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Letzte Aktualisierung: 26.03.2010
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Es gibt sie also doch...

Ein Nachtrag zur Contemporary Modern Art Scene in Thailand

Kann mit jeder westlichen Galerie mithalten: thailändische Contemporary Modern Art, präsentiert auf kleinstem Raum in der Section 7 des Chatuchak Weekend Markets in Bangkok. Im vergangenen Jahr hatte ich mich im Seebad Pattaya auf die Suche nach einer dort eventuell anzutreffenden eigenständigen Contemporary Modern Art Scene gemacht und schließlich ernüchtert feststellen müssen, dass davon zwar vereinzelt zaghafte Ansätze vorhanden waren, es aber letztlich wohl nicht zuletzt mangels finanziell potenter Interessenten übertrieben war, von einem eigenständigen, sich eventuell sogar selbst tragenden Markt zu reden. Die Kenner der Szene bestätigten in seltener Einmütigkeit, in Copy Art sei man dort ganz groß, immerhin sei Pattaya dafür das Zentrum in Südostasien, und da habe die Stadt auch einiges zu bieten, aber Contemporary Modern Art, die könne man, wenn überhaupt, allenfalls in Bangkok finden. Neben den bekannten und etablierten Galerien der Hauptstadt, die sich eher der bereits arrivierten Künstler annähmen, sei der Chatuchak (oder auch Jatujak) Weekend Market hoffnungsvoller Ausgangspunkt für all jene Künstler, die erst noch auf ihren großen Durchbruch warteten.

Der Chatuchak Weekend Market ist mit rund 15.000 Verkaufsständen größter Markt in der Hauptstadt und samstags und sonntags geöffnet von 8-18 Uhr. Man erreicht ihn am besten mit dem Skytrain, Station Morchit (vergl. dazu auch: www.bangkok-city.com/chatuchak).
Ongart Cheamcharoenpornkul (rechts) vor seinem Objekt „Sea“ des Tryptychons. Die Fülle der dort angebotenen Waren und möglichen Reisemitbringsel ist schlichtweg überwältigend und reicht von Pflanzen über Tiere, Möbel, Porzellan, Kunstblumen und vielem anderen mehr bis hin zu den verrücktesten Souvenirs, die obendrein auch noch extrem günstig sind (das Handeln inbegriffen). Aber eben auch Kunstwerke in unterschiedlicher Größe und Qualität finden hier ihre Liebhaber. Dabei sind es neben der in traditioneller Maltechnik gefertigtenVielfalt von Themen aus der thailändischen Geschichte vor allem auch die oft durch eine besondere Originalität ins Auge fallenden Arbeiten der thailändischen Contemporary Modern Art. Greifen wir dazu exemplarisch drei Vertreter dieser Spezies heraus und besuchen wir sie in ihren kleinen „Galerien“ in der Sektion 7 des Marktes. Da fällt zunächst der 43-jährige, in Ayutthaya geborene Ongart Cheamcharoenpornkul mit seinen Objekten auf. Sie erschlagen den Betrachter schon von weitem durch ihre monströse Farbigkeit, die obendrein noch durch eine Hochglanzlackierung verstärkt wird. Seine Arbeiten, die extrem dekorativ daherkommen, sind aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengesetzt, wie zum Beispiel Holz, Bambus oder auch Stoffe, die zusätzlich einen ordentlichen Schuss kräftiger Ornamentik mitbekommen haben. Allen Arbeiten eigentümlich ist jedoch darin verarbeitetes dünnes Blech, das zunächst in die gewünschte Passform geschnitten und anschließend behämmert in die Flächen integriert wird. Ongarts Werk „Three of God“ besteht aus drei gleich großen, 100 x120 cm großen Bildtafeln, betitelt „Land“ – „Air“ – „Sea“, die eigentlich eine Einheit bilden, die der Künstler nötigenfalls aber auch einzeln verkaufen würde. Immerhin 60.000 Baht muss man dafür schon ausgeben, denn, nicht nur dass er zirka einen Monat Arbeit darin investieren muss, zur Zeit, so seine Aussage, sei er glücklich, wenn er überhaupt eine Arbeit pro Monat verkaufen könne. Sein augenblicklich vor Ort präsentiertes Objekt „Season Changes“ ist dagegen schon für einen günstigeren Preis zu haben. Im nächsten Jahr, so teilt er noch freudestrahlend mit, wird er erstmalig in einer der etablierten Galerien Bangkoks, der „Number 1 Gallery“ in der Silom Gallery in der Silom Road ausstellen. Na bitte, ein weiterer Schritt zum Erfolg und dem damit zwangsläufig einhergehenden Ruhm ist getan.
Soontorn Sukkeaw vor seinem Ölbild „Four Seasons“, Öl auf Leinwand, 150x150 cm. Ein weiterer Vertreter der auf dem Chatuchak Weekend Market ausstellenden Künstler der Contemporary Modern Art Thailands, ist der 1975 geborene Soontorn Sukkeaw. Seine ebenfalls vor dekorativer Farbigkeit strotzenden Farbflächen gleichen einer auf Leinwand gebrachten, überdimensionalen Farbpalette, so wie sie Künstler gewöhnlich verwenden, um ihre Farben anzumischen.

Soontorns Bildwelt, die er auf dem kleinen, ihm zur Verfügung stehenden Raum präsentiert, ist allerdings sehr begrenzt. Man wünschte sich, etwas mehr von ihm zu sehen, vor allem, um sich ein Bild darüber zu machen, was er sonst noch so auf die Leinwand und damit an die Wand bringt. Mit dem Gezeigten bietet er keine allzu große Vielfalt an, so dass man sein Schaffen auf den ersten Blick nur begrenzt beurteilen kann. Immerhin bietet er seine Kreationen in der Größe 150x150 cm für stolze 25.000 Baht (entspricht circa 500 Euro) an.
Ausschnitt aus Soontorn Sukkeaw: Four Seasons, Öl auf Leinwand, 150x150cm. Der letzte im Bunde der vorzustellenden Künstler des Chatuchak Weekend Markets, der sich der Contemporary Modern Art in Thailand verschrieben hat, ist der aus der Provinz Surin stammende 43-jährige Sumatah Kunsumaso. Wie die meisten Künstler der Szene ist auch er absoluter Autodidakt. Das Bild, vor dem er für den Fotografen posiert, ist zirka 150x150 cm groß und mit 10.000 Baht auch schon für den kleineren Geldbeutel erschwinglich. Seine Arbeiten sind typische „Mixed media“-Werke, für die er die unterschiedlichsten Materialien verwendet.

Für ihn, wie für alle der auf dem Markt ausstellenden Künstler, gilt übrigens: auf dem nur begrenzt zur Verfügung stehenden Präsentationsraum können sie nur neugierig machen auf weitere ihrer Werke. Da sie zwar heute in der Regel alle eine Email-Adresse auf ihren Karten angeben, dort aber keine eigenen Webseiten vermerkt sind, ist es schwierig, sich ein umfassendes Bild ihres Schaffens zu machen. Letzteres bleibt demnach ausschließlich einer zeitaufwendigeren Nachrecherche vorbehalten. Hinzu gilt es festzustellen, dass nicht nur die drei hier erwähnten Vertreter ihre Bilder oder Objekte in Größenordnungen herstellen, die sie für das normale durchschnittliche Wohnzimmer wenig kompatibel machen. Man darf also von der Voraussetzung ausgehen, dass sie als Investoren weniger den kunst-interessierten Normalbürger vor Augen haben, als Firmen, die an ihre Bürowände Werke solchen Ausmaßes überhaupt hängen können.
Sumatah Kunsumaso vor einer untitulierten, 150x150 cm großen „Mixed-media“-Arbeit. Vielleicht schafft ja irgendwann einmal einer dieser jungen, hoffnungsvollen Künstler den Sprung in die National Gallery (Hor Silp Chao Fah), die nicht nur ein Paradies für Kunstliebhaber darstellt, sondern für die thailändischen Künstler gleichsam so etwas wie der Olymp ist. Der Weg dorthin ist allerdings noch weit und mit vielen Stolpersteinen und Zufällen gepflastert. Gleichwohl haben all jene, auch hier nicht namentlich genannten Künstler, die auf dem Chatuchak Weekend Market ihre Werke ausstellen, allein dadurch bewiesen, dass sie diesen Weg zu gehen bereit sind.

Lothar W. Brenne-Wegener

 

 

 

 
 
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