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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Wundersame Mönche

In und nach der Zeit Buddhas gab und gibt es immer wieder Mönche, denen wundersame Kräfte nachgesagt werden. Manche dieser Mönche sollen das Teja beherrscht haben, was von den meisten Gläubigen als eine magische Kraft bezeichnet wird. Hier halten sich Aberglauben und unerklärliche Realität die Waage.

Zur Zeit Buddhas gab es einen Mönch namens Moggallana. Einst war er ein überzeugter Brahmane und hoher Würdenträger, der sich aber schließlich zu Buddha bekehrte. Er soll die legendären Zauberlieder Atharvaveda als einer der wenigen beherrscht haben. Die Zauberlieder gehören zu den ältesten altindischen Schriften und sind Bestandteil der Veden. Diese Schriften sollen die altindischen Götter als Vermächtnis zurückgelassen haben.

Moggallana war auch bekannt unter dem Namen Moggallana der Magiegewaltige. In Versenkung hatte er auch die Fähigkeit des Hellsehens und kannte magische Praktiken. Buddha hatte ihm die Anwendung immer wieder verboten. Ob er sich daran hielt, wurde nicht überliefert. Noch vor dem Tod Buddhas soll Maggallana von Räubern erschlagen worden sein.

Nach dem Tod Buddhas lebte der Legende zufolge ein Mönch namens Sagata. Dieser soll die Gabe gehabt haben sich unsichtbar zu machen, indem er einen durchsichtigen Hautmantel anzog. Er konnte auch durch Mauern, Wälle und Felsen hindurchgehen, auf dem Wasser wandeln und in der Luft sitzen. Alles nur Legende ?

Der tibetanische Mönch, der heilige Padmasambhava, lebte im 8. Jahrhundert. Er soll das Teja studiert und praktiziert haben. Daraus leitete sich seine Fähigkeiten ab, aus dem Nichts Blitze wie Pfeile zu verschleudern und alleine durch Gedanken einen Felsen zu sprengen oder Gegenstände zu beeinflussen. Was mag wohl hinzugedichtet und was mag wahr sein ? Die kaum bekannten tibetanischen Hexen, die Dakinis, sollen ebenfalls diese mächtigen Kräfte beherrscht haben.

In Tibet scheint man auch mehr über dieses fünfte Element und seine vielfältigen Eigenschaften zu wissen. Noch heute soll es Mönche geben, die nach über 20 Jahren Studium die Gabe haben sollen, auf 100-200 Meter Entfernung einen Menschen ohne Berührung töten zu können, indem sie aus Kraftfeldern eine Art Pfeil bilden. Auch sollen sie die Fähigkeit haben, ihre Körpertemperatur so zu steuern, dass sie sogar an jeder beliebigen Stelle des Körpers die Temperatur ändern können. Meister können im eisigen Schnee tagelang ohne Kleidung überleben, und dies auch bei Temperaturen im Minusbereich!

Am legendärsten sind jedoch die Lunggompas, die fliegenden Mönche. Fliegende tibetanische Mönche, im Rang eines Lamas, mit luftiger Kleidung versehen, die angeblich bis zu 25 km/h schnell fliegen konnten. Sie sollen wie in Trance wie ein Gummiball einige Meter hüpfen, ohne den Boden zu berühren, wobei sie ihre Arme und Beine hin und her schwingen. Dabei federn sie ihren Körper ab, als ob er nichts wiegen würde.

Buddha werden ebenfalls magische Kräfte zugesagt. So soll er u.a. die Gabe gehabt haben, über Wasser schweben zu können. Was ist nun Legende, was ist wahr und was wurde hinzugedichtet ? Man sollte es nicht direkt als Unsinn in der Schublade liegen lassen, denn noch heute sind uns die ungewöhnlichen Körperbeherrschungen von Yogas, Fakiren und Mönchen geläufig.

Und heute ?

Auch heute noch gelten viele Mönche als die Träger einer positiven spirituellen Kraft (Saksit), und einige hoch verehrte Mönche, die sogenannten Luang Pho (verehrter Vater) oder Phra Saksit (Mönche mit spiritueller Kraft) gelten besonders mit Zauber- oder heilkräftiger Energie (Teja) ausgestattet, wobei dieser Energie von den Gläubigen vielfältige Eigenschaften zugesprochen werden.

Amulette, die diese Mönche gesegnet haben, sind als Talismane gegen böse Geister sehr gefragt. Die Kombination aus einem oder mehreren Amuletten sowie dem lek-lai, einem angeblich magischen Metall, sollen vor allen bösen Geistern schützen können, so der Glaube. Das lek-lai soll es nur in einer bestimmten Höhle in der Nähe von Kraburi geben. Gläubige Männer lassen sich noch heute kleine Kugeln daraus unter die Haut transplantieren. Die Eigenschaft, dass diese Kugeln einen unverwundbar machen können, scheint nicht immer zu klappen. Der Glaube daran hält trotzdem unvermindert fort.

Es gibt nicht nur Anhänger von Buddha, sondern auch für eine Vielzahl verehrter Mönche. Einige Amulette tragen das Bildnis der Mönche selber. Obwohl die Luang Pho bzw. Phra Saksit im Grunde gegen eine der 27 buddhistischen Grundregeln verstoßen, nämlich die, die besagt, der Mönch solle nicht mit spirituellen Errungenschaften prahlen oder diese kundtun, ist das verteilen von Amuletten eine akzeptierte Praxis. Stirbt ein bekannter Luang Pho oder Phra Saksit, so wird das Kloster, der Wat, in dem seine sterblichen Überreste aufbewahrt werden, schnell zum Wallfahrtsort. Selbst Abbilder des Mönchs werden als Träger der spirituellen Energie betrachtet.

Auch in heutiger Zeit gibt es diese Phra Saksit. Einer dieser hoch verehrten Mönche, stellvertretend für viele, war z.B. der Mönch Luang Po Sothorn. Dieser hatte nicht nur übernatürliche Fähigkeiten, sondern sogar seinen Todestag richtig vorausgesagt. Zum prophezeiten Todestag versammelten sich Tausende Einwohner und Gläubige am Wat und erlebten, wie der Mönch im Lotussitz aus dem Leben schied. Er lebte im Wat Sothorn in Chachoengsao, in der Nähe von Bangkok. Heute ist dieser Wat einer der wichtigsten Wallfahrtsorten in der Region.

Der Abt Luang Pho Chaem

Etwa 6 km südlich von Phuket-Town befindet sich das Wat Chalong. Es geriet im Jahre 1876 in einen schwierigen historischen Konflikt, wobei der Abt des Wats, Luang Pho Chaem, eine ungewöhnliche Rolle einnahm. Von diesem Abt ist überliefert, dass er zu den wenigen Mönchen seiner Zeit gehörte, die die alten Pali-Schriften und weitere altindische Schriften lesen konnten. Zudem soll er sich für die Medizin, die Astrologie und seltsame Dinge interessiert haben.

Im Jahr 1876 war es unter den chinesischen Minenarbeitern aus unbekannten Gründen zu einem harten Zerwürfnis mit der Minengesellschaft gekommen. Es blieb nicht beim anschließenden Streik, sondern alles wurde derart explosiv und kompliziert, dass sich die Arbeiter in zwei konkurrierende Lager spalteten, die sich schließlich gegen die örtliche Administration erhoben und ganze Dörfer ausplünderten. Weder die Bevölkerung noch die örtlichen Behörden oder Regierungsstellen wussten sich zu helfen. Die Banden fanden immer wieder einen Weg sich zu verstecken.

Als sie eines Tages in das Dorf Ban Chalong einfielen, ergriffen die meisten Einwohner des Ortes die Flucht. Einige flüchteten zum Wat, um die Mönche zu warnen, damit diese sich ebenfalls in Sicherheit bringen können. Doch die Banden waren so schnell, dass bereits einige Mönche getötet wurden. Der Abt jedoch, Luang Pho Chaem (Luang Pho ist eine Ehrentitel der Mönchen verliehen wird, die es zu tiefer Erkenntnis gebracht haben), und ein weiterer Mönch namens Pho Chuang, verweigerten die Möglichkeit zur Flucht.

Die Mönche riefen zur Gegenwehr auf. Da die meisten Angst hatten, band Luang Pho Chaem jedem Einwohner einen weißen Stoffstreifen um die Stirn, die er mit einer geheimnisvollen magischen Inschrift versehen hatte. Diese Inschrift sollte dem Träger übernatürliche Kräfte (saksit) geben. Dadurch wollte man nicht nur Feind und Freund von einander unterscheiden können, sondern auch die Feinde besiegen helfen. Wider erwarten konnten die Einwohner die Eindringlinge in die Flucht schlagen und vertreiben.

Durch den Sieg von Chalong ermutigt, stellten sich nun auch andere Einwohner von Phuket den tobenden Minenarbeitern in den Weg. Bald war der Aufstand niedergeschlagen und es kehrte wieder Ruhe ein. Die Geschichte von den magischen Stirnbändern des Abtes machte die Runde und jeder war von dessen Magie überzeugt.

Nach dieser mutigen Tat wurde Luang Pho Chaem vom König zum Obersten Priester von Phuket ernannt und sein Ruf verbreitete sich sogar bis nach Penang. Seitdem machten sich Gläubige aus ganz Thailand auf den weg, um dem angesehenen Mönch ihre Ehre zu erweisen. Nach seinem Tod wurde eine Statue des Abtes angefertigt und aufgestellt.

Heute bekleben die Einwohner Phukets und die zahlreichen Besucher des Wats, die aus anderen Teilen des Landes kommen, die Statue des Abtes, die im Wat Chalong errichtet wurde, mit vielen Goldblättchen. Das Wat wurde so zu einem beliebten Ausflugziel der Bevölkerung und Touristen. In der Nähe des Wat befinden sich zahlreiche Souvenir- und Essenstände sowie Getränkehändler, die einige wohltuende Erfrischungen anbieten.

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