1 User Online
   
 
 
thailand-property-gate
http://www.der-farang.com/
http://farang-magazin.com/kleinanzeigen/neue-inserate-lesen/
http://www.der-farang.com/?article=books
http://farang-magazin.com/index.php?adclick=15
http://www.buttra.com/
http://www.nongapartment.com/
http://www.pictures-thailand.com/
http://www.berlin.myfarang.com/
http://farangtaxi.com/
http://www.easy-abc-th.com/
http://www.swisshelpingpoint.com/
http://www.eidi-homestay.com/
http://www.tropicalgardenlounge.com/
 
Beiträge · Auf ein Wort von Michael Steinmetz
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Michael Steinmetz

Ist Prostitution in Thailand verboten?

Ja! Per Gesetz.

Gebannt durch Religion. Sowie die ehrwürdige Tradition jede Form der Prostitution ausschließt. Viele mag dieses kategorische "Ja" überraschen. Einige werden diese Tatsache vielleicht in den letzten Monaten vernommen haben, denn die Diskussion um die Legalisierung der Prostitution ist zurzeit in Thailand hochaktuell und öffentlich. Allein letzteres ist schon ein Tabu-Bruch.

Unter Prostitution (von lat. prostare, sich anbieten) versteht man, dass Menschen anderen Menschen für Geld Sex bieten. Das heißt: für eine definierte Dienstleistung einen vorher ausgehandelten Lohn erhalten. Der westliche Begriff Sexworker steht für die Versachlichung dieses Warentauschgeschäfts. Doch Hand aufs Herz, hat es das in Thailand so gegeben? "Thailand", das Wort allein - "dank" einer Jahrzehnte langen Medien-Kampagne - konnte als Inbegriff für Prostitution in unserem gesteuerten Bewusstsein die gute alte Reeperbahn auf Platz zwei verweisen. Wie konnte es zu diesem tragischen Missverständnis kommen?

Thai-Gesetzeslage heute:

Sex mit Menschen unter 15 Jahren ist generell verboten. Sex mit Personen, die 15, 16 oder 17 Jahre alt sind, ist verboten, wenn es sich dabei um einen Akt im Prostitutionsgewerbe handelt. Achtung: auch in Thailand wird eine Farang-Thai Verbindung quasi immer als ein Prostitutionsverhältnis gedeutet. Für den Kunden ist Geld für Sex straffrei, wenn die dienstleistende Person wenigstens 18 Jahre ist. Für die Sexworker stellt sich die Situation etwas komplizierter dar: Der Aufenthalt in Läden der Unterhaltungsindustrie ist ab 20 Jahren straffrei. Jedoch ist jede Absicht, die auf Gelderwerb durch sexuelle Gefälligkeiten abzielt, strafbar. Egal wo. Die Strafen liegen gesetzlich geregelt zwischen 1.000 Baht und Todesstrafe.

Die Geschichte der gesetzlichen Regelungen merkantiler Sexkontakte beginnt in Thailand mit dem 20. Jahrhundert und nimmt immer Bezug auf externe, koloniale oder globalisierungsindustrielle Einflüsse. 1908 ging es hauptsächlich um Erfassung der Bordelle aus volksgesundheitlichen Aspekten. 1928 stand die Bannung des Handels mit Frauen und Mädchen im Vordergrund. Das bigotte Gesetz von 1960 ist nicht ohne die hyperkorrupte Doppelbödigkeit eines Sarit Thanarats zu verstehen, der die Einnahmen aus Drogenhandel, Glücksspiel und Prostitution in die eigene Tasche wirtschaftete. Dies Gesetz war im rechtsfreien Raum einer USA-gestützten Militärdiktatur entstanden und blieb dort auch Jahrzehnte lang mehr oder weniger missachtet, war Interpretations- wie Einnahmequelle der örtlichen Polizei. Erst mit dem Prevention and Suppression of Prostitution Act of 1996, wurden auch männliche Sexworker unter das Gesetz gestellt sowie konkret Altersbestimmungen festgelegt.

Die aktuelle "Legalize it!"-Kampagne wird von zwei Seiten befürwortet. Einerseits von Bürgerrechtlern, die eine Bestrafung erwachsener Personen, die Sex für Geld anbieten, für einen modernen Staat als unadäquat erachten, andererseits von staatlicher Seite aus Steuereinnahmegründen, wie aber auch um der polizeilichen Korruption sowie der Kriminalität im Umfeld besser begegnen zu können.

Das Problem aus buddhistischer Sicht ist nur im Zusammenhang mit der buddhistischen Ethik zu verstehen. Und die buddhistische Ethik ist - zumindest im frühen Buddhismus - asketische Mönchsethik, d.h. nur für den Orden relevant. Daraus resultierten wenig moralische Ableitungen für die Laien, und wenn, dann waren sie wegweisend, aber nie diskriminierender Natur. Gerade die Bezugnahme auf hinduistische Glaubensvorstellungen konnten im Umfeld des Buddhismus bestehen: "Der Koitus bildete die Metapher für die mythische Vereinigung mit der Gottheit, ja, ist vielleicht gar als ein Archetyp für jene Erfahrung zu erklären, die der Mensch in seinem Inneren mit Gott erlebt: nämlich als das Aufhören der Gegensätze, die monistische Einheit von Subjekt und Objekt, die Verschmelzung des Endlichen mit dem Unendlichen, die Unio Mystica."

In der Linie des Tantrischen-Buddhismus hat man sich auf diese Metapher wieder besonnen und ihre Darstellung in vieler Gestalt aufgegriffen. Man scheute sich nicht, das Geistige aus dem Sexuellen und das Heilige aus dem Obszönen abzuleiten sowie Verbindung zwischen sexueller Energie und geistigem Wachstum zu sehen. Es verwundert nicht: Der moralische wie transzendentale Stellenwert der Sexualität im Buddhismus hat sich im Laufe der zweieinhalbtausend Jahre mehrmals erheblich gewandelt. Konstant blieb: Dem Laien (alle nicht Mönche) wurde seitens der Sangha (Mönchsorden) seit jeher ohne moralischen Druck nur Verhaltensgrundsätze, z.B. das "Abstehen von unreinem Lebenswandel", mitgegeben. Der Buddhismus kennt keine imperativen Verhaltensvorschriften und damit auch keine Norm setzende Instanz. Das hat ein natürliches Körper-Bewusstsein wie eine unverklemmte Erlebensfähigkeit erhalten. Der Freiraum des Sexes war das Private. Was man tut oder lässt folgt eigener Einsicht und Freiwilligkeit.

Alles ist möglich solange keiner Schaden nimmt und kein Dritter oder Vierter ungehörig konfrontiert wird. Das ist die Ambivalenz des "Greng-djai"-Prinzips. Deshalb sind offensive Begriffe wie "Sexworker" für die traditionelle Thai-Gesellschaft völlig inopportun. Aber auch weil die merkantile Kommerzialisierung - allem Empörern des ersten Augenschein zum Trotz - sexueller Kontakte in Thailand nicht das war, was die westliche Welt sehen wollte. Am Verkaufserfolg orientierte Begriffe wie "short-time" haben erst in den letzten Jahren Einzug gehalten. Denn: alle Tradition ist im Wandel. Der knapp bemessene Platz verlangt ein Schlusswort: Die Hoffnung bleibt, dass mit der anstehenden, offiziellen Einführung der Prostitution in Thailand der parasitären Kriminalität besser das Handwerk gelegt werden kann.

 
 
zum Seitenanfang  
 
Copyright © 1999 - 2012  [ Matt Productions Co., LTD - FARANG Media ] Alle Rechte vorbehalten Impressum | Sitemap