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Letzte Aktualisierung: 04.02.2010
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Pattaya erstickt im Verkehr

Ein Skytrain oder Monorail soll das Chaos auf den Straßen auflösen

Diese aufgeständerte Einschienenbahn verkehrt seit Mitte 2003 in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Die Monorail bedient auf einer 8,6 Kilometer langen, zweispurigen Strecke elf Haltestellen. Eine Fahrt vom Jomtien bis Naklua braucht Zeit. Vor allem an Feiertagen. Dann schleicht es sich nur noch auf Pattayas Hauptstraßen. In den Abendstunden benötigen Autofahrer für die wenigen Kilometer fast ebenso lange wie für eine Fahrt zum internationalen Flughafen Suvarnabhumi. Denn der innerstädtische Verkehr hat die Planer längst überrollt. Nichts geht mehr! Das kleine Fischerdörfchen ist Geschichte, aus Pattaya ist ein Moloch geworden. Die Spaß-Stadt droht Bürger und Touristen zu ersticken.

Bürokratie, Einflussnahme mächtiger Familien und dilettantische Politiker haben im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eine nachhaltige, zukunftsorientierte Stadtentwicklung verhindert. Das Chaos täglich vor Augen, haben die Stadtväter dem stetig steigenden Verkehrsaufkommen lediglich weitere Signalanlagen und wechselseitige Halteverbote entgegengesetzt. Pattayas momentaner Verkehrszustand ist eine peinliche Ohrfeige für Kommunalpolitiker und Stadtplaner im Rathaus. Zwar hat sich der staugeplagte Moloch seinen Charme als bizarre Entertainment-City bewahrt, aber Thais und Ausländer hinterfragen Lösungen.

Die hatte Itthipol Khunpluem vor seiner Wahl zum Bürgermeister im Mai 2008 versprochen. Er wollte die drängendsten Probleme zügig angehen. Mehr als eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt gestehen ihm selbst politische Gegner zu, er sei ein fleißiger, hervorragender Repräsentant des Touristenzentrums. Keine Feier, kein Jubiläum, keine Eröffnung, keine Ehrung ohne den mit 36 Jahren noch sehr jungen Politiker. Doch das Stadtoberhaupt muss sich an seinen Wahlversprechen messen lassen. Und da hapert`s. Denn ganz oben auf seiner Liste standen die Entzerrung des Innenstadtverkehrs und eine harte Bestrafung der Parksünder.

Bürgermeister Itthipol Khunpluem favorisiert einen schienengebundenen Linienverkehr.

Itthipol Khunpluem gibt sich visionär. Er hat ein Megaprojekt angestoßen. Ein Skytrain wie der in Bangkok soll das Verkehrschaos auflösen. „Ebenso absurd wie größenwahnsinnig“, sagen Kritiker. Der politische Wille, ein solches milliardenschweres Bauvorhaben durchzuziehen, fehlt allerdings nicht. Das haben die ersten Diskussionen im Stadtrat gezeigt. Nach der jetzigen Planung könnte eine sechs Kilometer lange aufgeständerte Trasse über die Second und Beach Road verlaufen. Sollte sich der schienengebundene Linienverkehr bewähren, wäre eine Erweiterung selbst über die Grenzen der Stadt hinaus möglich. Von insgesamt über 70 Kilometer Länge ist die Rede.

Die Rede ist weiter davon, dass bei einer Umfrage 75 Prozent der im Großraum Pattaya lebenden Thais und 71 Prozent der ausländischen Residenten und Urlauber das Projekt begrüßt haben. Das mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte Beratungsunternehmen Chotichinda Mouchel glaubt weiter, dass ein Skytrain eine touristische Attraktion wäre und den Tourismus ankurbeln würde.

Keine Rede davon, dass die Bauarbeiten Jahre dauern würden, der Straßenverkehr entlang der Trasse zum Erliegen käme und die Geschäftsleute kaum noch Kunden sähen. Und Pattayas Urlauber? Sie lägen am Strand, gingen auf der Promenade spazieren oder säßen in einem der Straßenrestaurants – und über ihren Köpfen lärmten alle paar Minuten Skytrain-Züge. Ein Ausblick auf die Bucht von Pattaya wäre ihnen wegen der aufgeständerten Trasse weitestgehend versperrt.

Ein wenig kleiner und erheblich billiger ginge es auch. Wie Anfang 2004 bei Einführung des ersten, von Thais und Ausländern gleichermaßen begrüßten Linienbusverkehrs. Die Busse fuhren damals von der City Hall über die Second Road, der Central und Beach Road bis zur Walking Street und dann zurück über South Pattaya Road, Second Road und North Pattaya Road. Doch der anfangs kostenlose Service in klimatisierten Bussen währte gerade mal vom 14. Februar bis 16. Mai 2004. Dann hatte die übermächtige Baht-Bus-Kooperative den Busbetreiber von der Strecke gedrängt. Jahre später scheiterte ein weiterer Linienverkehr: an der Inkompetenz des Managements, weil eine Fahrt mit einem Baht-Bus preiswerter war, es keine Fahrpläne gab und die Streckenführung sich mehrfach änderte.


Nur drei Monate brachten klimatisierte Busse im Jahr 2004 Thais und Ausländer zu ihren Zielen. Dann beugte sich der Stadtrat dem Druck der Baht-Bus-Besitzer und beendete den ersten Linienbusverkehr des Touristenzentrums. Dass sich Pattayas Politiker bei diesen negativen Erfahrungen auf ein Pilotprojekt mit ungewissen Kosten einlassen wollen, überrascht schon. Zwar ist noch nicht entschieden, ob es ein Skytrain, ein Monorail (Einschienenbahn) oder nur eine Straßenbahn werden soll, aber jeder schienengebundene Zug braucht viel Raum, und den geben die innerstädtischen Straßen kaum her.

Fest steht: Der Verkehr steht vor dem Kollaps. Der erneut boomende Tourismus, hier vor allem der inländische, und die rapide zunehmende Motorisierung sprengen das Straßennetz. Der Verkehr rollt vom heutigen Chaos morgen in die Katastrophe und wird übermorgen vor dem Kollaps stehen – wenn nicht augenblicklich Lösungen angepackt werden.

Eine könnte heißen: CO2-freier Linienverkehr. Elektrobusse sind leiser, stören weder Anwohner noch Urlauber und sind daher in der City besser einsetzbar. Ein Rundverkehr über die Second- und Beach Road wäre einen Versuch wert. Dieser würde umso mehr gelingen, könnte sich die Stadt endlich zur Schließung der Beach Road für den Durchgangsverkehr durchringen – gegen den massiven Protest der Geschäftswelt.

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Was aus einem Gutachten wurde

Eine in die Zukunft gerichtete Verkehrsplanung hatten sich Pattayas Stadtväter Mitte des letzten Jahrzehnts von einem Gutachten erhofft. Die Empfehlungen des Traffic Development Research Center (TDRC) des King Mongkut Instituts of Technology wurden zwar eingehend erörtert, dann aber ins Archiv verbannt.

Das TDRC hatte vorgeschlagen:

• Einführung eines Linienbusverkehrs.

• Signalanlage für den Delfin-Kreisel in Nordpattaya.

• Reduzierung der hohen Zahl der Baht-Busse.

• Schaffung von Kurzparkplätzen entlang der Beach Road.

• Weitläufiges Halteverbot auf beiden Fahrbahnseiten der Central Road an der Einmündung in die Beach Road und an weiteren Verkehrsadern.

• Ausweisung weiterer Einbahnstraßen in der Innenstadt.

• Wiedereinführung des Gegenverkehrs auf der Second Road, zumindest auf Teilstrecken, bei einer Neuausrichtung der städtischen Verkehrsplanung und -lenkung.

 
 
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