Die Elefanten des Königs
Das Royal Elephant Museum informiert über Geschichte und Verehrung
Weiß sind sie nicht, die weißen Elefanten. Es sind eher rosa oder rosagrau gefärbte Albinos mit roten oder weißen Augen und weißen Haarbüscheln an Kopf und Schwanz. Sie wirken für Thais irgendwie königlicher als gewöhnliche Dickhäuter und gelten seit Jahrhunderten als Glücksbringer. Albinoelefanten haben im Königreich einen hohen Stellenwert. Thais glauben fest daran, dass viele weiße Elefanten ihrem König eine glückliche Regentschaft bescheren.
Die Haltung von Königselefanten am Hofe war eine in allen buddhistischen Königreichen Südostasiens gepflegte Tradition. Der Besitz außergewöhnlich geformter und farblich getönter Dickhäuter galt als Wertmesser für Macht und Größe des jeweiligen Herrschers. Je mehr weiße Elefanten, desto mehr Glück und Wohlstand im Land.
Albinoelefanten wurden bei Hofe liebevoll gepflegt und bevorzugt behandelt. Jedes Tier besaß früher mehrere Diener, die ihm kühle Luft zufächelten und das Futter auf goldenen Tellern servierten. Auf dem Kopf trugen die königlichen Dickhäuter kostbare Kronen, die Stosszähne waren mit goldenen Ringen verziert.
Bis vor einigen Jahren wurden die königlichen weißen Elefanten im Bangkoker Dusit Zoo gehalten. Inzwischen haben sie in einem aufwändigen Gehege auf dem Gelände des Chitralada-Palastes eine neue Bleibe gefunden. Über die Geschichte und Verehrung der Albinos informiert das Royal Elephant Museum auf dem Areal des Dusit-Palastes in Bangkok. Dort sind weiter das Vimanmek Teak Mansion und die Abhisek Dusit Throne Hall zu sehen.
Was Herrschern anderswo ihre Hengste oder Falken, das war den Königen Siams seit jeher „chang puak“, der weiße Königselefant. Wer irgendwo in Thailand einen dieser Dickhäuter findet, die schon als Jungtiere hellrosafarbene Flecken an Stirn oder Ohren aufweisen, der ist verpflichtet, dieses Tier stehenden Fußes nach Bangkok zu bringen.
Die aus der hinduistisch-buddhistischen Mythologie überlieferte Beschreibung der sieben Hauptmerkmale eines „chang puak“ ist im Königreich gesetzlich verankert und genau präzisiert: Augen, Gaumen, Fußnägel, Hoden, After und Haare. Nach dieser komplizierten und im Detail vorgeschriebenen Untersuchung wird das Tier in einer feierlichen Prozession unter dem Ehrengeleit königlicher Beamter zum Chitralada-Palast gebracht. Am Eingang des Palastes erwarten Brahmanen-Priester mit einer Statue des Elefantengottes Ganesha den Festzug. Die Hindus hatten das gutmütige Tier zum Gott erhoben und verehren es unter dem Namen Ganesha oder Ganapati. Der Elefantengott wird immer dann angerufen, wenn man für ein Vorhaben besonders viel Glück benötigt.
Die feierliche Zeremonie beginnt damit, dass der König den Dickhäuter mit geweihtem Wasser besprengt. Dann wird das Tier mit allen Insignien versehen: goldgeflochtene Satteldecke, Stirnnetz, Quasten und Elefantenorden. Der mit Kreidebrei gesalbte Dickhäuter erhält sodann seinen Namen, der mit dem Ehrentitel Phra beginnt.
Auf dem Gelände des Palastes bekommt das Tier künftig zusammen mit seinen Artgenossen ausgewähltes Futter, und auch sonst genießt es in jeder Beziehung ungewöhnliche Aufmerksamkeit. Die derzeit zehn weißen Tiere des Königs dürfen nicht zum Arbeiten eingesetzt werden. Ihre Haltung verschlingt hohe Geldbeträge.
Elefanten sind seit jeher in Thailand hoch verehrte Tiere. In der Vergangenheit wurde die königliche Macht an der Anzahl der auf dem Schlachtfeld verfügbaren Elefanten gemessen. Im 17. Jahrhundert bildeten viele Tausende königliche Elefanten den Hauptbestandteil der Kriegsmaschinerie Siams. Mit Elefantenheeren lieferten sich Thais, Burmesen und Khmer unzählige Schlachten.
In Friedenszeiten wurden Elefanten gleichermaßen geliebt. Sie waren nicht nur ein wichtiges Transportmittel, sondern die intelligenten und klugen Tiere waren daran gewöhnt, Seite an Seite mit dem Menschen zu arbeiten. Elefanten haben darüber hinaus einen wichtigen Platz im Buddhismus als geistige Mentoren für alle Menschen. Sie sind ein bedeutendes Element bei Zeremonien und werden daher als große Wohltäter der Menschen und des Landes betrachtet.
Anders als sein afrikanischer Verwandter hat sich der asiatische Elefant im Verlauf der Jahrtausende zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft entwickelt, zu einem wesentlichen Teil des sozialen und bürgerlichen Gefüges.
Die ehemalige Fahne des Königreiches Siam und frühe siamesische Münzen waren geschmückt mit dem Abbild des königlichen weißen Elefanten. Bis heute wird der Elefant als ein nationales Symbol des Königreiches Thailand angesehen und findet sich auf zahlreichen königlichen und nationalen Emblemen, einschließlich des offiziellen Siegels von sieben Provinzen und des Siegels der Stadt Bangkok.
Um diesen äußerst sanften und starken Gefährten zu ehren, wurde der 13. März zum nationalen Tag des thailändischen Elefanten erklärt. Dadurch soll dieses wundervolle Tier unterstützt und ihm Respekt entgegengebracht werden.
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Bedrohte Tiere in großer Gefahr
Thailand zählt zu den 13 asiatischen Ländern, in denen Elefanten in freier Wildbahn geboren werden. Die Geburtenrate liegt bei 10 Prozent im Jahr gegenüber nur 7 Prozent bei domestizierten Elefanten. Deshalb sehen Wildhüter die ohnehin bedrohte Tierart in großer Gefahr. In etwa 15 Jahren könnte die Zahl der domestizierten Elefanten so weit schrumpfen, dass skrupellose Menschen in den Nationalparks Jagd auf Tiere machen. Wilde Elefanten könnten bei illegalem Handel zu einem Geschäftsgut werden. Deshalb erwarten Naturschützer Hilfe und Unterstützung in Form von staatlichen Programmen. Auch, weil sich die Lebensbedingungen der Elefanten dramatisch verändert haben. Von den heute rund 2.500 domestizierten Tieren, die fast alle in Privatbesitz sind, arbeiten die meisten in der Tourismusbranche, andere werden von ihren Mahouts (Führer) gezwungen, auf den Straßen zu betteln. Allein in Bangkok laufen während der Trockenperiode über 200 umher. In der Wildnis sollen es noch rund 3.000 sein. Der Huai Kha Khaeng Wildlife Sanctuary Park in der Provinz Uthai Thani ist mit 700 die Heimat der landesweit größten Population.
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