Wat Phra Singh in Chiang Mai
Das bedeutendste Tempelkloster in Chiang Mai ist der Wat Phra Singh. Er ist Sitz des geistlichen Oberhauptes der Stadt und wird von der Bevölkerung ehrfürchtig auch "Großer Tempel" genannt. Die gesamte Anlage wurde im burmesischen Stil erbaut und im Laufe der zeit in dieser Art weiter ausgebaut. Die vor dem Eingang stehenden, wachenden burmesichen Tempellöwen weisen einen Fachmann direkt darauf hin.
Die interessanteste Sehenswürdigkeit des Wats ist das Bibliotheksgebäude, das etwas vor 500 Jahren erbaut wurde, und durch einen Restaurator 1920 vollständig, wie auch die gesamte Tempelanlage, renoviert wurde. Das ganze in rot-gold bemalte Bibliotheksgebäude ist mit vielen Schnitzereien und kunstvollen Wandfresken verziert.
Wie viele der älteren Tempelanlagen, hat auch diese eine interessante Geschichte aufzuweisen. Der Grundstein für den Wat Phra Singh wurde im Jahre 1345 von König Pa Yo von Lanna gelegt, als er einen Chedi errichten ließ, um dort die Asche seines verstorbenen Vaters beizusetzen. Später wurde dieser Chedi immer wieder von Prinzen der königlichen Familien ausgebaut und verfeinert. Charakteristisch für die Nordregion sind die Elefanten-Statuen, die den Chedi symbolisch tragen.
Interessanter ist aber die Geschichte über den kleinen, unscheinbaren Viharn Lai Kham, der von König San Muang 30 Jahre später im Wat errichtet wurde. Der König war im Besitz des bedeutenden Buddha Phra Singh, den er im Viharn aufstellen ließ. Die Statue wurde in Cylon gegossen und gelangte unter noch unbekannten Umständen später nach Chiang Mai in den Besitz von König San Muang. Die Geschichte dieser Skulptur sind heute noch von Rätseln umgeben.
Folgt man dem Volksglauben. So soll einer Legende nach die Buddha-Figur bereits 1500 Jahre alt sein und erst während der Sukhothai-Periode in Siam erschienen sein. Von Sukhothai gelangte sie schließlich nach Kamphaeng Phet, wo sie anschließend von Prinz Jetta, Thronfolger des Königs von Luang Prabang (Laos), geraubt wurde. Als Prinz Jetta 1545 zum König gekrönt wurde, brachte er die Statue mit anderen wertvollen Skulpturen und Kunstwerken nach Luang Prabang.
Nun begann eine abenteuerliche Reise der Buddha Phra Singh-Figur. Zunächst soll sie nach Chiang Mai zurückgekehrt sein, um nur wenige Jahre später vom aufstrebenden Ayuthaya-Reich erobert zu werden. Die damalige Metropole Ayuthaya war bekanntermaßen das Zentrum der bildenden Künste, Sitz der religiösen Oberhäupter und Ausgangspunkt für alle Entwicklungen im alten Siam. Dort verblieb die hochverehrte Statue bis zum Zusammenbruch der einst mächtigen Ayuthaya-Dynastie, um dann wieder unter den vielen Kriegswirren nach Chiang Mai zurückkehren zu können.
Nach all den jahrhundertlangen Eroberungen und Wanderungen ist man sich heute nicht mehr sicher, ob die Original-Statue wirklich in Chiang Mai steht. Im südthailändischen Nakhon Si Thammarat und im Nationalmuseum von Bangkok stehen zwei identische Figuren. Selbst Experten konnten noch nicht klären, welche der drei Statuen nun aus Ceylon stammt. Die Perfektion der Imitation war bereits in Ayuthaya bekannt. Ungeklärt bleibt auch die Frage, ob wirklich nur eine Statue gegossen wurde. |