Das Bo Sang Umbrella Fest
Jedem Tourist sind die schön bemalten Fächer und Schirme bekannt, die man in vielen Orten Thailands als beliebtes Souvenir kaufen kann. Weniger bekannt ist es, das der neuzeitliche Ursprung der thailändischen Schirmherstellung in Bo Sang begann, einem Dorf nur 10 km östlich von Chiang Mai gelegen. Die Herstellung von bemalten Schirmen aus Papier und Seide machten den kleinen Ort Bo Sang weltberühmt.
Vorher war die Kunst der Schirmherstellung schon lange in China bekannt. So gibt es die Theorie, das die Kunst der Schirmherstellung eine Erfindung von dem Volk der Dai aus Yunnan ist. Das Volk der Dai, das noch heute in Yunnan lebt, sind nahe mit den Thais verwandt. Man geht auch heute davon aus, das viele Thai-Sämme ursprünglich aus Yunnan stammen, als sie nach Siam auswanderten.
So sollen es Mönche gewesen sein, die etwa im 13. Jahrhundert eine Pilgerreise in Kaiserreich China unternahmen und auf ihrer Rückreise die ersten Schirme ins Königreich Siam mitbrachten. König Rama Khamhaeng (1275–1317), der zwei Reisen ins Kaiserreich China unternahm, soll diese Kunstfertigkeit gefördert haben und es wird vermutet, das in seiner Regierungszeit einige Schirmhersteller aus Yunnan vom Volke der Dai nach Siam kamen. Danach soll nach einiger Zeit die Kunst des Herstellens dann mehr und mehr verloren gegangen sein bzw. nicht mehr so populär gewesen sein und erst in neuerer Zeit wieder entdeckt werden.
Die älteren Leute aus Bo Sang erzählen heute noch eine alte Geschichte, das es einem Mönch zu verdanken sei, das die Kunst der Schirmherstellung nach Bo Sang gekommen sei. Folgende Geschichte wird dazu erzählt:
Vor etwa 100 Jahren gab es einen verehrten Mönch mit dem Namen Phra Inthaa, der in einem Wat in Bo Sang lebte. Er war ein tatkräftiger und wissbegieriger Mönch, denn er ging sehr gerne im Ort umher, unterhielt sich mit allen Einwohnern und beobachte sehr genau, was die Bewohner den ganzen Tag machten und wie sie lebten und hinterfragte alles. So sah er mehr und hörte er mehr als ein Mönch vor ihm. Eines Tages hörte er von einem kleinem Wat nahe der Grenze zu Burma, die keinen Mönch mehr hatten. Er beschloss dort einige Zeit als Mönch tätig zu werden und blieb lange Zeit weg, worüber die Einwohner von in Bo Sang traurig waren.
Eines Morgens, als der Mönch gerade seine Morgenmahlzeit im Wat einnahm, überreichte ihm ein gläubiger Burmese einen Regenschirm als Geschenk, um Verdienste für sich zu erwerben. Denn er beobachtete, das der Mönch keine Regenschirm besaß und oft im Regen umherwanderte. Der Mönch freute sich über das praktische und seltene Geschenk, betrachtete ihn und fragte dem Burmesen, ob er den Schirm selber gemacht hätte. Der Burmese sagte mit Stolz das er ihn extra für den Mönch in Handarbeit gefertigt hätte. Die Neugier des Mönch wurde geweckt und er wollte wissen, wo der Mann lebte. Der Burmese antwortet das er etwa eine Tagesmarsch vom Wat entfernt, nahe der Grenze, wohnen würde und verabschiedete sich vom Mönch.
Als Phra Inthaa alleine war, öffnete er den Regenschirm, um zu sehen, wie er im Detail angefertigt wurde. Er kam zu Überlegung, das der Schirm sowohl als Regenschirm als auch als Sonnenschirm sehr gut geeignet sei. Das interessierte ihn so sehr, das er beschloss, den guten Mann aufzusuchen, um von ihm zu erfahren wie er diesen Schirm herstellte. Als er einen Tag später im Heimatdorf des Mannes ankam, der ihm dieses Geschenk machte, war er erstaunt. Überall sah er Dorfbewohner, die große Regenschirme herstellten. Man erklärte ihm, das diese Schirme auch für bestimmte religiöse Zeremonien und Feste hergestellt würden. Phra Inthaa hinterfragte alles sehr interessiert und ihm wurde erklärt, das man das Papier aus der Rinde des Saa-Baum (Maulbeerbaum) gewann, es dann mit einem Baumharz auf einem leichten Bambusholzgestell befestigte und anschließend den Schirm mit einem speziellem Öl bestrich, damit der Schirm gegen Sonnenstrahlen und Regen geschützt sei. Das Schwierigste, erklärte man ihm, war jedoch die Herstellung des Papiers. Dazu musste zuerst die Rinde des Maulbeerbaumes gekocht werden, um sie ganz weich zu machen. Dann wurde sie gewaschen und ganz klein zerstoßen, bis sie ganz fein war. In einem Wasserbecken lag ein passendes Tuch aus Baumwolle. Die zerstoßende Maubeerbaumrinde wurde dann ins Wasser reingesetzt und man verrührte alles, damit sich die fein zerstoßende Maubeerbaumrinde gleichmäßig auf das Tuch absetzen konnte, was einige zeit dauerte. Danach nahm man vorsichtig das Tuch heraus und ließ es in der Sonne trocknen. Als es trocken war, hatte sich so das Saa-Papier für die Schirme auf dem Tuch gebildet und konnte nun verarbeitet werden. Der Mönch war derart fasziniert von den handwerklichen Künsten der Dorfbewohner, das er sich die Herstellung eines Schirms in allen Details erklären ließ, das Dorf öfters besuchte und alles aufschrieb.
Nachdem Phra Inthaa nach langer Zeit nach Bo Sang zurückkehrte, dachte er darüber nach, das die benötigten Materialien für die Herstellung der Schirme sicher leicht zu finden seien und die Herstellung durch geschickte Leute nicht so schwer wäre. Er schlug den Dorfbewohnern vor, ebenso solche Schirme herzustellen. Obwohl es hier in der Gegend genügend Saa-Bäume und Bambus gab, konnte er jedoch nur wenige Dorfbewohner davon überzeugen, das sie ebenfalls solche Schirme herstellen und verkaufen könnten. So unterrichtete Phra Inthaa nur die wenigen interessierten Dorfbewohner mit Hilfe seiner Aufzeichnungen, wie Schirme hergestellt würden. Weil die wichtige Papierherstellung sorgsam sein musste ließ er das Papier von Frauen herstellen und die Gestelle aus Bambus von Männern. So ging alles Hand und Hand und bald schon sah man die ersten Dorfbewohner, die dem Mönch halfen, mit eigenen Schirmen durch das Dorf spazieren gehen. Dadurch konnte das Interesse weiterer Dorfbewohner gewonnen werden, die ebenfalls lernen wollten, wie solche Schirme herstellt werden konnten.
Als andere Leute aus anderen Dörfern die schöne Schirme sahen, wollten einige ebenfalls solche Schirme haben. So kam es das es erste Aufträge aus der Nachbarschaft gab. Doch noch konnte keiner vom Verkauf leben, deshalb wurden die wenigen Schirme erst nach der Reisernte in den Abendstunden gefertigt. Um mehr Aufträge zu erhalten riet Phra Inthaa den Dorfbewohnern, einige Schirme auf dem Markt von Chiang Mai zu verkaufen. Chiang Mai war eine größerer Stadt mit mehr Menschen. So nahmen einige Dorfbewohner 20-30 Schirme mit, um sie auf einem Markt von Chiang Mai zu verkaufen. Dabei machten sie die überraschende Entdeckung, das auch Dorfbewohner aus Mae Wang aus dem Sanpatong Bezirk nicht nur die gleichen Schirme aus Papier verkauften sondern auch Schirme aus Seiden- und Baumwolltuch. Obwohl sie nicht wussten, woher die Bewohner von Mae Wang von der Schirmherstellung wussten, wurde ihnen bewusst, das sie nun eine große Konkurrenz hatten. Sie kauften einen Schirm aus Seidentuch und eine Schirm aus Baumwolltuch. Gemeinsam mit Phra Inthaa betrachteten sie die gut gefertigten Schirme und überlegten, wie sie ebenfalls solche Schirme herstellten konnten. Und schon bald konnten die Bewohner von Bo Sang die gleichen Schirme auch mit Baumwoll- und Seidenstoffen herstellen. Bald darauf wurde Bo Sang als das Schirmdorf bezeichnet, aber diente die Herstellung für wenige nur als kleiner möglicher Zusatzverdienst. So soll also die Schirmherstellung nach Bo Sang gekommen sein.
Erst ab etwa 1960 fing man an, im größeren Stil nicht nur mehr Schirme für den inländischen Markt herzustellen, sondern auch die Schirme mit Blumenmotiven und Landschaftsmotiven zu bemalen. Und, ab etwa 1970, langsam der Bedarf auch durch Besucher aus dem Ausland stieg, entstanden in Bo Sang immer mehr Handwerksbetriebe, die nicht nur bemalte Schirme aus Papier, Seide und Baumwolle in allen Größen herstellten, sondern auch bemalte Fächer und Papierlaternen. Der Ort Bo Sang wurde zu einem der wichtigsten Orte der Schirm- und Fächer-Herstellung Thailands und belieferte den ganzen inländischen Markt.
Heute ist Bo Sang immer noch als das Dorf der Schirmmacher bekannt, obwohl viele benachbarte Orte ebenfalls gleichwertige Produkte herstellen und der Konkurrenzkampf selbst in Bo Sang groß geworden ist. Noch immer verdienen die meisten Familien in Bo Sang ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von buntbemalten Schirmen, Fächern und Papierlaternen, aber der Verkauf ist schwieriger geworden als in früheren Zeiten. Die goldene Zeit, so sagen es viele Einwohner Bo Sangs, ist längs vorbei. Wenn jemand die Idee hat, eine Schirm zusätzlich mit einem neuen Motiv zu dekorieren, wird dies in kurzer Zeit einfach kopiert. Auf vielen Straßen und verborgenen Seitenstraßen sieht man große und kleine Manufakturen, oftmals ganze Familienbetriebe. Einige Handwerkbetriebe stellen nur das Papier her oder färben es, andere stellen nur die Gestelle und Einzelteile aus Bambus und Holz her und andere wiederum montieren die kompletten Schirme. Die meisten Geschäfte befinden sich dagegen nur auf den Hauptstraßen.
Einzigartig bleibt aber das alljährliche 2tätige das Bo Sang Umbrella Fest, das in Bo Sang aber auch seit einiger Zeit, wohl mehr aus touristische Gründen, auch im benachbartem Chiang Mai gefeiert wird. In der Regel findet dieses Fest immer Mitte bis Ende Januar statt. Dazu werden die Hauptstrassen in Bo Sang festlich und farbenfroh geschmückt, wobei die wichtigsten Dekorationsstücke unzählige Schirme, das Hauptprodukt Bo Sangs, sind. Natürlich sind an diesen beiden Tagen sämtliche Geschäfte besonders schön mit Schirmen und Fächern dekoriert, um möglichst viel Kundschaft anzulocken. Doch bieten die meisten Geschäfte auch Kunsthandwerk aus Holz, Seiden- und Baumwollstoffe sowie Textilien aus dem benachbarten San Kamphaeng. Silberschmuck und weitere Produkte an. Zwischen den Geschäften gibt es kleine Restaurants, die in dieser Festzeit schnell gefüllt sind. Aber es gibt hier nicht nur Schirme, Fächer und Papierlaternen zu kaufen sondern auch anderes thailändisches Kunsthandwerk, Textilien und Stoffe
Alljährlich kommen zahlreiche Thais aus nah und fern und viele Touristen zum Bo Sang Umbrella Fest, besonders, um den Festzug mit den zahlreichen schön dekorierten und farbenprächtigen Festwagen anzusehen. Auf den Festwagen sitzen die Schönheiten der Region, wobei es noch eine anschließenden traditionellen Schönheitswettbewerb gibt, wo die Miss Bo Sang gekürt wird. Höhepunkt ist eine Parade beschirmter Mädchen auf Fahrrädern mit kleinen buntbemalten Schirmen. Schön anzusehen sind aber nicht nur die schön geschmückten Hauptstraßen und der Festzug sondern auch die vielen Bewohner, die für diese Festtage schöne traditionelle Kostüme anziehen. Besonders sehenswert sind natürlich die charmanten Mädchen und Frauen in ihren prächtigen Seidenkostümen. Weiterhin treten Tanz- und Musikgruppen auf, die nordthailändische Volkstänze und Musik aufführen. Auch gibt es eine Wettbewerb um den schönsten Schirm.
Niemand sollte es versäumen, sich einmal in aller Ruhe die Herstellung der Schirme anzusehen. An diesen Festtagen wird an vielen Geschäften und Werkstätte die gesamte Herstellung demonstriert, wobei das bemalen der Schirme die meisten Besucher anlockt. Wer Geduld hat und sich einmal das kunstvolle Bemalen der Schirme ansieht, wird von der Kunstfertigkeit der Malerinnen und Maler sehr beeindruckt sein. Die kunstfertigen Hände zaubern mit Pinsel und Farbe und ohne Vorlage schöne Landschaften, Blumenmotive, Schmetterlinge, Vögel und weitere Motive hervor. Viele sind darauf spezialisiert in Akkord Schirme zu bemalen und beherrschen meisten nur wenige Motive. Die besten Schirmmaler beherrschen jedoch ein Dutzend verschiedene Motive und Variationen. An den Festtagen bieten einige Schirmmaler auch an, das man sich einen Schirm mit eigens ausgesuchten Motiven anfertigen lassen kann, wobei der Preis und die Dauer unterschiedlich sein kann. Der Andrang ist immer sehr gross und jeder sollte mit Wartezeiten rechnen.
Zeitgleich findet im benachbarten Ort San Kamphaeng das San Kamphaeng Handwerk Fest (San Kamphaeng Handicrafts Festival) statt. In San Kamphaeng werden hochwertige und handgefertigte Baumwoll- und Seidenstoffe hergestellt. Folglich werden hier in erste Linie Produkte aus Baumwolle und Seide ausgestellt.
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