Ein böses „Erwachen“ nach dem Tod
Weshalb die eigene Bestattung in Thailand besser vorab organisiert sein sollte
Über den eigenen Tod denkt keiner gerne nach. Auch nicht in Thailand. Obwohl gerade hier lebende Auswanderer nach ihrem Ableben in grotesk-makabere Situationen geraten können: ein böses Erwachen nach dem Tod - zumindest für die Hinterbliebenen. Der FARANG schildert mit Hilfe von Liz Luxen drei aktuelle Todesfälle, die nicht repräsentativ sein können, aber doch nachdenklich stimmen.
Liz Luxen arbeitet seit fünf Jahren als Dolmetscherin und Übersetzerin für in Not geratene Ausländer in Thailand (www.liz-luxen.com). Seit August 2008 hat sie ihr Angebot auf professionelle Begleitung inklusive behördlicher Abwicklung bei Todesfällen ausgeweitet. „Es war eine fast zwangsläufige Aufstockung meines Arbeitsbereiches“, sagt die gebürtige Rheinländerin. „Viele meiner Fälle waren Aufträge von Angehörigen, die in Thailand einen Menschen verloren hatten.“
27 Bestattungen hat Liz Luxen seither organisiert. Soweit die Verstorbenen ihren Nachlass und ihre Beerdigung geregelt hatten, sei dies pietätvoll und im Sinne der Angehörigen vonstatten gegangen. Nicht so bei dem Briten Albert H. (62). Er starb am 25. März dieses Jahres im Samui International Hospital an Krebs. Anstelle eines Testaments „hinterließ“ der Lebemann aus Middlesborough vier Frauen. Eine aktuelle Lebensgefährtin und Barbesitzerin in Baan Rak, eine weitere Thailiebschaft aus Sturm- und Drangzeiten mit heutigem Wohnsitz USA, eine rechtmäßig von ihm geschiedene Engländerin mit den beiden leiblichen Kindern sowie eine urkundlich mit ihm verheiratete weitere Britin.
„Das Chaos ist damit längst nicht beschrieben“, schildert Liz die unglaubliche Geschichte. Denn seither zanken sich die beiden Thai-Abschnittsgefährtinnen von Albert H. ums vermeintliche Erbe. Die eigens aus Amerika eingeflogene Ex legte vor Gericht sogar eine britische Heiratsurkunde, auf ihren Namen ausgestellt, vor. „Eine Fälschung“, konnte Liz mit Unterstützung des Standesamtes in Großbritannien jetzt nachweisen. Offensichtlich habe die mittlerweile wieder verheiratete Thaifrau ihren Namen in das Dokument nachgetragen.
Das Groteske an der Geschichte sei, dass Sohn und Tochter von Albert H. nur von England nach Samui gekommen waren, um ihren (tatsächlich) leiblichen Vater auf seiner letzten Reise zu begleiten. Mit Hilfe Liz Luxens und ihres Bestattungsunternehmens gelang dies trotz der erschwerten Bedingungen. Im Wat Pra Derm in Koh Samuis Westen fand die Trauerzeremonie statt. Anwesend waren auf ausdrücklichen Wunsch der Hinterbliebenen nur die beiden Kinder und Liz Luxen sowie die Mönche für die Zeremonie.
Um den Nachlass wird eifrig weiter gestritten. Beim Provinzgericht in Hua Thanon ist für den April die nächste Runde im Erbschaftsstreit Albert H. anberaumt. „Angeblich hat die in Amerika wieder verehelichte Exgefährtin noch einen Sohn von Albert H.“, sagt Liz Luxen kopfschüttelnd. Vermutlich werde das Verfahren um einen DNA-Vergleich bereichert. Sie selbst hofft, dass bei der dreisten Erbschleicherin die Staatsanwaltschaft aktiv wird. Immerhin habe die mit Albert H. verheiratete und nun verwitwete Engländerin in Middlesborough Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gestellt.
Ein trauriger Auftrag erreichte Liz Luxen Ende September. Eine in der Schweiz wohnende Mutter wollte die Sterbeurkunde ihres toten Sohnes aus Koh Samui reklamieren: zur Vorlage bei den Schweizer Behörden. Jean-Marc L. (33) aus Genf hatte sich aus Kummer in seinem Haus in Bophut erhängt. Da der junge Mann eine doppelte Staatsbürgerschaft besaß und mit britischem Reisepass nach Thailand eingereist war, erhielt Liz den Auftrag direkt von der Englischen Botschaft.
Auch hier war es zu spät für eine angemessene Beisetzung. Jean-Marc L. war auf Druck seiner Thaipartnerin aus Kanchanaburi bereits eingeäschert worden. „Eine absolute Wildwest-Geschichte“, sagt Liz, denn eine Sterbeurkunde habe es nicht gegeben. Und damit hätte auch in Thailand eine Bestattung keinesfalls durchgeführt werden dürfen. Liz musste sich später sogar noch bei der Meldestelle in Samui schelten lassen, weshalb es keine Sterbeurkunde gäbe. „Erst nach ausführlicher Schilderung und Vorlage des Reisepasses sowie des Polizeiberichtes konnte ich der Mutter das Dokument nach Genf schicken.“
Einen ganz anderen Nachklang hatte der Tod von Kurt P. (64) aus Wien. Der Österreicher starb Mitte des Jahres in Thonburi bei Bangkok an Lymphdrüsenkrebs. Er wusste um sein Schicksal und nahm schon Monate zuvor mit Liz’ Bestattungsinstitut Kontakt auf. Für die Trauerfeier bestellte er ein überaus lebenslustiges Programm: Schmückung des Tempels mit Orchideen in allen Farben, Anreise seiner besten sechs Freunde mit Übernahme aller Spesen, kistenweise Leo-Bier und Weißwein und als Zugabe jeweils charmante Thaibegleiterinnen für die männlichen Trauergäste.
Auf dem Chao Phraya-Fluss in Bangkok ließen die Freunde seine Asche friedlich in die Fluten gleiten und ihren verstorbenen Freund mit Champagner und Kanapees noch einmal hochleben. „220.000 Baht hat sich Kurt P. dieses letzte Vergnügen kosten lassen“, beschreibt Liz ihre bisher ungewöhnlichste und aufwendigste Bestattung.
Normalerweise kostet eine Standardbeisetzung mit allem inklusive sowie der Bereitstellung der Urne bei ihr ab ca. 75.000 Baht (1.500 Euro) aufwärts. Dafür müssen sich die Hinterbliebenen dann um nichts mehr kümmern. Weder um die Trauerzeremonie, die Bereitstellung der Leiche und anschließende Verbrennung, noch um die Abwicklung des notwendigen Schriftverkehrs. Detaillierte Informationen unter: www.samuifunerals.org. Ein weiteres Bestattungsunternehmen betreibt als Franchise-Partner in Hua Hin Torsten Voigt.
Sam Gruber |