Banken steuern auf Liquiditätsengpass zu
Finanzwelt fordert Rettungspaket für die schwächelnde Wirtschaft
Thailands Banken rechnen im neuen Jahr mit einem Liquiditätsengpass. Als Folge der weltweiten Finanzkrise ziehen ausländische Unternehmen aus dem Königreich Geld ab, und lokale Konzerne planen finanzstarke Investitionen im Ausland. Apisak Tantiwong, Vorsitzender der Thai Bankers Association, schätzt die derzeit verfügbaren Kapitalanlagen auf 300 bis 400 Milliarden Baht. Sie könnten in den kommenden Monaten drastisch schrumpfen. Deshalb erwarten die Banker, dass die Staatsbank erhebliche Gelder in den Finanzmarkt pumpt.
Eine Finanzkrise wie im letzten Jahrzehnt befürchten Volkwirte allerdings nicht. Ausgelöst wurde die Asienkrise Mitte 1997 durch die Entscheidung der thailändischen Regierung, die Bindung des Baht an den Dollar aufzuheben. Über Nacht wurde das Königreich zahlungsunfähig. Die Krise griff relativ rasch auf andere Staaten wie Indonesien, Südkorea und die Philippinen über.
Der Finanzkrise vorangegangen war in Thailand ein Konjunktur- und Immobilienboom, der viel ausländisches Kapital angelockt hatte. Eine mangelnde Bankenaufsicht führte dazu, dass Finanzinstitute faule Kredite anhäuften und sich im Ausland kurzfristig hoch verschuldeten. Es kam zu einer heftigen Rezession.
Die diesmal von den USA ausgehende Kreditmarktkrise hat Thailand längst erreicht und greift auf die Realwirtschaft über. Der Index der Bangkoker Börse (SET) gab seit Januar um etwa 50 Prozent nach. Den Tiefstand erreichte er am 29. Oktober und einmal mehr im November mit einem Kurssturz unter 400 Punkten. Auch der Baht geriet unter Druck und gab gegenüber dem US-Dollar kräftig nach.
Volkswirte erwarten im kommenden Jahr beim Export ein Null-Wachstum und einen starken Rückgang beim Auftragsbestand der Wirtschaft sowie wesentlich weniger Immobilien- und Autoverkäufe. Als Folge würden zahlreiche Betriebe Mitarbeiter entlassen. Von etwa einer Million Arbeitslosen ist die Rede. Und den 700.000 Studenten, die in 2009 ihren Abschluss machen werden, wird nahe gelegt, die Konjunkturkrise an Bildungsstätten auszusitzen. Denn alle werden keinen Job bekommen.
Der Regierung wird von der Opposition und aus der Wirtschaft vorgeworfen, ihr Konjunkturpaket sei nicht weitreichend genug. Das Kabinett hatte beim Haushaltsplan 2009 ein Defizit mit weiteren 100 Milliarden Baht gebilligt. Die zusätzlichen Mittel sollen populären Projekten wie dem Dorf-Fonds, dem OTOP (ein Dorf, ein Produkt) und als Kredite kleineren und mittleren Betrieben auf dem Land zukommen.
Dieses Rettungspaket reicht dem ehemaligen Finanzminister Somkid Jatusripitak nicht. Er fordert, die Regierung müsse das Vertrauen von Investoren wieder herstellen und die Wirtschaft ankurbeln. Der Finanzfachmann schlägt Investitionen von weiteren 100 Milliarden Baht in verbesserte agrarische Erzeugnisse, Bewässerungssysteme der Landwirtschaft, weitere Infrastrukturprojekte und zur Aufwertung von Touristenzielen vor.
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