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Beiträge · Auf ein Wort von Michael Steinmetz
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Michael Steinmetz

Was ist eigentlich Lanna?

Lanna - auch Lan Na geschrieben, jedoch láan-naa gesprochen - bedeutet "Eine Millionen Reisfelder". Es ist der Landesname des großen Thai-Reichs im Norden Thailands. Chiang Mai ist seine Hauptstadt. Jahrhunderte bevor das heutige Thailand als Siam bekannt wurde, gab es in der Region kleinere Thai-Königreiche, die in einem losen Verband zu einander standen. Es gab keine klaren territorialen Grenzziehungen wie in Europa, sondern im Mittelpunkt eines Reichs stand die Müang, die Stadt des Herrschersitzes. Die Macht des Fürsten wurde daran bemessen, wie weit sein Einfluss reichte, wie viele Menschen, wie viele Volksgruppen zu seinen Untertanen zu rechnen waren. Im 13. Jahrhundert konsolidierten sich vor dem Hintergrund des Machtverlusts der Khmer erste klar definierte Thai-Reiche. Eins davon ist das wunderbare Reich von Sukhothai, dessen Gründungsjahr gern mit 1238 angegeben wird. Dies Datum bezieht sich auf die Machtübernahme der Thai in dieser ehemaligen Khmer-Garnisonsstadt. Der mit einer großen goldenen Utopie beseelte Ramkhamhaeng wurde der herausragende Thai-König dieser Gründerphase (1279 - 1298).

Zu gleicher Zeit lebte Prinz Mengrai, Sohn des Herrschers von Yonok Nakhon (später: Chiang Saen), eines dieser nördlichen Mekong-Fürstentümer. Die Sage will es, dass sie, Mengrai und Ramkhamhaeng, sich während ihrer Ausbildungszeit in der ehemaligen Khmer-Residenz Lop Buri kennen und schätzen gelernt hatten. Durch den frühen Tod seines Vaters (ca. 1259) kam Mengrai eher als der Freund aus Sukhothai in eine verantwortungsvolle Position. Seine forsche Politik: Fusion der kleinen nördlichen Fürstentümer. Seine Mittel: Eroberung der Schwachen, Koalition mit Gleichen, Wehrhaftigkeit gegen Stärkere. 1262 ließ Mengrai Chiang Rai - die Stadt trägt seinen Namen - errichten und sich zum König krönen. Das Reich Lanna wuchs durch weitere Eroberungszüge und Annexionen Mengrais als zweites Thai-Königreich - parallel zum südlich gelegenen Sukhothai - zu ernstzunehmender Größe heran. Bemerkenswert, dass die Freundschaftsbande der damaligen Thai-Könige - Ramkhamhaeng und Ngam Muang (aus Phayao) halfen Mengrai mit Rat und Tat bei der Errichtung einer neuen Residenz - zum ersten Thai-Staatenbund der Geschichte führte. Das Drei-Königs-Denkmal im Herzen der 1296 fertiggestellten Stadt erinnert an das historisch verbürgte Treffen der drei Fürsten. Der politische Hintergrund war die Festigung des Freundschaftsvertrages, der die drei Thai-Reiche vor der Gefahr des Mongolensturms der Truppen Kublai Khans schützen sollte. Das neue königliche Zentrum von Lanna wurde dementsprechend als Festung angelegt, es erhielt den Namen Nophaburi Sri Nakhon Ping Chiang Mai. Heute einfach als Chiang Mai, die neue Festung, bekannt.

Trotz der in fast allen Königshäusern üblichen Thronstreitigkeiten, konnten die Erben Mengrais die Machteinflusssphäre ausdehnen und die Eigenständigkeit Lannas bis in die Mitte des 16. Jahrhundert halten. 1558 jedoch, musste sich Lanna, trotz seiner ambivalenten Politik und guten Kontakte nach Pegu, den Burmesen unterwerfen. Dieses Ereignis war ein dunkler Vorbote der wenige Jahre später folgenden ersten Zerstörung Ayuthayas, der mächtigen siamesischen Königsstadt, durch die Burmesen. Die Thai im Chao Phraya Becken konnten sich schnell erholen, ihre Unabhängigkeit herstellen und Ayuthaya wieder zu der prachtvoll glänzenden Metropole ausbauen, wie sie von den später ankommen Europäern beschrieben wurde.

Doch ihre nördlichen Verwandten richteten sich für mehr als zweihundert Jahre unter der Oberherrschaft Burmas ein. Erst 1774, sieben Jahre nach der zweiten burmesischen Verwüstung Ayuthayas, wurden die Burmesen vom Thai-König Taksin aus Lanna verjagt. Das Land selbst wurde erst 1804 offiziell zu Siam zugehörig erklärt.

Diese politisch wie kulturell sehr differente Entwicklung zum eigentlichen siamesischen Stammland ist auch heute noch in Chiang Mai und Umgebung allerorts zu spüren, zu sehen und zu besichtigen. Mit großem Stolz wird seitens der einheimischen Bevölkerung auf die kulturelle Eigenheit wie Eigenständigkeit hingewiesen. Und wenn in Bangkok mal wieder Beschlüsse fallen, welche die Freiheitsliebe der Bewohner einschränken sollen, dann lacht ein echter Chiang Maier, mit dem Hinweis, dass ginge ihn ja gar nichts an, hier sei ja gar nicht Thailand, hier ist Lannaa.

 
 
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