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Letzte Aktualisierung: 29.03.2010
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Europäische Architektur für thailändischen Prinzen

Der Bangkhunprom-Palast in Bangkok / Sitz des Prinzen Paribatra

Der Bangkunprom Palace in Bangkok war von 1903 bis 1932 Sitz des Prinzen Paribatra Sukhumbandhu (1881-1944), einer der mächtigsten Männer der siamesischen Chakri-Dynastie, der seine Ausbildung in Deutschland absolvierte. Foto: Bank of Thailand Das Gelände, auf dem sich der Bangkhunprom-Palast in Bangkok befindet, bestand ursprünglich aus kleineren Grundstücken, die Mitgliedern des Königshauses, Aristokraten, Laypeople and Monasteries gehörten. Heute grenzt es im Westen an den Chao Phraya-Fluss, im Osten an die Samsen Road, im Süden an die Tha Kasem Road und im Norden an den Devavesm-Palast. Im Juni 1899 übereignete König Chulalongkorn der Große (Rama V.) das gesamte Areal seinem Sohn Prinz Paribatra (Boribhat) Sukhumbandhu (1881-1944), der sich zu diesem Zeitpunkt noch zur Ausbildung in Deutschland aufhielt. Während eines Besuchs in seiner Heimat im Jahre 1901 kündigte Prinz Boribhat an, sich nach Abschluss seiner Ausbildung und seiner geplanten Rückkehr nach Siam im Jahr 1903 dort niederzulassen. Bis dahin kümmerte sich seine Mutter, Prinzessin Consort Sukumalmarsri, um die Angelegenheiten des Gebäudes.

Europäischer Architekt

Hinsichtlich dessen Konstruktion lesen wir, dass die Abteilung für „Öffentliche Arbeiten“ für den Entwurf und den Bau des Palastes verantwortlich war. Die Oberaufsicht oblag dabei einem Mr. Phra Sathit Nimankarn. Innerhalb dieser Abteilung waren seinerzeit jedoch in erster Linie Europäer für die Errichtung des Gebäudes zuständig. Chefarchitekt war ein Mr. Carl Zundrekski, dem Mr. Paolo Remedi and Mr. Mario Tamagno zur Seite standen, und die sich um den Architekturentwurf kümmerten. Chefingenieur Mr. Carlo Allegre und dessen Assistent, Ingenieur Mr. Elmigno Gioanni Ugegno Gollo, besorgten die technische Ausstattung des Gebäudes.

Während des Planungsstadiums des Bangkhunprom Mansions (Herrenhauses) befand sich Europa in einer Periode des Wechsels und des Wandels. Im Zuge der industriellen Revolution wurden neue Materialien entdeckt, die erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die Konstruktionsmethoden in der Bauwirtschaft, sondern auch auf die gesamte Architektur hatten.

Entwicklungen und Neuerungen

Die dem Chao Phraya-Fluss zugewandte Seite des Bangkhunprom Palastes erstrahlt in europäischer Architektur. Das eher europäisch anmutende, äußere Erscheinungsbild des Bangkhunprom Palace war deshalb auch das Ergebnis dieser Entwicklungen und Neuerungen. Diese bezogen sich in erster Linie auf den für Thailand ungewöhnlichen Gebrauch von Ziegelsteinen, der Nutzung von tragenden Wänden für die innerer Gestaltung des Gebäudes, sowie auch des Einbaus kleiner Fenster innerhalb des Mansardendaches, die wiederum erst durch eine solide Holzkonstruktion möglich wurden.

Das Hauptgebäude des Bangkhunprom Mansions ist heute ein gutes Beispiel für vornehme europäische Eleganz und kann mit seiner reichen Ornamentik an Stuck als eines der schönsten Gebäude seiner Zeit in Thailand betrachtet werden. Obwohl die Stuck Elemente den verschiedensten westliche Stilen und Epochen entlehnt wurden, fügen sich vor allem die barocken Außendekorationen zu einem ansprechenden Ensemble zusammen.

Typische Barockelemente

Das gewaltige Treppenhaus des 1906 vollendeten Bangkhunprom-Palastes. Den Südflügel des Herrenhauses rundet ein Turm ab, während sämtliche nach Nordwesten zeigenden Wandelemente nach oben ein Bogen abschließt. Der sich über das gesamte Obergeschoß erstreckende Flur ist typisch für die Barockzeit. Die dekorativen Stuckmotive, die in den unterschiedlichen Räumen zu sehen sind, korrespondieren miteinander und heben besonders jene um die Fensterrahmen und Lichtöffnungen hervor. In den Innenräumen sind vor allem die getäfelten Türen und in deren Mitte die bildlichen Darstellungen auffallend, die über den Türen befindlichen Öffnungen, die mit Holz blind gemacht sind, die mit Goldfarbe versehenen, geschnitzten Holzdekorationen an den Decken, sowie der glänzende Einlegefußboden aus Teakholz.


Der größte Teil des ehemaligen parkähnlichen Geländes ist heute mit Verwaltungsgebäuden der Bank von Thailand zugebaut. Nach Süden hin wird es obendrein inzwischen begrenzt durch die moderne Konstruktion der „Rama 8 Bridge“. Prinz Boribhat bewohnte das Gebäude bis zu seiner Verbannung ins Exil 1932.

Ein Teil des Palastes, der heute im Besitz der Bank von Thailand ist, wurde 1993 von König Bhumibol Adulyadej und Königin Sirikit in einem feierlichen Akt als „Bank of Thailand Museum“ eingeweiht. Neben einer Präsentation der unterschiedlichsten thailändischen Banknoten sind aber auch einige der früheren Wohnbereiche des Prinzen für den Besucher zugänglich. Allerdings ist dies erst nach vorheriger Anmeldung möglich.

Von zwei freundlichen Damen werde ich zunächst durch das gewaltige Treppenhaus in den ersten Stock geführt und von dort in den „Blue Room“ und den sich daran anschließenden „Pink Room“, so genannt wegen seines rosafarbenen Anstrichs des von den Ausmaßen her eigentlich eher als Saal zu bezeichnenden Raumes. An der Wand prangt ein großes Gemälde, das Paribatra mit seinem Vater, König Chulalongkorn (Rama V.), zeigt, beide in der Uniform der siamesischen Armee. Weitere Porträts des Prinzen hängen an den Wänden oder stehen auf Staffeleien.

Weitere Räumlichkeiten stehen augenblicklich nicht für eine Besichtigung zur Verfügung.

Dazu gehört bedauerlicherweise auch der „Paribatra Room“, in welchem einer Broschüre zufolge ein lebensgroßes Standbild des Prinzen in der Uniform eines Flottillenadmirals der königlich, siamesischen Marine und auch ein Holzmodell seines späteren Exil-Anwesens in Bandung/ Java zu sehen sind.

Von Touristen kaum beachtet

Der „Pink Room“ zählt zu den prachtvollsten Räumlichkeiten des Bangkhunprom-Palastes. Fotos: lwb Erst langsam beginnt sich Thailand auch dieses Teils seiner Geschichte bewusst zu werden. Ausländische Besucher beschränken sich jedoch nach wie vor auf die hinlänglich bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Woher sollten sie auch von der Existenz dieses Herrenhauses und seines ehemaligen Besitzers wissen? Bedeutung und Biographie des Besitzers, der seine Ausbildung im Deutschen Kaiserreich gemacht hat, liegen noch weitgehend im Dunkeln und bedürfen intensiver historischer Recherchen.

Professor Dr. Ampha Otrakul, emeritierte Professorin für Germanistik an der Chulalongkorn Universität Bangkok, bemerkte dazu:

„In Thailand gab es lange Zeit keine Tradition. Niemand hat etwas aufgeschrieben. Echte Wissenschaft, wie Sie sie seit Jahrhunderten kennen, gab es hier nicht. Deshalb dürfen Sie nicht all zu viel erwarten. Thailand ist eine junge Nation, die erst im Entstehen begriffen ist und sich folglich auch erst nach und nach seiner Geschichte besinnt.“

Lothar W. Brenne-Wegener

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Weitere Infos:

Einzelheiten zur Biographie des Prinzen Paribatra Sukhumbandhu, Prinz von Nakorn Savarn (1881–1944), vor allem auch zu dessen Ausbildung in Deutschland von 1897 bis 1903, siehe: Lothar W. Brenne-Wegener: Ein Prinz lernt preußische Tugenden. Das preußisch-deutsche Vermächtnis in den königlich thailändischen Streitkräften. In: DER FARANG, Nr. 21/ 2009, S. 28-29.

Im Internet abrufbar unter: http://www.der-farang.com

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