen nach sich ziehen.
Die schlimmsten Wasserwerfer sind aber nicht die Thais, sondern Ausländer, die extra zu diesem „Fest“ anreisten und sich hier austoben wollten. Dieser Wasserkrieg steigerte sich von Tag zu Tag, und der Höhepunkt war der 19. April. Da ging verkehrsmässig gar nichts mehr. Alle Strassen verstopft mit Pick-ups, voll beladen mit Leuten und Wassertonnen, die nichts und niemanden trocken liessen. Bereits am 18. April begann dieses Treiben im Ortsteil Naklua. Ein Grund für viele, die Stadt in jenen Tagen zu verlassen.
Dieses Jahr aber soll alles anders werden. Aus dem Rathaus war zu hören, dass sich das Fest auf drei Tage beschränken soll, nämlich vom 15. bis 17. April. Hört, hört! Ist das wirklich möglich? Sollten die Jungs in Braun einmal das tun, wofür sie da sind: nämlich Ordnung schaffen?! Schön wäre es ja. Nicht nur die Urlauber, sondern auch die Geschäftsleute würde das freuen. Denn diese verlieren in der Zeit der Wasserschlacht viel Geld, da keiner ausgeht, er könnte ja durchnässt werden. Wer läuft so schon gerne durch ein tief gekühltes Kaufhaus oder setzt sich in ein klimatisiertes Restaurant? Auch könnte sich jeder darauf einstellen, dass es in den drei Tagen nass wird, aber nicht davor und auch nicht danach. Lung Sen aber meint, dass das wieder einmal lediglich, wie so Vieles andere, geplant ist, aber nicht durchgesetzt wird. Die eigens für die Wasserschlacht angereisten Hooligans werden sich ihren „Spass“ nicht nehmen lassen, und der Fussgänger muss darunter leiden.
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Seltsame Menschen
Sie stören den fliessenden Verkehr, indem sie wild über die Strasse gehen. Meinen, sie hätten Vorrang, wenn sie auf einem Zebrastreifen eine Strasse überqueren. Regen sich auf, über Löcher und sonstige Tretfallen in den Bürgersteigen. Sie sind der Meinung, auf sie müsse Rücksicht genommen werden. Fussgänger – eine seltsame Art Mensch. Ein Thai geht nur so weit, wie er eben muss. Andere Asiaten ebenfalls. Nur die Weißhäutigen meinen, sie müssten kilometerweit laufen. Spazieren gehen nennen sie das. Neuerdings auch „Nordic Walking“ mit Skistöcken. Da können Thais nur den Kopf vor Verwunderung schütteln. Nein, solche zu Fuß gehende Menschen scheinen eher lästig zu sein, ein Übel, für das auch noch Wege gebaut werden müssen.
In der Naklua Soi 12 wurden schon die Bürgersteige entfernt, auf das der Verkehr besser fließe. Die Naklua Soi 16 hat nur 500 m lang Bürgersteige, die wohl auch bald verschwinden werden, damit Busse und Beton transportierende Lastwagen besser durchfahren können. Dasselbe Verkehrschaos auch in der Soi Wong-Amat. Würden die Fußwege entfernt, würde der Verkehr besser fließen. Und das scheint weitaus wichtiger zu sein als Fußgänger. Wieso lassen diese sich nicht mit dem Bahtbus bis zu ihrem gewünschten Ziel fahren? Warum müssen sie immer laufen oder spazieren gehen? Die Antwort ist denkbar einfach: Diese Menschen wollen etwas sehen, die Gegend erkunden, in der sie ihre Ferien verbringen. Denn nur durch das Laufen sieht der Urlauber Geschäfte, Restaurants, Cafés, kurz: Stätten, die für ihn interessant sind. Das sollte von der Stadtverwaltung eigentlich unterstützt werden, denn es fördert den Umsatz der Geschäftsleute. Nur gut drei Jahre ist es her, da wurden die Bürgersteige im ganzen Stadtgebiet mit Verbundsteinen ausgelegt. Toll war es, da zu laufen. Leider gab es aber nie eine Instandhaltung. Sie wurden dem Verfall preisgegeben, und so gehen die Leute heute lieber am Straßenrand, um nicht in ein Loch zu fallen.
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Lung Sen denkt
Fußgänger sind für alle Geschäftsleute wichtig. Nicht umsonst spricht man von Laufkundschaft. Für diese Spezies müsste seitens der Stadt viel mehr getan werden. Für sie ist es tatsächlich gefährlich, eine Straße zu überqueren, da weder Auto- noch Motorradfahrer auf sie Rücksicht nehmen. Sie bringen sich auch selbst in Gefahr, indem sie eine Straße nur halb überqueren, in der Mitte stehen bleiben und warten, bis die zweite Straßenhälfte verkehrsfrei ist. Hält zufällig einmal ein Autofahrer und winkt Passanten zu, über die Straße zu gehen, so bitte auch mit Vorsicht. Denn schon manch ein rasender Motorradfahrer fuhr in die Passanten. Er sieht ja nur das stehende Auto und will sofort überholen. In Pattaya scheint der motorisierte Verkehr wichtiger zu sein als der Fußgänger. Der ist einfach ein lästiges Übel, mit dem man halt leben muss.
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