Der Mann, der vor seiner Frau keine Angst hatte
Diese Geschichte trug sich in einer Runde von Schnapstrinkern zu. In dieser Runde gab es einen Mann namens Thip, der allen Leuten in den Dörfern und in der Stadt wohlbekannt war, denn er war ein Angsthase und fürchtete sich sogar vor seiner eigenen Frau. Er verrichtete ausnahmslos alle Hausarbeiten bis hinab zum Wäschewaschen, ja sogar der – Unterwäsche seiner Frau.
Eines Tages saß Thip wieder mit seinen Freunden zusammen, und sie hatten schon manches Gläschen geleert. Die Freunde machten sich ein Vergnügen daraus, Thip aufzuziehen.
“Pass auf, gleich kommt deine Frau dich holen, dann wirst du wohl deine Ohren hängen lassen!”
Thip hörte es, und was sie sagten, passte ihm gar nicht. Er richtete sich kerzengrade auf, warf sich in die Brust, denn er wollte vor seinen Freunden als mutiger Held gelten. Er rief:
“Hö... heute Abend habe ich meine Frau windelweich geschlagen – warum sollte ich da Angst vor ihr haben? Nein, ich fürchte mich vor meiner Frau nicht. Wenn ich nach Hause komme, wird sie vor mir auf den Knien rutschen und mir die Füße küssen! Und sollte sie doch hier auftauchen, so werde ich sie zurechtweisen und niederbrüllen, und ihr alle könnt es hören!”
Kaum hatte er nach dieser tapferen Rede seine Kehle durch ein Schlückchen wieder befeuchtet, stand plötzlich wie aus dem Boden gewachsen seine Frau hinter ihm und rief zornig aus:
“Ai Thip, die Wäsche, die du vorhin gebündelt hast, ist sie nun gewaschen oder nicht?”
Thip hörte die Stimme seiner Frau und fuhr vor Schreck zusammen. Die Röte des Rausches, die sein Gesicht überzogen hatte, wich einer wächsernen Blässe. Aber weil er seine Rede von vorhin nicht Lügen strafen wollte, nahm er sich zusammen, streckte sich sogar ein wenig und lamentierte vor sich hin:
“Ih, Frau, ich hab’ doch das Seifenpulver nicht finden können!” |