Über Dr. Christian Velder
Ein volles Leben gelebt
Am 17. Oktober 1958 langte das Ehepaar Hanna und Christian Velder, das ein Jahr vorher geheiratet hatte, erstmals in einem damals noch ganz anderen Thailand an. Die Reiserei war vor über vierzig Jahren noch um vieles mühsamer als heute, per Schiff waren die jungen Leute vorher in Penang in Malaysia angelangt, mit der Eisenbahn ging es weiter in Richtung Bangkok, wo Christian Velder als Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Chulalongkorn Universität arbeiteten sollte, während Hanna als Deutschlehrerin an Privat- und Abendschulen unterrichtete.
Das Leben war damals noch viel beschaulicher, die Bevölkerung belief sich gerade auf 23 Millionen. In einer Pension an Bangkoks Convent Road - der heutigen Swiss Lodge - lebte das Ehepaar Velder. An der Silom Road, die links und rechts von Klongs gesäumt war, fuhr einen die Strassenbahn für 25 Satang hinunter an die bereits bestehende New Road. Zur Uni fuhr Christian Velder im von Menschenkraft angetriebenen Samlor. Während des ersten fünfjährigen Aufenthalts kehrten die Velders nur zwei Mal nach Deutschland zurück. Bei der Reise von 1961 fuhren die beiden von Deutschland kommend mit einem Volkswagen (Käfer) auf dem Landwege zurück bis Kalkutta, von wo das Auto schliesslich nach Thailand verschifft wurde. Ein Jahr später unternahmen sie diese Reise nochmals - nun per Eisenbahn.
Ab 1962 war Velder als Vertreter des Goethe Instituts in Chiang Mai. 1960 gab es in Thailand insgesamt 220 Deutsche. Damals, in den 60er Jahren, entstanden Velders erste Übersetzungen: „Der Kampf der Götter und Dämonen“ (Ramakien-Mythos), „Märchen aus Thailand“ und „Muschelprinz und Duftende Blüte“ (Liebesgeschichten aus Thailand), Titel, die noch heute als Standardwerke gelten. Nach weiteren Stationen kehrten die Velders schliesslich nach Deutschland zurück, wo Christian Velder schliesslich Schulleiter am Französischen Gymnasium in Berlin wurde.
Doch die Liebe zu Thailand, zu Asien blieb über all die Jahre bestehen, das Feuer schwelte im Untergrund weiter. 1991 und 1994 vebrachten die Velders ihre Ferien in Chiang Mai. Nach der Pensionierung 1996 schliesslich erfüllte sich das Ehepaar einen lange gehegten Traum, liess sich erneut in Thailand nieder und damit auf ein neues Abenteuer ein. (Die beiden entstammen vielleicht einer Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat . . .) Christian Velder wollte auch im Ruhestand die Hände nicht einfach in den Schoss legen. Nach fast dreissigjähriger Übersetzungspause glaubte er aber eigentlich nicht daran, dass er nochmals Thai Literatur ins Deutsche übertragen könnte. Zu lange hatte er sich nicht mehr aktiv mit dem Thai befasst, viel vergessen. Er kaufte sich unter anderem eine Chronik, was ihn in seiner Ansicht bestätigte, er verstand den Text nicht mehr. Doch endlich realisierte er, dass dieses Werk im Dialekt von Nan geschrieben war. Und dann fielen ihm die „Dorfgeschichten“ aus Nordthailand gewissermassen zu. Er las sie und wunderte sich, er verstand diese mitunter recht derben Geschichten immer noch. Anfangs waren die Schwierigkeiten grösser, er musste vielleicht für eine Seite zehnmal das Wörterbuch aufschlagen, später war das kaum noch der Fall. Die versunkenen Kenntnisse und Worte tauchten wieder auf. |