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Beiträge · Dorfgeschichten von Christian Velder

Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Dorfgeschichten von Christian Velder
 
Bücher · Bücher
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Wenn des Ferkels Schwanz festklebt im Schlamm

Es war einmal ein Ehepaar. Die beiden lebten in äußerster Armut. Warum?

Sie mussten immer sofort alles tun, was ihnen in den Sinn kam. Wenn sie ein Heißhunger nach irgendeiner bestimmten Speise befiel, mussten sie unbedingt diese Speise haben. Fehlten die Zutaten im Hause, gut, so gingen sie hin und borgten sie sich oder kauften sie auch auf Pump. Dann aber mussten sie mit der Zeit alles rückerstatten, und mit Zinsen.

Ihr Verhalten bewirkte, dass ihre Notlage sich verschlimmerte. Denn statt Vorräte zusammenzubringen und eine Rücklage für künftigen Verzehr zu bilden, mussten sie immer nur Schulden abtragen, und es blieb nichts übrig.

Ein leckeres CurryDie Geschichte erzählt, dass der Mann eines Tages in den Wald ging, um ein Tier zu erlegen. Das Fleisch briet er, dann hackte er es klein und mischte es sich zum Salat. Seine Frau hatte inzwischen auch Appetit bekommen, und zwar auf eine Kokosnuss-Speise. Weil es jedoch bei ihrem Hause keine Kokospalme gab, ging sie zu einer Nachbarin und lieh sich eine Kokosnuss. Aus dem Kokosfleisch bereitete sie sich einen schmackhaften Curry. Dann ging sie auf den Markt und kaufte ein Stück Fleisch. Als der Mann nach Hause kam und das frischgekaufte Fleisch sah, lief ihm das Wasser im Munde zusammen. Seine Frau sollte daraus ein scharf gewürztes Fleischgericht bereiten, durch Kokosmilch in seiner Schärfe gemildert. Da sie selbst keine Kokosnüsse ernten konnten, sollte die Frau aus der Nachbarschaft eine holen. Sie wagte nicht zu widersprechen und ging zu einer anderen Nachbarin. Aus Fleisch und Kokos bereitete sie dem Manne die Speise, nach der er verlangt.

Bei einer anderen Gelegenheit hatten Mann und Frau Appetit auf gesottene Bananen im Kokosmantel. Unbedingt wollten sie diese leckere Speise haben! Dazu sollte es Klebreis geben in süßer Kokosmilch. So musste die Frau sich wiederum irgendwo eine Kokosnuss geben lassen. In dieser Weise ging es weiter, die beiden holten sich Kokosnüsse, wo sie sie bekommen konnten, und waren bald überall verschuldet.

Die Reisernte war eingebracht. Nun konnten sie von ihrem Reis etwas abzweigen, um es für die geliehenen Kokosnüsse in Zahlung zu geben. Als sie ihre Schulden abgetragen hatten, war von der Reisernte kaum noch etwas übrig. So kam es, dass der Reis, der das ganze Jahr über reichen sollte, schon nach kurzer Zeit verzehrt war. Als nichts davon mehr vorhanden war, mussten die beiden sich Reis von den Nachbarn borgen, und weil ihr Heißhunger auf Kokosnuss-Speisen sich nicht besänftigen ließ, auch noch Kokosnüsse dazu! So gerieten sie immer tiefer in Schuld und Elend.

Ende mit SchreckenAm Ende waren die beiden zu Bettlern geworden. Reis hatten sie nicht genug, sich davon zu sättigen. Von Haus zu Haus mussten sie ziehen, und die Schulden wuchsen. Schließlich trauten sie sich nicht mehr zu bitten, und leihen mochte ihnen schon lange niemand mehr, denn zurückzuzahlen, nein, das vermochten sie nicht.

Wenn sie ihr Schicksal überdachten und sich gegenseitig ihr Leid klagten, muss-ten sie eingestehen: Durch die Lust, jeder Laune nachzugeben, waren sie in diese ausweglose Lage gelangt, hatten sich ihre Schulden angesammelt, zuerst wenig, dann immer schneller, immer mehr, bis es ein ganzer Berg war.

Sie waren gefangen. Gefangen wie ein Ferkel, dessen Schwanz im Schlamm festgebacken ist, so dass es nicht mehr herauskommt.

 
 
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