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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Ministerpräsident Thaksin Shinawatra

Am 26.Juli 1949 wurde der heutige Ministerpräsident Thaksin Shinawatra in Sankamphaeng, in der Provinz Chiang Mai geboren. Seine Eltern besaßen einige Geschäfte, waren an einer Buslinie beteiligt und besaßen sogar ein Filmtheater. Der thailändische Ministerpräsident hat mit seiner Ehefrau drei gemeinsame Kinder: ein Sohn, Parthongtae und zwei Töchter, Praethongtarn und Pintongta.

Nach seiner Schulausbildung begann er 1973 eine zweijährige Ausbildung an der Polizeikadetten-Akademie von Thailand in Nakhon Pathom. Nach Abschluss seiner Ausbildung studierte er den sogenannten Masters Degree in Criminal Justice (Kriminalrecht) an der Eastern Kentucky University in Richmond USA und schloss 1975 das Studium ab. Danach blieb er weiter in den USA und erwarb 1978 an der Sam Houston State University in Huntsville, USA den Doktorgrad. Anschließend begann er weiter seinen Dienst bei der thailändischen Polizei, und schloss 1987 den Polizeidienst als Oberstleutnant (Lieutenant Colonel) ab. Bereits in seiner Polizeikarriere begann er sich für Computer-Software und Mobilfunk zu interessieren. Thaksin Shinawatra übernahm fortan in seiner Lebensphilosophie das Motto, das er an der Polizei-Schule lernte (frei übersetzt): "Es ist besser zu sterben, als wie ein Verlierer zu leben".

1987 begann für ihn der erfolgreiche Einstieg als ehrgeiziger Geschäftsmann. Er sah die Version eines weltweit expandierenden Marktes für Mobilfunk, Satellitenübertragung und Computer, und gründete im gleichen Jahr die Shinawatra Computer and Communications Group, besser bekannt als das Unternehmen Shin, um diesen Zukunftsmarkt auch in Thailand zu etablieren. Sein Unternehmen wurde innerhalb weniger Jahre eines der erfolgreichsten Unternehmen in Thailand. Auch besitzt das Unternehmen Shin u.a. Mehrheitsbildungen in vier anderen Nachrichtentechniktochtergesellschaften.

Seine Fähigkeit, auf Veränderungen mit schnelle Entscheidungen und ohne Zweifel zu reagieren und sein charismatischer Umgang mit Menschen begründeten seinen geschäftlichen Erfolg, der ihn zu einem der reichsten Männer in Thailand machte. Er wurde so erfolgreich, das er, neben anderen Auszeichnungen, sogar 1992 vom ASEAN-Institut in Jakarta/Indonesien als Businessman of the Year gewählt wurde. 1993 gründete er die Thaicom Foundation, um u.a. Kindern und Jugendlichen, die in abgelegenen Regionen des Landes leben, Programme mit Ausbildungsinhalten per Satellitenübertragung zu ermöglichen, aber auch, um im Land moderne Überragungstechniken publik zu machen..

Als sehr erfolgreicher und geschätzter Geschäftsmann, interessierte ihn auch die Politik. Im November 1994 wurde er für drei Monate Außenminister und kaum ein Jahr später Parteichef der Palang Dharma Partei. Zwischen 1995 bis 1997 war er schon, mit zeitlichen Unterbrechungen, Stellvertretender Ministerpräsident. Am 14. Juli 1998 gründete er die Thai Rak Tai-Partei (übersetzt: Thailänder lieben Thailänder), kurz auch TRT genannt, und wurde als Vorsitzender der Partei gewählt. So ist er seit 1998 auch Mitglied im Parlament. Zwischen Februar-Juni 1999 war er Vorsitzender der Northern Thai Association mit Sitz in Washington D.C. und anschließend in Illinois, U.S.A. Am 9. Februar 2001 wurde Thaksin Shinawatra 51.jährig als 23. Premierminister Thailands gewählt. Er gilt als politischer Hardliner

Dabei war das Wahlergebnis für ihn als Kandidat außergewöhnlich gut ausgefallen. Fast die Hälfte aller Mandate fielen bei der Parlamentswahl auf seiner noch jungen Partei Thai Rak Tai. Doch nach der Wirtschaftskrise und der politischen Unzufriedenheit der thailändischen Gesellschaft, war es in erster Linie ein Erfolg für Thaksin Shinawatra. Als einer der reichsten und mächtigsten Wirtschaftsmänner Thailands verkörpert er mit seiner charismatischen Ausstrahlung und Entschlusskraft auch die Hoffnung der meistens Thailänder, das Königreich aus der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krise zu führen.

Bereits im Wahlkampf, wie es sich bei allen politischen Wahlkämpfen gehört, verdammte er die alte Regierung und warf ihr totales Versagen in der Wirtschaftspolitik und sogar eine Hörigkeit gegenüber dem Internationalen Währungsfonds vor. Ein weiteres wichtiges Thema im Wahlkampf war der Schutz der einheimischen Industrie vor ausländischer Konkurrenz, wobei er sicherlich auch an sein erfolgreiches Industrie-Imperium dachte. Das Echo ausländischer Investoren war dementsprechend kritisch.

Im gesamten Wahlkampf gab er sich gern volksnah, und versprach in seinen Reden einfache und klare Lösungen für die vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Probleme des Landes, was bei der Wahlbevölkerung gut ankam. Er hatte sich öffentlich vier Ziele gesetzt:

  • Bekämpfung der Armut auf dem Land
  • Bekämpfung der Korruption und Kriminalität
  • Bessere Lebensbedingungen in den Städten, insbesondere in Bangkok
  • Mehr Wohlstand für alle durch Wirtschaftswachstum

Wichtig zu erwähnen und unvergessen war der Aufruhr im ganzen Königreich, als seine Majestät, König Bhumipol, Dezember 2001 seine Thronrede im Chitralada-Palast hielt, die live im ganzen Königreich übertragen wurde.

In der Regel ging König Bhumipol in seinen Thronreden immer auf die Lage der Nation ein, wendete sich damit auch an die Bevölkerung, ohne sich direkt in die Tagespolitik einzumischen. Die Thronrede von 2001 wird jedoch wegen ihrer Eindringlichkeit unvergessen bleiben. Schon der Beginn seiner Thronrede ließ aufhorchen: "...Heute beabsichtige ich über die Katastrophe zu sprechen, nicht über die Entwicklung...Ich denke, das wir alle wissen, das unser Land sich nicht entwickelt, sondern alles sich im Niedergang zu befinden scheint...". Auch bemerkte in seiner Rede gegenüber dem anwesenden Premierminister: "...Der Premierminister macht ein langes Gesicht, jetzt nachdem ich von Katastrophe gesprochen habe....Der Premierminister mag glücklich erscheinen, aber tief im Innern ist er es gewiss nicht". Doch kritisierte der König in seiner Rede nicht nur indirekt die Regierung sondern auch die thailändische Gesellschaft im Allgemeinen.

Premierminister Thaksin an einem Gespräch mit seinem Uni-Freund George Bush am Apec Treffen 2003 in BangkokNach gut drei Jahren Regierungszeit wurden die Hoffnungen der thailändischen Gesellschaft und der thailändische Wirtschaft auf ihren neuen Premierminister zum Teil erfüllt. In den Städten, mit Schwerpunkt Bangkok, laufen diverse Sanierungsprogramme um die Infrastruktur zu verbessern und die Verkehrsaufkommen besser regulieren zu können. In der Bekämpfung gegen Korruption und Kriminalität wurde noch nie so hart vorgegangen, wie unter der Regierung des neuen Premierministers, und die Gefängnisse sind gefüllt.

Die thailändische Volkswirtschaft steigt langsam, die Inflation ist gesunken, der Kredit vom Internationalen Währungsfonds wurde komplett getilgt und in den nächsten drei Jahren soll Thailand sogar von sämtlichen Auslandsschulden befreit sein. Die thailändische Börse hat sich erholt und der Kurs des Baht ist zwar noch nicht ganz beständig, aber immerhin stabiler als vor der Wirtschaftskrise. Dennoch häufen sich die Kritiken, das es zwar mit der Wirtschaft gut aufwärts gehe, aber eine seiner Zielsetzungen, die Armut auf dem Land zu bekämpfen und überhaupt die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, steht noch eine sehr große Erwartung gegenüber.

Auch die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, besonders in den ärmeren Regionen, wird noch in kritischer Erwartungshaltung betrachtet. Der Premierminister versprach, dass 2004 jeder Arbeiter, ob gelernt oder ungelernt, eine Arbeit finden würde. Die Opposition spricht schon von einer großen Fehleinschätzung gegenüber der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Ebenso wird scharf kritisiert, dass die Thaksin-Regierung das Mindestalter und das Mindesteinkommen für die Vergabe von Kreditkarten senkte. Somit bestehe die Gefahr, das dass heute schon als problematisch und leichtfertig bezeichnete Schuldenmachen in der Gesellschaft wahrscheinlich verschärft wird. Derzeit erlebt Thailand einen Konsumrausch wie schon lange nicht mehr.

Paradox ist die Tatsache, dass sein autoritärer Führungsstil nicht nur großen Unmut bei Teilen der Parlamentarier und der Bevölkerung hervorgerufen hat, sondern auch Bewunderung. Manche behaupten, das Thailand in den letzten zwei Jahren noch nie so stabil und sicher war. Es wird mit der Wirtschaft aufwärst gehen, und endlich wird angefangen, den Schlendrian in Teilen der Gesellschaft anzuprangern. Angeprangert wird von den Intellektuellen aus Wirtschaft und Politik, dass er Kritiken gegenüber seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik ablehnend zurückweist. So wird schon öffentlich von der Opposition die Selbstdarstellung der Thaksin-Regierung als kontraproduktiv bezeichnet.

In einem Jahr endet die Regierungszeit des heutige Premierminister Thaksin Shinawatra. Er wird dann an die tatsächliche Umsetzung seines Wahlprogramms von der thailändischen Gesellschaft gemessen werden. Die politische Opposition steht schon in den Startlöchern. Politische Beobachter gehen aber trotz aller Kontroversen über seine Politik davon aus, das Thaksin Shinawatra auch 2005 wieder zum Premierminister gewählt wird.


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