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Beiträge · Dorfgeschichten von Christian Velder

Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
Unsere Autoren
Dorfgeschichten von Christian Velder
 
Bücher · Bücher
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Der Albtraum aller Trunkenbolde

Es waren einmal vier Freunde. Was die vier verband, war ihre zügellose Liebe zu berauschenden Getränken. Jeden Abend kamen sie in ihrer Runde zusammen und betranken sich in einer Schänke.

An einem Tag war der Schnaps auf dem Markt ausgegangen. In ihrer Stammkneipe gab es nichts zu trinken. Die vier Trunkenbolde verspürten Durst, mächtiger denn je. Sie baten daher den Wirt, anderswo Schnaps für sie zu kaufen. Der Wirt hatte nichts dagegen einzuwenden.

Weil er selbst den ganzen Tag noch keinen Tropfen Schnaps getrunken, überkam auch ihn ein großes Verlangen danach. Er nahm also das Geld seiner vier Kunden und ging los, um in der Schnapsbude, wo er schon oft gekauft, auch diesmal ein Fläschchen mitzunehmen. Als er die Flasche in der Hand hatte, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, sein Verlangen nicht zügeln, er führte die Flasche zum Munde und trank sie in einem Zug halb leer. Den Rest gab er den vier Trunkenbolden. Kaum hatten sie erfasst, dass die Flasche nur noch zur Hälfte gefüllt war. beschlich sie ein schlimmer Verdacht. Warum war die Flasche, die sonst immer voll gewesen, diesmal halb leer? Einer aus der Runde fragte:

“Au, warum ist diese Flasche hier nicht voll?”

Der Wirt antwortete:

“Auf dem Rückweg wurde ich von einem Geist verfolgt. Ich rannte, so schnell ich konnte, und bin dabei gestolpert. Die Flasche rutschte mir aus der Hand, und dabei habe ich von ihrem Inhalt ein paar Tropfen verschüttet.”

Die vier wussten nicht, was sie dazu sagen sollten. Sie machten sich über die Flasche her und tranken sie aus. Dann überlegten sie, auf welche Weise sie zu mehr Schnaps kommen könnten. Wem sollten sie diesmal ihr Geld anvertrauen, um ihnen eine Flasche zu besorgen? In diesem Augenblick betrat ein Mann die Schänke, der dort auch zu den Stammkunden zählte. Die vier Trunkenbolde dachten, der werde schon eine Quelle ausfindig machen, fingerten ein paar Münzen aus ihren Börsen, drängten sie dem Manne auf, er möge ihnen dafür ein Fläschchen holen. Denn sie wollten den Wirt nicht nochmals bitten, aus Furcht, er werde wieder die Hälfte des kostbaren Getränks verschütten.

Der Mann versprach, für das Geld Schnaps zu kaufen, nahm das Geld und war fort. Von der Schänke aus lenkte er seine Schritte ohne Umwege zu einem Schnapsladen und verlangte eine Flasche für sein Geld. Aber sei es, dass diese nicht ganz voll gewesen oder dass sein Durst zu mächtig geworden, jedenfalls goss er sich davon etwas in ein Glas, trank es aus, schenkte nach, trank und trank, bis am Ende die Flasche so gut wie leer war.

Die vier Trunkenbolde in der Runde mussten lange warten. Der Bote kam und kam nicht wieder. Schließlich betrat er schwankend den Schankraum. Die vier bestürmten ihn mit ihrer Frage:

“Wo ist der Schnaps, den du für uns gekauft?”

Der Mann knallte die Flasche auf den Tisch und gab lallend zur Antwort:

“Ich habe schon viele Tage lang Durst leiden müssen. Darum hab’ ich mich im Laden hingesetzt und ein wenig genippt. Ob ihr den Rest nun haben wollt oder nicht, tut was ihr wollt!”

Mit diesen Worten stolperte er aus der Schänke hinaus. Die vier starrten ihm nach. Schließlich fasste sich einer und sprach:

“Oeh! Hier haben wir unseren Meister gefunden! Der war ja schlimmer noch als jener Schnapsgeist! Tho oey! Wir ahnen nichts Böses, geben unser Geld hin und freuen uns auf einen kräftigen Schluck. Aber nein, der eine lässt uns gnädig die Lippen befeuchten, der andre trocknet uns aus. Jetzt schlafen sie beide unseren Rausch aus, wir aber erleiden statt ihrer die Qual der Nüchternheit ...”

 
 
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