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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Die Ruinen von Si Satchanalai

Berühmte Königsstätte wie Sukhothai, Ayuthaya und Bangkok weisen den Weg zu der äußerst interessanten Geschichte Thailands. Beschäftigt man sich näher mit der thailändischen Geschichte, stößt man früher oder später auch auf weitere bedeutende historische Stätten im Königreich. Eine dieser Stätten sind die wenig bekannten Ruinen von Si Satchanalai. Es ist eine besondere Stätte der thailändischen Vergangenheit und verdient Beachtung.

Si Satchanalai (auch geschrieben: Sri Satchanalai) liegt etwa 55 km östlich von Sukhothai und rund 420 km von Bangkok entfernt. Es hat ca. 10.000 Einwohner, gehört zur Region Nordthailand und liegt am rechten Ufer des Yom-Flusses. Die Stadt wurde 1250 als zweite Residenzstadt des Sukhothai-Reiches gegründet.

Das Gelände der Umgebung ist grün bewachsen und felsig. Die Landschaft rundum wirkt sehr idyllisch und schön, und ist deshalb schon einen Ausflug wert. Viele Einwohner leben vom Reisanbau, dementsprechend findet man hier viele Reisfelder vor. Von Sukhothai erreicht man Si Satchanalai am besten mit dem Bus oder Auto.

Die Ruinenstätte

Die übriggebliebenen Ruinen von Alt-Si Satchanalai liegen auf einem Hügel, umgeben von einer schönen Landschaft. Wer einen Besuch nach Sukhothai plant, sollte auf jeden Fall auch das benachbarte Si Satchanalai mit seine geschichtsträchtigen Ruinen besuchen. Die Ruinenstätte gehört zu den außergewöhnlichsten Ruinen des Landes, sind jedoch bei Touristen noch wenig bekannt. In den alten Chroniken wird Si Satchanalai als Schwesterstadt Sukhothais beschrieben, wo meistens der Vizekönig regierte.

Es war einer der nördlichsten Vorposten des einstigen Sukhothai-Reiches. Ursprünglich wurde Si Satchanalai auch Sawankhalok die Töpferstadt genannt, weil hier im großen Stil das berühmte Sawankhalok-Porzellan (Celadon) hergestellt wurde. Ob es eingewanderte chinesische Töpfer und Keramikspezialisten waren, darüber streitet noch die Fachwelt, zumindest wurden die Brennöfen vermutlich nach chinesischem Vorbild gebaut. Auch dürfen wir annehmen, das unter der Regierungszeit Rama Khamhengs, der diplomatische Beziehungen zu China aufbaute und Abkommen abschloss, auch chinesische Handwerker nach Sukhothai einlud. Einige Brennöfen jener Zeit blieben erhalten. Heute noch pflegen Werkstätten nahe der alten Stadt diese Handwerkskunst. Die Keramik wird in ganz Thailand verkauft.

Hinweis: siehe Beitrag "Sawankhalok-Keramik"

Als Sukhothai dem Ayuthaya-Reich tributpflichtig wurde, verlor auch Si Satchanalai an Bedeutung. Wirtschaftlich blieb die Stadt noch einige zeit erhalten und nannte sich in Sawankhalok um. Als 1574 örtliche Fürsten gegen die Ayuthaya-Dynastie revoltierten und die Revolte niedergeschlagen wurde, verlor die Stadt endgültig an Bedeutung. Die einfallenden Burmesen zerstörten schließlich die Stadt im 18. Jahrhundert. Als die Stadt endgültig verlassen wurde, stahlen Schatzräuber viele Relikte der alten Stadt und zerstörten dadurch sehr viel. Auch dienten besonders die alte Stadtmauern als Steinbruch, da niemand mehr auf die verlassende Stadt achtete. Erst im 19. Jahrhundert wurde die alte Stadt im Auftrag von König Rama I wieder restauriert.

1953 unternahm man dann die ersten kleine archäologischen Ausgrabungen. 1977 begann man eine weitere sehr aufwendige zehnjährige Restaurierungsarbeit. Nach Abschluss dieser Arbeiten gehörte Si Satchanalai 1987 wieder zu den ansehnlichsten Stätten und buddhistischen Monumenten Thailands. Bei der Restaurierung wurden 39 Monumente innerhalb und 75 weitere außerhalb der Stadtmauer freigelegt. Die Stadt war im Nordosten durch den Yom-Fluß sowie ursprünglich durch 5-7 Meter hohe und 1,5 Meter breite Mauern geschützt. Durch die Ausgrabungen stellte man fest, dass die alte Stadt Si Satchanalai in einem Rechteck angelegt war.

Die Ruinen befinden sich rund 2 km südlich des heutigen gleichnamigen Ortes. An der rund 2 km langen, zu den Ruinen führenden Straße entlang befinden sich auch einige kleine Tempel. Am Eingang des Historical Parks befindet sich ein genauer, wenn auch älterer, Lageplan des rund 300 Hektar großen Areals mit seine etwa 140 Ruinen. Am Parkeingang müssen Ausländer 20 Baht und Thais 5 Baht Eintritt bezahlen (Stand 2002). Im Areal, dem sogenannten historische Park, ist Autofahren verboten. Doch die wesentliche interessanten Ruinen, praktisch das Herz der alten Stadt erreicht man auch schnell zu Fuß. Wer in der heißen Jahrszeit das große Areal besichtigen will, dem rate ich unbedingt Wasser und eine Kopfbedeckung mitzunehmen. In der Regel wird bei der Parkverwaltung auch ein Lageplan angeboten, um sich im Areal besser zurecht zu finden.

Die wesentlichen Höhepunkte der Ruinenstätte

Anmerkung:

Auch wenn man die Bezeichnung "Wat" eher als " das Kloster" oder Teil eines Klosters übersetzen sollte, und es eigentlich dann "das" Wat heißen müsste, ist doch die Bezeichnung "der Tempel" für Wat vertrauter. Auch möge man eventuelle ungewollte Fehler in der Schreibweise verzeihen, auch ich bin nicht fehlerfrei!

Von der einstigen, mächtigen, 7 Meter hohe und 1,5 Meter breiten Stadtmauer aus Larit sowie von den mehreren großen Wällen und Gräben sind nur noch Bruchstücke vorhanden. Die ehemaligen Stadttore wurden jedoch restauriert, so auch das mächtige Tor Ram Narong im Südosten und das Tor am Fluss, das in früheren Zeiten nur für Mitglieder der königlichen Familie und Angehörige der Oberschicht sowie für die Mönche vorbehalten war. Vom ehemaligen Königspalast sind leider nur noch spärliche Reste übrig. Dahinter befindet sich ein restaurierter, zentraler Tempel. Den Lak Muang-Schrein, den Schrein es Schutzgeistes und den Grundstein der Stadt, ist teilweise von Pflanzen bewachsen.

Interessanter sind die zahlreichen buddhistischen Ruinen, wobei jedoch einige Treppen und Zugänge wegen Restaurierungsarbeiten immer wieder gesperrt sein können.

Wat Nang Phaya

Dieser Wat, auch als "Tempel der Königin" bezeichnet, besitzt einen typischen glockenförmigen Chedi auf einer hohen quadratischen Basis. An den Außenwänden kann man teilweise noch kunstvolle Pflanzenornamente aus Stuck sehen. In den Blütezeit der Stadt müssen wohl die meisten Außenwände so schön geschmückt worden sein.

Wat Kao Phanom Philong

Eine breite Treppe führt zu einer langgestreckten und eindrucksvollen Terrasse hinauf. Hier sieht man einige Säulen des ehemaligen Viharn und dahinter eine hohen Chedi. Vermutlich war hier einst eine Verbrennungsstätte, da dieser Tempel auch, frei übersetzt, "Tempel des heiligen Feuers" oder auch "Tempel des Feuerberges" genannt wird. Lateritstufen führen an einer anderen Stelle zu einer eindrucksvollen Buddhafigur hinauf. Von dieser erhöhten Stelle überblickt man etwas den alten Grundriss des Stadt.

Wat Kao Suwankiri

Dieser Wat liegt etwas höher als der Wat Khao Phanom Philong. Hier gibt es einen sehr schönen weiteren glockenförmigen Chedi zu sehen, der auf einer dreigeschossigen, quadratischen Basis erbaut wurde. Beiendruckend sind auch hier die Reste einer riesigen Buddha-Statue.

Wat Chang Lom

Das Prunkstück der Ruinenstätte ist meiner Auffassung der Wat Chang Lom, der fast im Zentrum der alten Stadt liegt. Hier sieht man eine gut erhaltenen Chedi aus Laterit und mit Stuck verziert. Die Stupa weist 39 gemeißelte Elefantenköpfe auf, wobei nicht alle richtig restauriert wurden. Der Bau wurde laut Chronik 1285 begonnen und erst 1291 fertiggestellt. Im alten Chedi solle sich Reliquien befinden. Der Chedi wird von 39 Elefanten gestützt, die an Basis die Pagode als Skulpturen schmücken.

Eine Mauer, durch die einst vier Tore führten, umgibt den Wat. In Sockelnischen sieht man im oberen Bereich Buddhafiguren und im unteren Bereich Elefanten, denen jedoch zumeist die Köpfe fehlen. Die Elefanten erwecken den Anschein, als tragen sie das Bauwerk. Deshalb nennt man den Tempel auch "von Elefanten umgebener Tempel". Es erinnert etwas an indische Bauwerke, die ebenfalls gerne mit Elefantenmotiven geschmückt werden. Bei Grabungen und der Wiederherstellung der Ruinen hat man hier hinter den Skulpturen Säulen mit Kapitellen entdeckt. Man schließ daraus, dass die Mauer des unteren Sockels im laufe der Zeit verändert wurde, oder ein neuer Sockel auf eine älteren gebaut wurde. Für den Bau soll man sechs Jahre gebraucht haben, der von König Rama Khamheng veranlasst wurde.

Wat Chet Thaew

Hier befindet sich eine Reihe von Chedis, die die Asche der Vizekönige von Sukhothai enthalten. Vermutlich von König Lü Thai, auch unter der anderen Schreibweise Loei Thai bekannt (1347-1370) erbaut, als dieser als Kronprinz in Si Satchanalai residierte. Ein Schrein soll die sterblichen Überreste dreier Prinzen von Sukhothai beherbergen. Der Chedi weist eine Lotosknospenspitze auf. Im westliche Bereich sind noch die Reste einer ehemaligen Ordinationshalle zu erkennen.

Wat Chedi Theo

Ein prachtvolles Bild bieten im Wat Chedi Theo in Reihen angeordneten 32 Stupas verschiedener Kunststile, in denen die Asche von Mitgliedern der vizeköniglichen Familien beigesetzt wurden. Hier kann man noch gut erhaltene Stuckreliefs erkennen. Auch findet man dort eine schöne, wenn auch restaurierungsbedürftige Buddha-Statue die unter einer Naga-Schlange meditiert. Spuren einstiger Wandgemälde sind nur noch schwer zu erkennen und wurden somit wohl nicht restauriert. Da der ganze Wat, wie auch alle anderen Gebäude frei liegen, würden die Witterungsbedingungen eine Restaurierung der Wandmalereien schnell zunichte machen.

Wat Si Rathana Mahathat

Etwas außerhalb des alten Stadtkerns, in der Nähe der Hauptstraße, führt eine schwankende Hängebrücke zu diesem Tempel, der in einer Schleife des Yom-Flusses liegt. Auch hier sieht man eine schöne Buddha-Statue. Im Hof stehen zwei Heiligtümer, ein Chedi und ein großer Prang. Stilistisch gesehen erkennt man hier auch indische Einflüsse, die man auch von Khmer-Bauten sieht.

Besonderes Interesse verdient auch die sehr ungewöhnliche, aus mehr als 1 Meter starken Zylindern gebildete Umfassungsmauer, die 1285 bis 1288 von König Rama Khamheng errichtet wurde. Die Dicke der Mauern lässt darauf schließen, das der Wat wahrscheinlich auch mal "Festungscharakter" hatte. Auf den Pfeilern ruhen schwere, dachförmige Lateritkappen; drei hölzerne Pfeiler bildeten einst die Tore, wobei man noch Spuren von einstigen schönen Stuckarbeiten erkennt. Etwas eigenartig sind die großen, eindrucksvoll heraus gemeißelten Gesichter an den vier Ecken, die eine an den Bayon-Tempel in Angkor Thom in Kambotscha erinnern. Insgesamt, vom Baustil her, eines der ungewöhnlichsten Bauwerke Thailands.

Wat Pho Chan

Wenige hundert Meter weiter steht der Wat Chao Chan, dessen Prang aus Laterit mit alten Stuckresten rekonstruiert wurde. In einem der zerfallenen Heiligtümer befinden sich Reste eines stehenden, in einem weiteren die eines sitzenden Buddha.

Wat Sra Si

Inmitten eines kleinen Sees erhebt sich einer der schönsten erhaltenen Tempel der Anlage. Zur kleinen Insel gelangt man über einen Steg. Dort sind ein großer Buddha erhalten sowie die Überreste eines Viharn mit zerstörten Säulen. Auf dem Rasen findet man eine eleganten, schreitenden Buddha.

Center for Study and Preservation of Sangalok Kiln

Dieses kleine Museum liegt ca. 5 km hinter dem Historical Park und ca. 6 km vor der neuen Stadt am Fluss. Es sind hier 20 restaurierten Brennöfen aus Ziegelsteinen zu sehen, in denen einst Keramik gebrannt wurde. Die Brennöfen sind ca. 6 Meter lang und 3 Meter breit. Das kleine Museum ist von 9.00 Uhr- 12.00 Uhr und von 13.00 Uhr- 16.00 Uhr geöffnet. Eintritt 10 Baht. (Stand 2002)


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