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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Die thailändische Küche & Restaurantsitten

Thailand gehört ohne Zweifel zu den reizvollsten, kulinarischsten Reisezielen überhaupt. Die Vielfalt und Üppigkeit der thailändischen Küche, sowie die ausgeprägten Zubereitungsmöglichkeiten und Rezepturen haben Weltruf. Neben den vielen kleinen Straßenküchen, die meist preisgünstiges und gutes Essen anbieten, gibt es natürlich auch kleine Restaurants bis hin zu den Nobel-Restaurants. Ich persönlich ziehe die kleinen Restaurants und Straßenküchen vor, da sie von der Atmosphäre her interessanter sind.

Im Grunde genommen ist die Thai-Küche als einzigartig zu betrachten. Einflüsse der chinesischen, indischen und indonesischen Küche findet man in den vielen Zubereitungen. So stammt aus der chinesischen Küche die Art und Weise, wie zahlreiche Gerichte in der Wok-Pfanne nur kurz angebraten werden, und somit insbesondere das Gemüse knackig und frischer serviert wird. Auch die häufige Verwendung vieler Nudelgerichte stammt aus der chinesischen Küche. Aus der indischen Küche wurden die vielen Curry-Gewürzrichtungen integriert, die meist mit oder ohne Kokosmilch zubereitet werden, und aus dem indonesischen Raum übernahm man einige schärfere Gerichte, die von der Thai-Küche, ohnehin als eine der schärfsten Küchen bekannt, ebenfalls integriert wurden.

Zu den Hauptgewürzen gehört u.a. die Sojasauce als Universalgewürz, ebenso verschiedene Chilisorten, wobei beim thailändischem Chili in drei Kategorien unterschieden wird: sehr scharf, mittelscharf und etwas scharf. Weiterhin verwendet man regelmäßig Korianderblätter, Knoblauch, Ingwer, Fisch-Sauce (statt Salz), Basilikum, Currys, Kokosmilch, Zitronengras; um nur einige Zutaten zu nennen.

Sollte Ihnen mal ein Gericht zu scharf auf der Zunge brennen, so hilft hier am besten ein oder zwei Löffel Reis, den man langsam im Munde kauen sollte, sowie warme Getränke wie z.B. Tee. Wenn sie meinen die Schärfe mit einem kalten Getränk zu neutralisieren, erreichen Sie für kurze Zeit das Gegenteil, den das kalte Getränk verteilt zunächst erstmal die ganze Schärfe auf der ganze Zunge.

Thema Besteck oder Wo ist das Messer ?

Grundsätzlich findet man in den besseren und erstklassigen, vor allem in den von Touristen besuchten Restaurants, die von uns Europäern gewohnte Besteckkombination aus Gabel, Messer und Löffel. Je nach Gericht erhält man einen Porzellan-Löffel für die Suppe und Essstäbchen für bestimmte Nudelgerichte, dennoch gehören weder Porzellan-Löffel noch Essstäbchen zur traditionellen thailändischen Küche. In Thailand wird so der Reis traditionell mit dem Löffel, und nicht mit Essstäbchen, wie z.B. in China, gegessen.

In der Regel gehört auch das Messer nicht zur üblichen Besteckkombination! Nach thailändischem Verständnis sind Messer nichts anderes als Arbeits- und Mordwerkzeuge, und nicht geeignet, diese als Besteck zu benutzen. Aus diesem Grund wird im Prinzip in den meisten Restaurants nur ein Löffel und eine Gabel gedeckt. Sofern jemand aus Unkenntnis oder aus reiner Gewohnheit nach einem Messer fragt, kann die Frage danach zunächst auf Unverständnis stoßen. Wenn sich die Bedienung die Mühe macht, sich den Wunsch des Ausländer erneut anzuhören, kann es aus Verständigungsproblemen sogar passieren, dass dem Gast nach einer gewissen Zeit mit einem fragenden Blick ein Küchenmesser oder gar Fleischermesser gebracht wird, da es im Restaurant-Inventar kein normales Messer gibt. Die thailändische Restaurants in Europa haben sich jedoch den Essgewohnheiten angepasst und haben auch Messer im Inventar.

Im Grunde braucht man für thailändische Gerichte kein Messer. Alle Speisen werden in so kleinen, mundgerechten Bissen serviert, dass ein Messer nicht nötig ist. Wenn das Standardbesteck gedeckt wird, isst man mit dem Löffel und verwendet die Gabel nur dazu, den Löffel damit aufzuladen.

Das liebe Trinkgeld

Überraschend ist die Tatsache, dass Thailand zu den wenigen Länder gehört, wo es noch nicht zur allgemeinen Etikette gehört, in einem Restaurant der Bedienung Trinkgeld zu geben oder einfach auf dem Tisch liegen zu lassen. Das gilt für viele einfache Restaurants und erst recht für Straßenküchen. Wer dennoch anderer Meinung ist, entweder Trinkgeld auf diese Weise geben möchte oder auf dem Tisch liegen lässt oder der Bedienung in der Hand drückt, dem kann es unter Umständen immer noch in einigen Restaurants passieren, das dies auf Unverständnis stößt. Wenn Münzen zurück gelassen werden, kann das Personal annehmen, das der ausländische Gast dieses versehentlich liegengelassen hat oder vergessen. Sofern ein Gast in den kleineren Restaurants offenkundig eine oder mehrere Banknoten nach dem Motto "Wieviel kostet die Welt" dreist auf den Tisch liegen lässt, kann dieser Farang auch als Farang ohne Gesicht gebrandmarkt werden, da er anscheinend keinen Anstand hat. Im Gegensatz dazu werde jedoch in westlich orientierten Restaurants in den Touristenhochburgen und solchen mit ausländischen Eigentümern Trinkgeldergrundsätzlich immer erwartet.

Natürlich ist man nicht gänzlich abgeneigt, vom Gast Trinkgeld zu erhalten, aber wo auch immer Trinkgeld außerhalb der Touristenhochburgen gegeben wird, es sollte ausnahmslos in einer bestimmten Form der Höflichkeit übergeben werden. Es ist nun einmal nicht überall in Thailand Brauch, beim Bezahlen "Rest ist Trinkgeld" oder "Stimmt so" zu sagen und damit dem Personal verstehen zu geben, dass kein Wechselgeld zurückgebracht werden braucht. In der Regel wird das Wechselgeld samt Rechnung in einer Schale an den Tisch zurück gebracht. Wer am Ende ein Trinkgeld geben möchte, lässt es einfach in der auf dem Tisch stehenden Schale liegen. Als völlig unhöflich wird es auch angesehen, das Restaurant zu verlassen, bevor das Wechselgeld zurückgebracht wurde.

Die Trinkgelder kommen in der Regel in einer Sammelkasse und werden unter dem Personal angemessen aufgeteilt.

Wo bleibt die Bedienung ?

Zunächst sollte man wissen, dass sich die meisten gehobenen Restaurants am westlichen Standard angeglichen haben. Sei es in den Umgangsformen, im Service oder in der Speisefolge eines Menüs. In der Regel erduldet man hier auch typische Verhaltensmuster der Gäste, die in Amerika und Europa selbstverständlich sind.

Der überwiegende Teil sind jedoch unzählige kleine Restaurants, wo größtenteils nur Thais Essen gehen. Natürlich verfügen sie nicht über ein so gut geschultes Personal wie in den gehobenen Restaurants, wenn ein seltener Ausländer dort Essen gehen möchte, aber dennoch ist auch in den meisten kleinen Restaurants, trotz möglicher Sprachbarrieren, der Service immer freundlich und schnell. Viele der kleinen Restaurants sind reine Familienbetriebe, die mehr oder weniger routiniert jeden Gast gut bewirten.

Da hier die Stammkundschaft aus Thais besteht, sollte deshalb keiner auf die Idee kommen, dass Ausländer einen besonderen Service ein Anspruch nehmen können. Gegenseitige Höflichkeit und Geduld ist hier angebracht und entscheidend. Den meisten Stammkunden interessiert es auch nicht so sehr, wie der Service ist, sondern das dass Essen schmeckt und preiswert ist.

Sofern auch der Service anscheinend schleppend sein, so sollte man weder Kellnern oder Kellner oder Servicekraft laut rufen, noch mit den Fingern nach ihnen schnippen oder gar händeringend hinter ihnen herfuchteln. Dies ist nicht üblich und wird auch als Unhöflichkeit bemessen. Wer es dennoch nicht lassen kann, ungeduldig laut zu rufen oder mit dem Fingern zu schnippen, könnte eventuell sehr lange darauf warten, dass man sich um den ausländischen lauten und unhöflichen Gast kümmert. Der ausländische Gast bewirkt das Gegenteil von dem, was erreichen wollte, da das Personal wohl zu recht annimmt, das der Gast wohl keine Manieren besitzt. Machen Sie es am besten wie die Thais, indem man den Blickkontakt mit einer Servicekraft sucht, diese ansieht und zunickt. Es ist auch üblich, dabei kurz die offene flache Hand nach unten in Brusthöhe etwas auszustrecken und dabei die vier Finger der Hand mehrmals nach unten zu bewegen, die diskrete thailändische Art für "Komm zu mir".

Löffel, Gabel, Hände

Prinzipiell sind folgende "Tischmanieren" zu beachten: Die Speisen werden alle mit dem Löffel zum Munde geführt, mit Ausnahme von einigen Nudelgerichten, wobei mit der Gabel das Essen auf dem Löffel geschoben wird. Dabei wird in der Regel der Löffel in der rechten Hand und die Gabel in der anderen Hand gehalten. Der Löffel dient somit als Universal-Essgerät. Geflügelkeulen und andere besteckfeindliche Gerichte werden mit den Händen zum Munde geführt, was die ganze Sache vereinfacht. Essen sollte Spaß machen und mit mitgebrachter Ruhe probiert werden.

 


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