Ein Besuch im Nationalmuseum der Königlichen Barken
Als hölzerne Boote den Chao Phraya beherrschten
Grosse Expressboote röhren auf dem Fluss der Könige und produzieren hohe Wellen. Auf dem Deck machen sich einige Passagiere für den todesmutigen Sprung bereit, mit dem sie auf einen der schwankenden Anleger gelangen wollen, die das Flussufer säumen.
Langboote rasen an riesigen Reistransportern vorbei, die in der Mitte des Stromes schaukelnd ihren Kurs halten. Die Bootsführer kleinerer Zubringer verschiedener Firmen lungern herum und warten auf ein paar Passagiere. Wer die Aktivitäten auf dem Fluss Chao Phraya beobachtet, wundert sich, wie es die Thais fertig bringen, in unmittelbarer Nachbarschaft dieses emsigen und lauten Flusses ein einigermassen friedliches Leben zu führen. Wer einige Stunden dazu verwendet, das Nationalmuseum der Königlichen Barken in Bangkok Noi zu besuchen, wird eher verstehen, wie die Thais in der Vergangenheit in Frieden mit der Hauptarterie der Stadt lebten.
Das Museum befindet sich in der gleichen Gegend wie der Bahnhof Thonburi, gegenüber der Thammasart-Universität, und bietet nützliche Informationen über die Boote, die auf den Wasserwegen einmal weit verbreitet waren sowie die enge Verbindung, die zwischen den Thais und ihren Booten bestand, bevor die moderne Technik das Kraftfahrzeug hervorbrachte.
„Die Thais wuchsen am Wasser auf und Boote gehörten zu ihrem Leben. Manche konnten schon paddeln bevor sie das Laufen gelernt hatten", erklärt die Beschriftung einer Dia-Show über das alte Bangkok, in dem hölzerne Boote den Chao Phraya beherrschten.
Ein weit verzweigtes Kanalsystem hatte der thailändischen Hauptstadt den inoffiziellen Namen „Venedig des Ostens" eingebracht. Die Einwohner konnten per Boot überall hin gelangen, sogar im September und Oktober, der Zeit der alljährlichen Flut. Viele Traditionen und noch mehr Kulturelles sind aus der engen Verbindung mit dem Wasser entstanden, zum Beispiel die unzähligen Bootslieder.
Im Ausstellungsraum werden die verschiedenen Arten der Boote als Miniaturen gezeigt. Beim Sampan-Boot sind zum Beispiel Bug und Heck hochgezogen, um auch hohe Wellen besser bewältigen zu können. Das Krachaeng-Boot ist gross und geräumig und kann eine ganze Familie aufnehmen oder grosse Frachten laden. Das Rua Hang Maeng Pong- oder Krokodil-Schwanz-Boot ist sehr elegant und wurde von den Reichen für angenehmes Reisen benutzt. Zu sehen ist auch ein Rua Phi Lork, ein Spezialboot mit einer weissen Planke an der Seite, die Fische erschrecken und dazu verleiten soll, an Bord zu springen.
Für die Thais wurde das Boot nicht nur als Gegenstand für den täglichen Bedarf entwickelt. Es wurde eine fast heilige Transportmethode, die in der äusseren Erscheinung der Königlichen Barken die Macht des Königreiches widerspiegelte. Die Barken wurden elegant dekoriert, unter anderem mit wunderschönen Bugfiguren. Jeder Quadratzentimeter wurde mit Goldfarbe, farbigem Glas und wunderbaren Illustrationen fein ausgeschmückt, um die Boote zu echtem Leben zu erwecken.
Die meisten der heutigen Königlichen Barken wurden als Ersatz für die vor 200 Jahren im Kampf um Ayutthaya zerstörten gebaut. Die „Suphannahong", die berühmteste Königliche Barke der thailändischen Geschichte, gehört in diese Zeit. Ihr Name wurde erstmals im Jahr 1548 schriftlich erwähnt.
Die heutige „Suphannahong" wurde während der Regentschaft von König Rama V. (Chulalongkorn) vor ungefähr 100 Jahren gebaut. Wenn der König mit dem Boot reiste, begleiteten ihn zahlreiche andere Königliche Barken, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Gesangskünstler unterhielten den Monarchen, während der Rhythmus gleichzeitig die Geschwindigkeit der Reise kontrollierte.
Bei sehr formellen und wichtigen Anlässen waren 52 Königliche Barken in fünf Linien unterwegs. Jede Barke hatte ihre eigene, fest bestimmte Position, die einen Abstand von 40 Metern zu jeder anderen Barke und 80 Meter zu der des Königs vorschrieb. Es ist schwer vorstellbar, wie die Sänger in alten Zeiten es fertig brachten, dass man ihre Stimmen über solche Distanzen hören konnte, und das alles ohne Lautsprecher.
Wenn man das Nationalmuseum der Königlichen Barken per Boot erreicht hat, stellt man fest, dass es doch ein gewaltiger Unterschied ist, die Barken aus nächster Nähe zu betrachten, die man vorher nur von Postern oder aus dem Fernsehen kannte.
Ihre feinen Dekorationen lassen sie lebendig erscheinen. Vor der „Suphannahong" blickt man ins Auge des Goldenen Schwans, der seinen Kopf elegant in die Höhe hält. Auch die „Narai Song Subhan" von König Rama IX., dem jetzigen Monarchen, zeigt wunderbare handwerkliche Arbeiten. Dieses Boot wurde erst kürzlich fertiggestellt.
Das Original wurde während der Regentschaft von König Rama III. erbaut, mit einem Garuda als alleiniger Galionsfigur. König Rama IV. ordnete später an, dass auf dem Rücken des Garuda eine Figur von Phra Narai angebracht wurde. Die alte Galionsfigur kann man an der Rückseite des Museums betrachten.
Eine andere, ebenfalls sehr lebendige und eindrucksvolle Königliche Barke ist die „Krabi Prab Muang Mara". Ein weisser Affe aus einem Ramayana-Epos als Galionsfigur hält goldene Flaggen in beiden Händen. Und wenn man in die purpurnen Augen des Garuda blickt, der die „Krut Heurn Het" als Galionsfigur ziert und sich die vier Nagas betrachtet, die er in Händen und Füssen trägt, ist man erstaunt über die feine Handwerksarbeit dieser Königlichen Barke.
Ein anderes sehr elegantes Boot ist die „Anatanakkaraj". Sieben Naga-Köpfe zeigen ihre weissen Fänge zusammen mit exzellenter, in goldener Farbe gehaltener Handwerksarbeit.
An der Rückseite des Museums sind zahlreiche Zubehörteile ausgestellt. Zu ihnen gehören alte Bootsabdeckungen mit feinen Mustern und Zeichnungen von Thai-Booten aus alten Zeiten. Diese Barken waren besonders elegant, vor allem wenn sie mit gesetzten Segeln bei wichtigen Königlichen Zeremonien den Fluss beherrschten. Es ist schade, dass sie in der modernen Zeit durch schnelle Motorboote verdrängt wurden.
Die Ausstellung und das Nationalmuseum der Königlichen Barken sind leicht per Boot zu erreichen. Man nimmt ein Chao Phraya Express-Boot, steigt am Rod Fai-Pier aus und läuft zur Ausstellung, die sich am Bangkok-Noi-Kanal befindet. Sie ist täglich geöffnet zwischen 11.30 Uhr und 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zum Museum auf der anderen Seite des Kanals verkehrt ein Shuttle-Boot. Der Eintrittspreis für das Museum beträgt 10 Baht für Einheimische.
An jedem Wochenende bietet die Stadtverwaltung von Bangkok Touren-Programme an, die Fahrten durch die angrenzenden Gemeinden beinhalten, einschliesslich Bangkok-Noi-Kanal und an ihm gelegene sehenswerte Tempel. Weitere Informationen gibt’s telefonisch unter 02.225.7612 - 4.
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