Moderne Form der Sklaverei
Frauen, Kinder und Männer werden ausgebeutet und missbraucht
Thailand ist in Südostasien ein Zentrum des Menschenhandels. Im Königreich werden Frauen und Kinder in hoher Zahl in die Prostitution, minderjährige Mädchen und Jungen in die Kinderarbeit gezwungen. Zu Sklavenarbeit verurteilt sind aber auch Männer. Migranten, die im Lande illegal leben und keinen Rechtsanspruch auf soziale Leistungen haben. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt in kleineren Betrieben oder auf einem Fischkutter. Nach Einschätzung von Napa Setthakorn, des stellvertretenden Leiters des Department of Social Development and Welfare, hat die Zahl der auf Fischerbooten ausgebeuteten Menschen nicht nur zugenommen, die Opfer sind auch wesentlich jünger als noch vor einigen Jahren.
In Thailand blühen die organisierte Kriminalität und das Geschäft von Schlepperbanden. Daran wird auch das im Juni letzten Jahres verschärfte Gesetz gegen Menschenhandel und -schmuggel nichts ändern. Es war als Schutzschild gedacht und sollte Frauen und Kinder vor Zwangsarbeit, Prostitution, sexuellen Missbrauch und weiteren Misshandlungen schützen.
Nach diesem Gesetz kann Menschenhandel mit einer vier- bis zehnjährigen Haft und einem Bussgeld zwischen 80.000 und 200.000 Baht geahndet werden. Empfindlicher fallen die Strafen aus, wenn unter 15 Jahre alte Kinder betroffen sind. Die Täter müssen mit einer Haft von 8 bis 15 Jahren sowie Bussgeldern zwischen 160.000 und 300.000 Baht rechnen. Bei Beschäftigten des öffentlichen Dienstes können die Gerichte die Strafen verdoppeln.
Zwei Protokolle der Vereinten Nationen definieren Menschenschmuggel und Menschenhandel und schaffen Klarheit. Danach ist Menschenschmuggel das Geschäft mit illegaler Einreise. Der Menschenhandel hingegen ist ein wesentlich gravierenderes Delikt. Nach dem UN-Protokoll besteht eine Pflicht zur Bestrafung jeglicher Mitwirkung an Menschenhandel, von der Anwerbung bis zur Inanspruchnahme der Dienstleistungen von Opfern, etwa von Zwangsprostituierten. Diese Begriffsbestimmungen machen deutlich, dass es sich sowohl bei Menschenschmuggel als auch bei Menschenhandel um Straftaten handelt, die in jedem Rechtsstaat bekämpft werden müssen, dass es aber gleichwohl Unterschiede in der Schwere dieser Rechtsverstösse gibt.
Neuere Studien weisen auf den Anstieg der Frauen-Prostitution in der Unterhaltungsindustrie in Asien hin. Besonders schockierend sind Berichte über die Zunahme an Kinderprostitution. In Südostasien zählt die Prostitution zu einer der grössten Beschäftigungsindu-strien. Thailand, weltweit bekannt für seine Sexindustrie, soll eine grosse Anzahl verschleppter Kinder aufweisen. Im Königreich und seinen Nachbarländern ist der Handel von Frauen und Kindern in die Prostitution mit der extremen Armut der Familien verbunden, besonders im Stammes- und im Hochland.
Nicht weniger schockierend sind die Berichte vom Handel mit menschlichen Körperteilen (Organhandel). Es ist ein Markt, der durch den raschen medizintechnologischen Fortschritt entstanden ist. Der dunkle Nebeneffekt ist der Ausbau des illegalen Organhandels. „Die einen brauchen Geld, die anderen einen Körperteil“, titelte die Neue Zürcher Zeitung.
„Aufkäufer“ finden Mädchen und Jungen für die schlecht bezahlte Sklavenarbeit und Prostitution im Norden und Nordosten des Landes. Wohl organisierte Banden schmuggeln Minderjährige von Laos, Kambodscha und Burma über die Grenze. Ziele sind die Hauptstadt Bangkok, weiter die Provinzhauptstadt Chiang Mai und Pattaya. In diesen Zentren schuften die Kinder dann in Hinterhofbetrieben, arbeiten als Strassenhändler oder gehen für ihre Hintermänner und -frauen betteln.
Um das einträgliche Geschäft mit Kindern rechtzeitig zu unterbinden, appellieren Menschenrechtsgruppen an Polizei und Sozialämter, ein wachsames Auge auf in Bangkok ankommende Minderjährige zu haben. Gefordert werden ständige Kontrollen u.a. am Hauptbahnhof Hua Lamphong, am Busbahnhof Mor Chit und auf dem Platz Sanam Luang.
Zwischen 2000 und 2007 hat das Department of Social Development and Welfare 3.120 Frauen und Kinder aus Nachbarländern aus der Prostitution und der Sklavenarbeit befreit und nach Hause begleitet. Und 1.032 thailändischen Frauen wurde die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht. Sie hatten angegeben, sich um einen Job im Ausland beworben zu haben. Ihr Arbeitsplatz waren Bordelle. Die meisten Thais, die im Ausland als Prostituierte arbeiten (müssen), landen nach Angaben der Behörde in den Ländern Malaysia, Bahrain und Japan.
Schlagzeilen machte im Vorjahr die Zerschlagung einer internationalen Gang in England und Thailand. In der grössten Aktion gegen Menschenhandel in der Geschichte Grossbritanniens wurden 60 Thai-Frauen aus der Prostitution befreit. Neben englischen Staatsbürgern nahm die Polizei neun Thailänder wegen Menschenhandels, Geldwäsche und anderer Straftaten fest.
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