Tiere lassen nicht nur Federn
Hahnenkampf: Die einen nennen es Sport, andere Tierquälerei
Als Chalerm Yubamrung noch das Ministerium des Inneren verwaltete und den Hahnenkampf als „traditionelle Freizeitgestaltung“ lobte, lösten seine Worte unter Tierschützern einen Proteststurm aus. Vor allem, weil der jetzige Oppositionsführer im Parlament damals sagte: „Lasst den Leuten doch ihren Spaß!“ Blutige Auseinandersetzungen zwischen abgerichteten Tieren, die in der Arena schwer verletzt oder getötet werden, sieht die Thai Animal Guardians Association (Thai AGA) nicht als Freizeitspass an: „Die Regierung fördert einen barbarischen Zeitvertreib. Er gehört verboten.“
Die Haltung von Kampfhähnen ist besonders in ländlichen Regionen weit verbreitet. Nicht wenige Züchter vergleichen ihren Einsatz mit dem von Brieftauben-Besitzern. Hahnenkampf sei schließlich eine alte Sitte und werde seit Jahrhunderten in Thailand ausgetragen. Dass es bei dieser „Sportart“ blutig zugeht, dass Tierbesitzer und Zuschauer auf den Ausgang hohe Wetten abschließen und so jedes Jahr Milliarden Baht den Besitzer wechseln, nehmen die Kampf-Fans als gegeben hin.
Die Thai AGA sieht hingegen eine Gefahr für die Gesellschaft. Hahnenkampf fördere die Spielsucht und kriminalisiere deren Anhänger. Die größte Tierschutzvereinigung des Landes berichtet von gewaltbereiten Spielern, Kredithaien, Raubüberfällen, Absprachen und weiteren Straftaten. Ein schwer wiegender Vorwurf: Bei Kindern und Jugendlichen werde das krankhafte Verlangen nach verbotenem Glücksspiel geweckt.
Im Königreich gibt`s nach Einschätzung der Association for the Conservation and Development of Indigenous Thai Chickens mit 63 Millionen Kampfhähnen fast so viele wie das Land Einwohner hat. Diese Zahl unterstreicht die Bedeutung von Zucht, Haltung und Kampf. Kein Wunder, dass die Cockfighting Promotion Association bei allen Gesetzesänderungen für ihren „Volkssport“ ein gewichtiges Wort mitzureden hat und als Gesprächspartner der Ministerien geschätzt wird.
Der Hahnenkampf (auf Thai: Gai Chon) beginnt mit dem Einsetzen der Tiere in die Arena. Die Hähne werden zunächst gereizt und dann aufeinander losgelassen. Durch das natürliche Revierverhalten – die Angriffsdistanz wird durch die Enge der Arena und das Gegeneinanderdrängen der Tiere absichtlich unterschritten – beginnen die Tiere mit dem Kampf. Sie bekämpfen sich mit den Schnäbeln, Klauen und Sporen, die zusätzlich mit Metallstacheln verstärkt werden. Kampfhähne sind sehr aggressiv, und sie kämpfen, bis einer von ihnen siegt. Das unterlegene Tier kann getötet oder schwer verletzt werden.
Bei der Zucht wird neben Kampfkraft, Ausdauer und Aggressivität auch auf ästhetische Merkmale geachtet. Die Kampfstätten sind daher nicht nur ein Schauplatz für blutige Kämpfe, sondern auch Ausstellungsort für besonders erfolgreiche Züchtungen. Thais achten auf die Form des Körpers, auf Farbe des Gefieders und andere Merkmale.
Ein Hahnenkampf kann nicht nur für die Tiere tödlich enden, sondern auch für deren Besitzer, wenn sie mit einem an Vogelgrippe infizierten Hahn in Berührung kommen. Als vor Jahren die Vogelgrippe in weiten Teilen des Landes grassierte, machten Veterinäre auch Besitzer von Hähnen für das schnelle Ausbreiten der Seuche verantwortlich. Die Behörden erließen ein Transport- und Kampfverbot.
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