Mit dem richtigen Wai auf Stimmenfang
Bangkoker wählen neuen Gouverneur / Demokrat klarer Favorit
Bangkok wählt am 11. Januar ein neues Stadtoberhaupt. Die Bandbreite der 14 Kandidaten für das Amt des Gouverneurs ist vielschichtig. Sie reicht von jungen bis alten, von erfahrenen bis unerfahrenen Bewerbern, von ehemaligen Ministern und Senatoren bis hin zu Schauspielern, TV-Grössen und bekannten Geschäftsleuten.
Ein Skandal hat dafür gesorgt, dass die Bangkoker innerhalb von drei Monaten erneut die Wahllokale aufsuchen müssen. Der erst im Oktober als Gouverneur wiedergewählte Apirak Kosayodhin trat im November von seinem Amt zurück. Damit zog der Politiker die Konsequenz aus einem Beschluss des Nationalen Anti-Korruptions-Ausschusses (NACC), das prominente Mitglied der De-mokratischen Partei wegen Korruption anzuklagen. Apirak Kosayodhin soll mit weiteren Politikern und Verwaltungsbeamten in den Skandal um die Beschaffung von 315 Löschfahrzeugen und 30 Löschbooten bei der österreichischen Firma Steyr verwickelt sein. Apirak Kosayodhin bestreitet jede Schuld.
Für ihn schickt die Demokratische Partei den Parlamentsabgeordneten M.R. Sukhumbhand Paribatra ins Rennen. Der ehemalige stellvertretende Aussenminister gilt als gewiefter Politiker, kennt die Probleme der Hauptstadt und ist klarer Favorit. Sollte er neuer Gouverneur werden, will er vor allem die Familie fördern und deren Werte hochhalten. Weiter hat er sich zum Ziel gesetzt, die anhaltende Erosion an der Küste zu stoppen und Initiativen für den Umweltschutz zu entwickeln.
Der ehemalige Schauspieler und frühere Parlamentsabgeordnete Yuranand „Sam“ Pamornmontri kandidiert für die Puea Thai, Nachfolgepartei der vom Verfassungsgericht aufgelösten People Power. Er gilt als Anhänger der ebenfalls verbotenen, von Thaksin Shinawatra gegründeten Partei Thai Rak Thai und hat sich seine politischen Sporen in den Bereichen Soziales und Gesundheit verdient.
Sollte Nattakorn Devakula gewählt werden, wäre er Bangkoks jüngster Gouverneur. Der TV-News-Anchorman tritt zum ersten Mal bei einer Wahl an und hat vor Beginn seiner Kampagne bei einem Kursus im Thailand Cultural Centre den thailändischen Gruss „Wai“ gelernt. Mit dem richtigen Wai will er die Herzen der Hauptstädter gewinnen. Der unabhängige Kandidat und Kritiker der ausserparlamentarischen Opposition People`s Alliance for Democracy (PAD) glaubt, dass die meisten Politiker und TV-Moderatoren den Wai nicht beherrschen oder die traditionelle Begrüssung vernachlässigen. Khun Nattakorn wirbt für einen zügigen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs.
Zu den schillerndsten Persönlichkeiten unter den Kandidaten/innen zählt Leena Jangjanja. Sie erregte beim jüngsten Urnengang durch ihr Outfit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: ständig in Rot gekleidet mit stark aufgetragenem Make-up. Weil der in der Kosmetik-Branche tätigen Frau beim letzten Wahlkampf das Geld ausgegangen ist, sammelt sie Bares als Schauspielerin. Für jede Szene als Lehrerin in „Taew Te Teen Raberd“, einem Streifen über einen Fussball spielenden Ladyboy, bekommt sie 7.000 Baht. Mit dem Geld finanziert Leena Jangjanja ihre Wahlkampagne.
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