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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Prapheni Hae Phaa

Zweimal im Jahre (in den Monaten März und Juni) zu den Festtagen des Makha Buja und Visakha Buja, findet ein außergewöhnliches dreitätiges Fest im Wat Phra Mahathat Vora Vihara (kurz: Wat Mahathat), Nakhon Si Thammarat statt, an dem Tausende von Gläubigen teilnehmen. Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und Familienmitglieder tun sich zusammen und kaufen zum Fest einige hundert Meter Stoff in der Farbe Orange, der traditionellen buddhistischen Farbe der Mönchsgewänder. Alle kurzen Stoffstücke werden dann zu langen Stoffbahnen aneinander genäht.

In Begleitung von Mönchen wickeln die Gläubigen dann die langen Stoffstreifen um den unteren teil des Hauptchedi im Wat, den Phra Pathom Chedi. Zu diesem Fest tragen die Teilnehmer nur weiße oder orangefarbene Kleidung und bringen Blumen und Räucherstäbchen mit. Der um den Chedi gewundene Stoff kann sogar mehrere hundert Meter erreichen.

Nach der Wickelzeremonie folgt das bekannte Umlaufen des Wats, das die Thais als wien tien eta bezeichnen (das Umkreisen mit den Kerzen), bei dem die Gläubigen Kerzen in den Händen halten.

Die Herkunft der Wickelzeremonie prapheni hae phaa kheun that ist nicht genau bekannt. Eine andere Bezeichnung ist hae pha khun that. Von ihr erzählt eine Legende:

Um das Jahr 1230 wurde die Zeremonie zum ersten mal begangen. In der Nähe des Küstenortes Pak Phanang hatten ein paar Fischer ein langes Stück Stoff gefunden, das bestimmte buddhistische Aufschriften trug. Die Bewohner des Ortes entschlossen sich, das Stück Stoff den Herrschern von Nakhon Si Thammarat zu schenken, die gerade Vorbereitungen trafen, den Phra Pathom Chedi feierlich einzuweihen. Die Herrscher jener Zeit waren Fürst Phra Chao Si Thammasokraja, Fürst Phra Chao Chantraphanu und Fürst Phra Chao Pongsasura. Man reinigte den Stoff mit den Aufschriften und war nach der Reinigung überrascht, dass die Aufschriften noch immer sehr gut erhalten waren.

Die Fürsten ließen nach dem Besitzern des Stoffes suchen. Erst nach einiger Zeit fand man heraus, dass es einer Gruppe von 100 Mönchen gehört hatte, die von einem Ort namens Hong Saowadi nach Sri Lanka segeln wollten. Ursprünglich sollte dort der Stoff um die Füße einer geheiligten Buddha-Statue gewickelt werden. Das Schiff der Mönche geriet aber in einen schweren Sturm. Nur zehn Mönche überlebten das Unwetter. Diese Mönche kamen nach Nakhon Si Thammarat und erklärten sich bereit, das Stück Stoff stellvertretend um den Chedi im Wa Mahathat zu winden. So soll aus diesem Ereignis die bis heute eingehaltene Tradition der Wickelzeremonie erhalten geblieben sein.

Wie bei vielen religiösen Feierlichkeiten in Thailand kommt auch hier der Spaß nicht zu kurz. In der Nähe des Wat werden klassische Tanzdarbietungen (lakhon) gezeigt und das nang talung, das traditionelle thailändische Puppenspiel. Alles fängt einen Tag vor dem Fest mit vielen Vorbereitungen an. Alle 3 Tage feiert man bis in den späten Abend.

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