Bangkok versinkt in Besorgnis erregender Geschwindigkeit
„Venedig des Ostens“ nannte man Bangkok einst wegen des Gewirrs von Kanälen, das sich durch die Stadt zieht. Die Kanäle existieren schon lange nicht mehr, aber es gibt andere Ähnlichkeiten zwischen den beiden Städten: auch Bangkok versinkt „Je nach Stadtteil sinkt Bangkok jedes Jahr ab“, berichtet der Ingenieur Geoffrey Warnes. Dagegen versinkt Venedig geradezu im Zeitlupentempo: 23 Zentimeter waren es im gesamten vergangenen Jahrhundert.
Lehmiger Untergrund
Schuld ist in Bangkok der lehmige Untergrund, auf dem die Stadt erbaut wurde. Das Land am Chao Phraya Flusses war früher von Sümpfen durchzogen - ein Alptraum für Ingenieure, die Wasserleitungen, Gebäude oder U-Bahn Tunnels planen.
„Die Lehmböden sind die schlimmsten der Welt“, klagt Vithaya Punmongkol. Der Ingenieur arbeitet am Bau der neuen U-Bahn für die Stadt mit ihren zehn Millionen Einwohnern. „Besonders problematisch sind die obersten 15 Meter, sagt Vithaya. „Diese Schicht reagiert sensibel auf Belastung von oben“. Deswegen werden die Geleise auch erst in 20 Meter Tiefe verlegt. In anderen Städten sind 10 – 15 Meter normal.
Zum Existenzproblem ist der Lehmboden erst vor rund 20 Jahren geworden. „Brunnenbohrungen haben zur Verschärfung der Lage beigetragen“, sagt Geoffrey Warnes. Trotz zahlreicher Verbote pumpen die Bangkoker für die Versorgung ihrer Betriebe und haushalte jeden Tag rund 2.2 Mio. Kubikmeter Wasser aus dem Lehmboden ab. Im Osten der Stadt, wo die Bevölkerungsdichte gross ist, wird besonders viel Wasser illegal aus dem Boden gezogen. Hier sinkt die Oberfläche denn auch schneller.
Zusätzliche Treppenstufe
Einige Wolkenkratzer, deren Fundamente auf festen Gestein gebaut sind, verdeutlichen das Problem auf ganz eigene Art. Immer wieder müssen an den Eingängen zusätzliche Treppenstufen angefügt werden, während die Stadt weiter in die Tiefe sinkt. Alle zwei oder drei Jahre müssen die Zufahrten zu den etwa 500 Brücken neu gebaut werden.
Atlantis des Ostens?
Bei Regen und Flut ist die Stadt stark gefährdet. Da Bangkok im durchschnittlich nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, hat das Hochwasser auf dem Chao Phraya besonders während der Regenzeit verhängnisvolle Folgen. Bei Flut tritt das Wasser über die Ufer, meterhohe Wassermassen überschwemmen die Stadt.
Um die Einwohner zu schützen, geben die Behörden riesige Summen für neue Abwasserkanäle und Flutwehren aus. Jährlich verschlingen die Massnahmen rund 750 Mio. Franken. Damit soll verhindert werden, dass das Venedig des Ostens zu Atlantis wird.
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