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Beiträge · Auf ein Wort von Michael Steinmetz
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Michael Steinmetz

Was ist eigentlich "Interkultureller Fremdsprachenunterricht"?

In der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts hat es immer wieder große Debatten um die rechte Methodik (aus dem Griechischen, bedeutet etwa Zugang/Weg, der zu einem bestimmten Ziel führt) gegeben. Diese Diskussionen führten im letzten Jahrhundert zu einem steten Wandel der Art des Unterrichts. Die Methode der Urgroßeltern hieß Grammatik-Übersetzungs-Methode. Der Glaube war, wer die Grammatik beherrscht, beherrscht auch die fremde Sprache. "Eins zu eins Vokabeln pauken" sollte der korrekten Übersetzung, dem vermeintlichen Endziel des Spracherwerbs, dienlich sein. Auf diese Art und Weise wird meist heute noch Latein und Altgriechisch gelehrt. Die Kritik, dass eine lebende Sprache nicht mit den Mitteln und Regeln einer toten Sprache gelehrt werden darf, führte zur Direkten Methode, welche eng mit dem Namen Berlitz verbunden ist. Dieser Methode lag die Annahme zugrunde, dass der Fremdsprachenerwerb grundsätzlich ähnlich verlaufe wie der Erwerb der Muttersprache. Die Nachahmung des Lehrers durch den Schüler stand im Mittelpunkt dieser intuitiven Vermittlung. Sie gilt als Vorläuferin der audiolingualen sowie audiovisuellen Methoden, in welchen folgerichtig ein/e Muttersprachler/in der Zielsprache sowie das Sprachlabor zum Zentrum und Schaltstelle des Unterrichts wurden. Die eigene Muttersprache der Schüler war während der Lernzeit verpönt, ein Lehrer, der nicht aus dem Land der zur erlernenden Sprache kommt, quasi undenkbar.

Die Vermittelnde Methode war mehr als nur ein Intermezzo der 50er Jahre, wurde ihre Grundidee, "die Vermischung der Methoden" doch Basis für weiterführende Unterrichtsmethoden. In der ersten Hälfte der 70er Jahre entstand in der alten Bundesrepublik durch den Wechsel zur sozial-liberalen Regierung ein regelrechtes Reformklima, welches sich auf alle Un-terrichtsbereiche auswirkte. Nicht nur, dass neue gesellschaftliche Modelle und neue pädagogische Leitvorstellungen allerorts diskutiert wurden, sondern die Welt hatte sich ohnehin in Bezug auf Fremdsprachenkenntnisse rasant weiterentwickelt: Der Zusammenschluss der europäischen Staaten in militärischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bündnissen, die wachsende Mobilität der Menschen in Beruf und Freizeit (Tourismus), die Kommunikations-Medien (Telefon, Radio, TV) forderten und förderten eine Ausweitung der Fremdsprachenkenntnisse. Aus dieser Reformbewegung heraus wurde die Kommunikative Didaktik entwickelt. Das pragmatische Ziel hieß, "lebende" Sprachen lernt man in erster Linie, um sie für Alltagssituationen zu benutzen. Das methodische Konzept hatte entschiedene neue Orientierungen: Inhalte, die den Lernenden etwas bedeuten; Aktivierung der Lernenden; Aufhebung des bis dahin traditionellen Frontalunterrichts; Lehrer ist nicht mehr "Allwissensvermittler", sondern Helfer und Kollege im Lernprozess. Eine konsequente Weiterentwicklung dieser Ideen führte schließlich zur Interkulturellen Fremdsprachenvermittlung. Natürlich führte das auch zur kompletten Veränderung der Lehrmaterialien.

Interkultureller Fremdsprachenunterricht (IF) basiert auf systematischer Einbeziehung der Lerner-Bedürfnisse, es werden authentische Dialoge von Muttersprachlern als Material verwendet. Wichtig ist das Sprechen und die eigene Lerneraktivität.

IF beruht auf der Erkenntnis: Die einseitige Orientierung auf das Zielsprachenland ist nicht immer angemessen. Das Verfahren heißt vielmehr: systematischer Kulturvergleich, konfrontative Semantik. Das heißt im Klartext, der Lerner muss seine eigene kulturelle Herkunft nicht verleugnen: Interkulturelles Lernen setzt sich für einen bewussten Kontrast der Muttersprache und muttersprachlichen Kultur mit der Fremdsprache und fremdsprachlichen Kultur ein. Man kann eine fremde Kultur (und eine fremde Sprache) nur dann wirklich verstehen, wenn diese Kultur in Relation zur eigenen gesetzt wird. Und einmal begriffen, dass Sprache mehr als nur Vokabeln und Grammatik ist - nämlich ein wesentlicher Teil der Kultur sowie sich Kultur in Sprache ausdrückt - wird das vergleichende Verfahren zur Vermittlung von Sprache und Kultur Teil der bewusst reflektierten Lernmethode.

Viel Wert wird auf die Verstehensprozesse beim Lerner gelegt, das heißt: Die Erörterung des Lernprozesses ist immer auch Bestandteil des Unterrichts. Ebenso sind die interkulturellen Lebenserfahrungen der Lerner Anknüpfungspunkt im Fremdsprachenunterricht, welcher generell die Fähigkeit zum Umgang mit Fremdem fördern soll. War früher "Kultur" im Fremdsprachenunterricht immer nur als Anhängsel des Sprach-unterrichts angesehen, ist die Polarisierung von "Ausgangs- und Zielkultur", "Eigen- und Fremdkultur" im IF ein zentrales Denkmodell.

Dieses In-Beziehung-Setzen des Eigenen und des Fremden im Interkulturellen Fremdsprachenunterricht, dem es traditionellerweise um "die fernen Fremden" geht, sensibilisiert den Lerner für die Vielfalt kultureller und sprachlicher Äußerungen, zeigt aber auch Gemeinsamkeiten in den kulturellen Mustern auf. Letztlich fördert IF die Erkenntnis: Alles ist relativ ... und Missverstehen ist meist ein kulturell bedingtes Phänomen.

 
 
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