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Beiträge · Lung Sen macht sich Gedanken . . .
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Weitere Gedanken von Lung Sen...

Lung Sen macht sich Gedanken . . .

Während Lung Sen diese Zeilen am Nikolaustag schreibt, schmückt seine liebe Gaysorn mit den Kindern, die des katholischen Glaubens sind wie auch Lung Sen, den Weihnachtsbaum. Keine Plastiktanne, sondern eine kleine Araukarie, Thailands einziger Nadelbaum neben der Cooks-Tanne. Deutsche Weihnachtslieder erfüllen den Raum, und es ist so richtig heimelig. „…segne den Vater, die Mutter, das Kind…“, erklingt es gerade aus dem Lied „Süßer die Glocken nie klingen“. Das erinnert Lung Sen an die Jugend, als er lernte, dass Maria Jungfrau war. Na gut, den Josef kann man ja Vater nennen, obschon er nicht der Erzeuger war. Wer war es dann, fragte Lung Sen schon damals den Religionslehrer, der die christlichen Geschichten uns Jungen beibringen wollte und sollte. „Das war der heilige Geist, der den Samen in Maria pflanzte“, gab es als Antwort. Kaum einer von uns Jungs wollte das so recht glauben, waren wir doch schon „aufgeklärt.“ Helmut meinte, der Erzeuger kann nur der Gabriel gewesen sein, denn der war alleine mit Maria und hat die Geburt „verkündet“. Nun, wer so etwas weiß, der muss auch wissen, warum. Und den Heiligen Geist als Erzeuger anzugeben, das erschien uns lächerlich. Auf der einen Seite will die Kirche, dass wir nicht an Geister glauben, und auf der anderen Seite sollen wir einen Heiligen Geist akzeptieren.

Religion und Lehre

Überhaupt gibt es da viele Ungereimtheiten. Nur zwei sollen hier genannt werden: „Du sollst keine Götter haben neben mir.“ Und doch werden heute unzählige Heilige angebetet, wie Götter verehrt und mit Wallfahrten bedacht. Das ist ganz anders im Islam: Allah il Allah we Mohammed rasul Allah = Gott ist Gott und Mohammed ist sein Prophet. Ende, Aus, Schluss. Da gibt es keine Heiligen, die verehrt werden. Oder die zehn Gebote. Sie beginnen mit „Du sollst nicht…“ Das aber ist ein Verbot! Ein Gebot beginnt mit „Du solltest nicht…“

Viele Fragen zum Buddhismus wurden Lung Sen von Freunden und Bekannten gestellt, und es wurde ihm klar, dass sehr viele Ausländer von den Lehren des Buddhas kaum Kenntnis haben. Lung Sen ist sicher kein Experte auf diesem Gebiet, hat sich aber berufsbedingt mit Buddhas Werk befasst. Die häufigste gestellte Frage drehte sich um Religion. Ist es eine, ja oder nein. Eindeutige Antwort: Nein. Der Buddhismus ist und bleibt eine Lehre. Es gibt keine Dogmen, das heißt, man muss als Laie nichts befolgen, irgendwem gehorchen. Es gibt kein Oberhaupt wie den Papst, welcher Regeln aufstellt. Wohl gibt es den Patriarch, das Oberhaupt der buddhistischen Mönche. Und eben, nur der buddhistischen Mönche! Thais und andere an die Lehren des Buddhismus glaubende Menschen sind Laien des Buddhismus. Buddhisten sind nur die Mönche, weil diese im Kloster danach streben, die Lehren des Buddhismus zu befolgen, d.h., alle Begierden zu verdrängen. Im normalen täglichen Leben ist dies nicht möglich, da man zu vielen Versuchungen ausgesetzt ist, die kaum zu unterdrücken sind. Es ist daher auch falsch zu sagen, dass in Thailand 92 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind. Richtig wäre: Sie glauben an die Lehren des Buddha. Darum, und nur darum geht es in der ursprünglichen Lehre des Buddhas: Sämtliche Begierden auszulöschen! Sritharta Gautama, der später Buddha = der Erleuchtete genannt wurde, lebte abgeschirmt im Palast in Saus und Braus, voller Begierden, mit Frau und Kind als Königssohn über 30 Jahre. Als er einmal, während alle schliefen, den Palast verließ, wurde er mit Armut, Krankheit, Tod = mit dem Leiden konfrontiert. Das hatte er im Palast nie kennen gelernt. Feststellen musste er nun, dass das Palastleben im Grunde auch ein Leiden war. Das erschreckte ihn so sehr, dass er sich Bettelmönchen anschloss, die das Leiden bekämpften, indem sie sich voll auf den Geist konzentrierten, hungerten, den Bedürfnissen entsagten. Es gelang nicht. Er saß an einem Fluss und hörte einen Fischer zu seinem Sohn sagen: „Eine auf der Gitarre zu straff gespannt Saite erzeugt keinen guten Ton, und auch nicht eine zu schlaff gespannte Saite“. Da wurde Sritharta klar, dass nur der mittlere Weg zum Ziel führt. Nichts über- oder untertreiben, sondern normal leben, aber ohne Begierden. Er begann wieder zu essen, versenkte sich in die Meditation, mit der er die Begierden verdrängen wollte, was ihm gelang, und überwand schließlich die letzte Begierde, indem er den Töchtern einer Göttin widerstand, die ihn verführen wollten. Somit war er frei von allen Begierden und wurde nicht wieder geboren. Man nennt das auch: Eingehen ins Nirwana, in das Nichts.

Buddhismus

Das ist Sinn und Zweck des Buddhismus. Sich lösen von den Begierden, auf das man nicht ein neues Leben voller Leiden beginnt. Lung Sen spricht hier vom Hinajana-Buddhismus (Kleines Fahrzeug), denn wie alle Lehren oder Religionen gibt es verschiedene Richtungen, je nach Auslegung der Schriften. Der Buddhismus ist tolerant, wie keine andere Lehre oder Religion. Geisterglaube wird genau so zugelassen wie andere Religionen toleriert werden. In den Mönchsorden kann jeder eintreten, unabhängig von seinem Glauben. Ob Christ, Muslim oder Hindu. In den Mönchsorden eintreten heißt ja nur zu versuchen, nach den Lehren des Buddha zu leben, also den Begierden zu entsagen. Das gelingt auf keinen Fall immer. Man sehe nur auf den verehrten Luang Por Koon in der Provinz Korat, der ständig eine Zigarre in der Hand hält. Was soll’s? Auch er versucht die Begierde zu bekämpfen, hat es aber noch nicht geschafft. Kann ja noch kommen. Und jeder Raucher weiß, was für ein Kampf es ist, dieser Begierde zu entsagen. Niemand und nichts können einem helfen. Die innere Ruhe, Gelassenheit und Stärke muss jeder selbst finden. Als Hilfe stehen lediglich die Lehren des Buddhas zur Verfügung. In der Tripitaka wurde aber auch festgehalten, wie jener Sritharta Gautama zum Erleuchteten wurde, welche Qualen er litt und dann doch seine Gelüste besiegte. Nach dem Tod erhält der Mensch, der nicht begierdenfrei lebte, die Quittung seines Lebens, kann als Tier, Pflanze, Mensch oder anderem wieder geboren werden – das Leiden beginnt aufs Neue.

Lung Sen denkt

Jeder soll seinen Glauben behalten. Doch will Lung Sen zum Denken anregen und gleichzeitig allen Lesern frohe Weihnacht und ein gesundes, frohes Neues Jahr 2010 oder 2553 wünschen, indem er die Frage stellt: Wie oft haben Sie schon gelitten? Warum? Die Antwort ist des Rätsels Lösung.

Quelle: http://der-farang.com/

 
 
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