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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Erzählungen von Wilfried Stevens

Volksfest Thao Suranari

Die Heldin Khun Ying Mo

Im Zentrum von Nakhon Ratchasima (Khorat) befindet sich die Bronzestatue der lokalen Heldin Khun Ying Mo, kurz Mo oder Thao Suranari genannt, das ihr zu Ehren 1934 errichtet wurde. Sie wird von den Einheimischen noch heute sehr verehrt und um Glück angerufen, denn Mo war es, die die Einwohner im Jahre 1826 vor den einrückenden laotischen Truppen rettete.

Damals, während der Regierungszeit von Rama III., war das Königreich von feindlichen Mächten bedrängt. Nicht nur die Burmesen, sondern auch die Laoten bereiteten einen Eroberungskrieg gegen Siam vor.

Die laotischen Einheiten überschritten den Mekong und eroberten unter der Führung des laotischen Prinzen Chao Anuwong von Vientiane den Nordosten. Der Prinz war Herrscher von Vientiane und einst ein Vasall des thailändischen Königs Rama III. Chao Anuwong hatte sich von seinem siamesischen Verbündeten nicht gebührend geachtet gefühlt und befand sich außerdem im dem Irrglauben, die Briten würden bald Siam angreifen. Der ehrgeizige Prinz Anuwong wollte ihnen zuvorkommen.

Seine Truppen eroberten mit List und Leichtigkeit die Stadt Khorat, in der sich praktisch nur ältere Menschen, Kinder und Frauen aufhielten. Die jungen und kräftigen Männer halfen beim Aufbau Bangkoks und der Verteidigung gegen die Burmesen. Die Stadt wurde von den Soldaten besetzt und andere Truppenteile marschierten weiter Richtung Saraburi, wo ihr Vormarsch jedoch von den Thais gestoppt werden konnte.

Khun Ying Mo, die Gattin des stellvertretenden Gouverneurs, erwies sich in dieser Situation als mutig und weitsichtig. Sie schlug einen riskanten Plan vor, der von allen Verantwortlichen als der wohl einzige Weg angenommen wurde. Um die mögliche Verschleppung und Versklavung nach Laos zu verhindern, wurde kein lokaler Widerstand aufgebaut, sondern man verhielt sich gegenüber den feindlichen Soldaten, die sie nach Laos abführten, sogar sehr entgegenkommend.

Die gefangenen Männer wurden unter scharfer Aufsicht gehalten, die Frauen dagegen konnten sich ziemlich frei bewegen, mussten aber Küchendienste leisten und den Soldaten die Nächte verschönern. Eine der Frauen war Mo, die Gattin des stellvertretenden Gouverneurs von Khorat. Sie erkannte bald, dass die Eroberer so selbstsicher ihrer Macht waren, dass sie nicht im Traum daran dachten, dass ihnen die gefangenen Frauen etwas anhaben oder gar gefährlich werden könnten.

Am dritten Tag der Entführung organisierte sie listenreich ein Fest für die laotischen Soldaten, die selbstsicher im weiteren Verlauf betrunken gemacht werden konnten. Nun sollte der Plan von Khun Ying Mo ausgeführt werden. Heimlich und unbemerkt konnte sie mit einigen anderen Frauen die männlichen Thais befreien. Mit viel Glück konnten sie sich zudem mit Messern, Stöcken und einigen Waffen der betrunkenen Soldenten bewaffnen. Bei einem Überraschungsangriff konnten die meisten der betrunkenen Soldaten überrascht und getötet werden. Der Rest wurde problemlos in die Flucht geschlagen. Im Siegeszug führte Mo ihre Leute nach Bangkok, um dort vor den möglichen weiteren Angriffen der laotischen Truppen sicher zu sein.

In Bangkok wurde sie von König Rama III., der vorab von den Geschehnissen erfuhr, mit höchsten Ehren empfangen. Sie erhielt den Titel Thao (= Lady) Suranari und wurde in den Adelsstand erhoben, wo sie unter den Namen Khun Ying Mo bekannt wurde. Die Thais unternahmen alsbald einen Gegenfeldzug und konnten die laotischen Hauptstadt Vientiane einnehmen. Der geschlagene Prinz Chao Anuwong floh daraufhin nach Vietnam.

Bis heute wird Khun Ying Mo von den Thais sehr verehrt, ganz besonders natürlich in Khorat. Viele Frauen sehen in ihr ein Paradebeispiel für weibliche Emanzipation und Stärke. Immerwährend sieht man am Sockel der im Jahre 1934 errichteten Statue, in dem sich auch die Asche der verstorbenen Nationalheldin befindet, Blumenkränze und andere Gaben der Bevölkerung.

In der letzten Märzwoche wird zu Ehren von Khun Ying Mo das zehntägige Thao Suranari-Fest begangen. Geschmückte Umzüge, Musikveranstaltungen und historische Ausstellungen werden ihr zu Ehren abgehalten.

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