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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Khmer-Kutsche mit Stil

Landpartie mit Tuk Tuk. Ein Tuk Tuk ist ein Tuk Tuk. Wirklich? Tuk Tuks gibt es in vielen asiatischen Städten, nicht nur in Bangkok, auch wenn die knatternden Zweitakter der thailändischen Hauptstadt weltweit die bekanntesten sind. Sie mögen als Grundidee für Varianten der Autorikschas von den Jeepneys in Manila bis zu den Bajaj in Jakarta Pate gestanden haben, aber sie sind fortentwickelt und vervollkommnet worden.

Tuk Tuks sind auch in Siem Reap, Phnom Penh und den anderen Städten Kambodschas zu finden. Wie ein König gleitet man in dem Gefährt auf zwei Rädern durch den immer dichter werdenden Verkehr von Phnom Penh. Denn die Khmer-Tuk-Tuk sind kleine Kutschen, die einfach mit einer Kupplung an Mopeds gehängt sind. Der Fahrgast sitzt auf bequemen Polsterbänken, ein Dach schützt vor der Sonne, bei Regen durchsichtige Plastikvorhänge vor dem Nasswerden, und die Beinfreiheit ist besser als in der Business Class von Fluggesellschaften, selbst wenn sich vier Personen die beiden Bänke teilen.

Es gibt kein öffentliches Nahverkehrssystem in Phnom Penh. Wer also in Kambodschas Hauptstadt zu einem Termin muss, der ist auf ein Tuk Tuk angewiesen. Oder auf ein Motorradtaxi. Aber in dem täglichen Chaos und der Anarchie des Verkehrs in Phnom Penh ist ein Tuk Tuk definitiv die sicherere Option, heil am Zielort anzukommen. Motodups sind zwar schneller und wendiger, aber den vielen mit lauten Hupen, aber offenbar nicht mit Bremsen ausgestatteten Lexus und Range Rover, mit denen die Neureichen rücksichtslos wie Rambo durch die Stadt donnern, sind die klapperigen Mopeds nicht gewachsen. Und Fachärzte für Kopfverletzungen sind in Phnom Penh Mangelware.

Auch für touristische Touren ist das Tuk Tuk bestens geeignet. Nicht nur sitzt man bequem, sondern die Dachhöhe ist auf die Größe von Farangs eingestellt. Man muss also nicht den Kopf einziehen und den Buckel krumm machen. Das genialste aber an den Khmer-Tuk-Tuks ist die freie Aussicht in alle vier Richtungen. Das ist ein so ganz anderes Tuk-Tuk-Gefühl als in Bangkok, wo der Passagier den Hals verrenken muss, will er was von Tempeln und Palästen sehen oder durch einen Blick auf die Pov und sein Tuk Tuk vor dem Nationalmuseum in Phnom Penh. Gegend prüfen, ob der Fahrer tatsächlich verstanden hat, wo man hin will.

Auch das ist anders in Phnom Penh oder Siem Reap: die meisten Tuk-Tuk-Fahrer können (etwas) Englisch. Auf jeden Fall in den touristischen Zonen sowie in NGO-Country, jenen Stadtvierteln Phnom Penhs, wo von Weltbank über die deutsche GTZ, das Rote Kreuz, den WWF bis zu kambodschanischen Bürgerrechtsorganisationen alle Nichtregierungsorganisationen (NGO) in schmucken Häusern aus der französischen Kolonialzeit ihre Büros haben. Dann ist da noch eine Fähigkeit der Fahrer, die bei deren thailändischen Kollegen selten anzutreffen ist: sie können Karten lesen. Wer kennt nicht diesen Frust, wenn ein thailändischer Tuk-Tuk- oder Taxifahrer minutenlang die Visitenkarten mit Adresse und Wegbeschreibung hin und her und her und hin dreht und dann sagt: No have.

Die Tuk-Tuk-Konkurrenz ist groß. In dichten Trauben umlagern sie die Hotels, Cafés und Restaurants. „You want Tuk Tuk, Sir“, rufen die Fahrer. Andere preisen Ausflüge zu den Killing Fields, dem Königspalast oder dem Einkaufsparadies Russian Market an. Selbstredend haben Tuk-Tuk-Fahrer Visitenkarten mit Namen und Telefonnummer und sind so für ihre Stammkunden Tag und Nacht erreichbar. Der Preis für eine Kutschfahrt ist Verhandlungssache, aber mehr als einen US-Dollar, neben dem Riel Kambodschas akzeptierte Zweitwährung, sollte eine Fahrt von A nach B in der Innenstadt Phnom Penhs nicht kosten.

Wenn die Nacht anbricht, wechselt das Angebot: „You want Boom Boom? I know young lady.“ Manchmal sind die Ladies oder auch die Boys sehr jung. Kindersex ist auch in Kambodscha ein großes Problem. Auf der sicheren Seite ist, wer einen Tuk-Tuk-Fahrer im blauen Hemd der Kinderschutzorganisation Friends wählt. Solche vermitteln garantiert keinen Kindersex.

Pov und sein feuerrotes Tuk Tuk. Tuk Tuks sind noch nicht lange in Kambodscha präsent. Sie kamen erst Anfang dieses Jahrhunderts auf. Bis dahin waren eben Motodups oder Fahrradrikschas, genannt Cyclos, die Transportmittel der Wahl. Für Pov war der Kauf eines Tuk Tuks ein richtiger Karriereschritt. „Ich habe mir Geld von Verwandten geborgt, um mir mein Tuk Tuk zu kaufen. Die Touristen mögen Tuk Tuks lieber als Motos.“ Billig sind die Khmer-Kutschen nicht. Inklusive Moped kostet die Khmer-Kutsche mehr als 1.500 Dollar, eine Menge Geld in einem Land, wo ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt und ein Polizist oder ein Lehrer 30 Dollar im Monat verdient.

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, gestaltet so mancher Fahrer sein Tuk Tuk ganz individuell. Die einen legen hübsche Decken in traditionellem Khmer-Design über die mit Plastik bezogenen Sitzbänke. Andere streichen ihre zweirädrige Kutsche in coolem Schwarz oder knalligem Rot. Mal sind die Armlehnen aus gedrechseltem, auf Hochglanz poliertem Holz, mal aus glänzendem Metall. Pov setzt auf die Signalfarbe Rot.

von Michael Lenz, Phnom Penh

 
 
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