Landeplatz der Engel
von Jörg-Peter Berendsen
Fotos von Murphy / Jahn Tams Act / Dietmar Plath
Wer je zur Regenzeit den internationalen Airport Bangkoks Don Muang anflog, weiss warum eine holländische Consultingfirma massgeblich an den Planungen für den neuen Flughafen der Stadt beteiligt ist: Der aus den Bergen im Norden kommende Chao Phraya River fliesst bei Bangkok, übersetzt „Stadt der Engel, durch eine weite Tiefebene bis in den Golf von Thailand. Das mit Tausenden von Kanälen durchzogene Land wird zur Regenzeit regelmässig überflutet. Selbst in der Innenstadt Bangkoks schützen sich Hotels und Geschäfte mit Sandsäcken gegen die Wassermassen. Als das thailändische Militär 1914 nach einem geeigneten, höher gelegenen und überflutungsfreien Gelände für einen Flugplatz suchte, wurde man 22 Kilometer nördlich der Stadt in Don Muang fündig. Der dortige Flugplatz ist sicher einer der ältesten Asiens und diente nicht nur der Lufthansa bereits in den 30er Jahren auf ihrer Asienroute als Landeplatz, sondern ist noch heute der internationale Airport Bangkoks.
1911 flog der belgische Pilot van den Born mit seiner „Orville Wright“ das erste Mal in Thailand auf der Pferderennbahn Sa Pathum, dem Gelände des heutigen Royal Thai Sports Club. Bereits 1913 bestellte Thailand die ersten acht Flugzeuge, und der Don Muang Airport als Basis des neu gegründeten Army Air Corps wurde 1914 eröffnet.
Know–how aus Holland
Inzwischen hat sich die Stadt bis an den Flugplatz ausgebreitet, und dieser ist den Touristenströmen kaum noch gewachsen.
Bereits vor der Wirtschaftskrise, die Thailand seit 1997 heimsucht und von der sich das Königsreich langsam aber stetig erholt, gab es Planungen für einen neuen internationalen Grossflughafen als Drehkreuz für ganz Südostasien.
Nun war es in den 90er Jahren natürlich wesentlich schwerer als 1914, ein geeignetes Gelände zu finden, und so musste man sich mit einem östlich der Stadt gelegenen Areal begnügen, das erst nach Eindeichung und Einrichtung von Pumpstationen überhaupt zu bebauen ist.
Für die Konstruktion des neuen Flughafens wurde deshalb unter anderem die holländische Firma NACO (Netherlands Airport Consultants Co.) unter Vertrag genommen. Um den Flughafen herum wird ein Deich von 23.5 Kilometern Länge und 3.50 Metern Höhe gebaut. Entwässerungskanäle auf beiden Seiten des Deiches, Reservoirs und Pumpstationen runden das Bild dieses typisch holländischen Polders ab. Selbst bei Ausfall der Pumpen kann das Entwässerungssystem mit fünf Tagen Dauerregen fertig werden.
Der neue Airport soll 2004 seinen Betrieb aufnehmen. Doch scheinen die Wirtschaftskrise und der Widerstand der örtlichen Landeigentümer diese Planungen zumindest fraglich zu machen. Die Umgebung Bangkoks ist dicht besiedelt. Und so mussten bereits über 2300 Familien unter sanftem Druck der Behörden ihr angestammtes Land verlassen und umsiedeln. Zum Teil wurden sie finanziell (bis zu 40000 Mark pro Familie gezahlt) entschädigt, zum Teil durch neue Landflächen. Auch drei Schulen, ein Tempel und ein Krankenhaus wurden für diese Familien gebaut.
Nach der Umsiedlung der Familien mussten zunächst 3,3 Millionen Quadratmeter Fläche für Start- und Rollbahnen sowie Vorfelder entwässert und mit Millionen Kubikmetern Sand und Felsgestein stabilisiert werden, bevor der eigentliche Bau beginnen konnte.
Das geplante neue, hypermoderne Terminal sollte ursprünglich eine Fläche von 500 000 Quadratmetern haben und 30 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen können.
(BKK heute: ca. 25 Millionen Passagiere p, a.). Die Gebäudepositionen für Grossraumjets waren an sieben Piers vorgesehen.
Inzwischen ist um den Bau des Terminalgebäudes ein heftiges Gerangel entstanden. Keine der an der Ausschreibung beteiligten Firmen bot den Bau für die projektierten 43 Milliarden Baht an (15 Baht = ca. 1 DM). So wird der Entwurf des Terminals nun fortlaufend verändert, um ihn billiger zu machen. Bei dieser Gelegenheit sind offenbar auch die Ausschreibungsbedingungen zu Gunsten japanischer Baufirmen „angepasst" worden, mit der Folge, dass sich die deutsche Firma Hochtief aus dem Ausschreibungsverfahren zurückzog.
Finanziert wird das Airport-Projekt von der Japan Bank for International Cooperation. Der thailändische Finanzminister reiste sogar im November nach Japan, um sich die Anderungen im Entwurf genehmigen zu lassen. Wichtig ist den Thailändern auch die Nutzung von mehr lokalen Baumaterialien als ursprünglich vorgesehen, um die Kosten für den Airport zu senken.
Natürlich soll auch der neue Entwurf des Terminals alle Annehmlichkeiten bieten, die der internationale Reisende erwartet. Dazu gehört auch eine Bahnstation, so dass die Stadt in Zukunft mit der Schnellbahn bequem erreicht werden kann. Doch dieses Projekt befindet sich derzeit noch im Planungsstadium.
Auf dem Flughafen Don Muang herrschen Chaotische Verhältnisse
Auch zum jetzigen Flughafen Bangkoks, Don Muang, sollte eine Schnellbahn gebaut werden, um die chaotischen Verkehrsverhältnisse auf dem 22 Kilometer langen Weg in die Stadt zu überbrücken. Doch auf Grund der Wirtschaftskrise wurde das Projekt in der Rohbauphase eingestellt. Die direkt vor dem internationalen Ankunftsgebäude vor sich hin rottenden Pfeiler der nie vollendeten Hochbahnstrecke bieten dem mit dem Taxi im Stau steckenden Reisenden wenig Trost.
Die Wirtschaftskrise in Thailand 1997-98 liess auch die thailändischen Flughäfen nicht ungeschoren. Die Zahl der Passagiere auf allen thailändischen Airports sank um 2,4 Prozent auf 30,88 Millionen, die der Flüge um 3,15 Prozent auf immerhin noch 210 894 im Jahr und die beförderte Frachttonnage um 3,33 Prozent.
Die Dramatik der Situation wird erst deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass bis zum Jahre 1997 Wachstumsraten zwischen sechs und zehn Prozent in diesen Bereichen an der Tageso ren. Durch eine Erhöhung der Airporttaxe und Abfertigungsentgelte, auch zum Ausgleich des gesunkenen Wechselkurses des Baht, versuchte die AAT (Airport Authority of Thailand) ihre Einnahmen zu verbessern. Der neue Airport Bangkoks hörte bislang auf den romantischen Namen NBIA (New Bangkok International Airport). Inzwischen ist er vom König höchstpersönlich „Suvarnabhumi Airport" getauft worden. Die offiziellen Stellen halten daran fest, dass er Ende 2004 in Betrieb gehen wird.
Um dem bis dahin erwarteten Wachstum des Luftverkehrs gerecht zu werden, wird allerdings auch der jetzige Airport ausgebaut und renoviert. Dazu gehört die zum Teil bereits abgeschlossene neue Asphaltierung der Landebahnen, der Ausbau der Rollwege und des Vorfeldes, die Verlagerung der General Aviation in den Ostteil des Platzes, in den Bereich der Royal Thai Air Force, sowie die Einrichtung von acht weiteren Boeing-747400-Gatepositionen an neu zu errichtenden Piers. Durch die vielen Neubauten, die auch einige Gebäude und Parkhäuser umfassen, wird die Errichtung eines neuen, 45 Meter hohen Towers notwendig, um weiterhin für die Fluglotsen akzeptable Sichtverhältnisse zu schaffen.
Die auf der Ostseite gelegene Basis der Royal Thai Air Force, zu der der Golfplatz gehört, dient auch dem König und seiner Verwandtschaft auf seinen Reisen. Dann kann es schon einmal vorkommen, dass der Flugplatz wegen „VIP-Movement" für eine Stunde geschlossen ist. Da der Monarch beim Volk hoch verehrt wird und die Thailänder überhaupt nette Leute sind, tut dies der Beliebtheit des Flugplatzes jedoch keinen Abbruch.
Privatisierung
Der Trend zur Privatisierung macht auch vor dem Königreich Thailand nicht halt. Aus der Airport Authority of Thailand (AAT) wurde am 31. Dezember 1999 die Airport Authority of Thailand Co. (AATCo.). Sie befindet sich zu 70 Prozent im Besitz des Staates, die restlichen 30 Prozent wurden privat platziert. Ihr gehören die Airports Bangkok, Chiang Mai, Hat Yai, Phuket, Chiang Rai und der im Bau befindliche neue BKK Airport.
http://www.bangkok-bkk.com/
http://www.suvarnabhumiairport.com/
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