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Letzte Aktualisierung: 30.06.2010
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Ein Nachruf auf das größte und eleganteste Einkaufszentrum in Bangkok

Der Shopping-Palast war sowohl für Einheimische als auch für Farangs ein ganz besonderer Anziehungspunkt. Wer in diesen Tagen auf die Website www.centralworld.co.th des einstmals nobelsten Einkaufszentrums der thailändischen Metropole Bangkok schaltete, der konnte dort folgende Botschaft nachlesen:

„Wir möchten all unseren Kunden, unseren Lieferanten, unseren Geschäftspartnern, unseren Mitarbeitern und unseren Freunden unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen, dass sie uns in dieser schwierigen Zeit ihre Sorge und Anteilnahme bekundet haben.“

Zugleich bedankte sich der Vorsitzende der Central Group of Companies, Sudhitham Chirathivat, bei allen an der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in der Stadt Beteiligten:

„Wir danken allen Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleuten, Beamten und jenen, die an dem Prozess der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in unserer Stadt beteiligt waren. Vor allem fühlen wir mit den Verletzten und denen, die den Verlust von Menschenleben zu beklagen haben.“

Nach wochenlanger Belagerung durch Regierungsgegner war der elegante Konsumtempel „CentralWorld“ im Herzen Bangkoks an der Straßenkreuzung Ratchaprasong am 20. Mai 2010 in Flammen aufgegangen. Unter dem Schutz von rund 900 Soldaten hatte die Feuerwehr keine Chance, die notwendigen Löscharbeiten durchzuführen, da die Behörden glaubten, durch das Abschalten von Wasser und Elektrizität das Lager der Red-Shirts auflösen zu können. Selbst der für entsprechende Koordinierungsmaßnahmen notwendige Funkverkehr konnte wegen Störungen nicht genutzt werden. Für die Demonstranten verkörperte das Geschäfts- und Bankenviertel der Hauptstadt, und hier besonders das CentralWorld mit seinen ebenso eleganten wie sündhaft teuren Luxusshops, den operativen Bereich des Kapitalismus.

Die Familie Chirathivat, zu deren Unternehmensgruppe das CentralWorld gehört, ist denn auch eine der vermögendsten und einflussreichsten Familien des Landes. Tiang Chirathivat, ein armer chinesischer Einwanderer aus Hainan, der 1927 nach Siam kam, begann 1947 mit einem allgemeinen Merchandise Store im Samphanthawong Viertel in Bangkoks Chinatown. Tiangs Sohn, Samrit Chirathivat, eröffnete im Jahr 1957 das erste Kaufhaus in Central Wangburapha, Phra Nakhon, Bangkok. 1980 wurde die Central Pattana Company (CPN) gegründet, die nur zwei Jahre später, 1982, ihr erstes Shopping-Center, das Central Plaza Lat Phrao im Bezirk Chatuchak, in Betrieb nahm. Heute ist CPN der führende Entwickler, Manager und Investor von Einzelhandels- und Gewerbeimmobilien in Thailand. Sein Volumen umfasst neben anderen Aktivitäten, wie z. B. die elf Centara Hotels and Resorts in Thailand, fünf Bürogebäude und Eigentumswohnungen mit einer Bruttogesamtfläche von mehr als 1.5 Mio. Quadratmetern, unter anderem auch 10 Premium-Einkaufszentren. Neben dem CentralWorld gehört auch das im Januar 2009 eröffnete CentralFestival in Pattaya dazu, laut Eigenwerbung „...Asiens erste und einzige Shopping Mall direkt am Strand“. Khun Kobchai Chirathivat, mit 54 Jahren heute Präsident und CEO des Betreiberkonzerns CPN, erhielt gerade am 11. Mai dieses Jahres aus den Händen des französischen Botschafters in Thailand, S.E. Gildas Le Lidec, die Insignien eines „Chevalier de la Légion d’Honneur“ (Ritters der Ehrenlegion), Frankreichs ranghöchste Auszeichnung.

Das CentralWorld Plaza hieß vor einigen Jahren noch "World Trade Center" und war eher eine Mittelklasse-Shopping-Mall. Drei Jahre lang hat die Central Group die Mall aufwendig renoviert, erweitert und ihr einen neuen Namen gegeben. Mit ihren annähernd 500 Shops, 90 Restaurants, zahlreichen ultramodernen Kinos und den beiden Kaufhäusern „Zen“ und „Isetan“ wurde sie 2006 wieder eröffnet und galt seither nicht nur als größte Shopping Mall Bangkoks, sondern ganz Südostasiens. Damit toppte es das Siam Paragon und das MBK, zwei weitere Konsumtempel der Extraklasse, in der Größe.
Khun Kobchai Chirathivat, Präsident der Central Pattana Public Co Ltd (CPN). Seit dem 20. Mai dieses Jahres liegt die Shopping Mall nun in Schutt und Asche. Die circa 5.000 Menschen, die einst hier im Dienstleistungsbereich ihr Geld verdienten, sind mit einem Schlag arbeitslos. Mit Wehmut denkt der Besucher an das berühmte Oktoberfest zurück, das in jedem Jahr im Oktober bis Dezember auf der riesigen Terrasse stattfand. Hunderte von Einheimischen und Farangs gleichermaßen verfolgten täglich auf dem riesigen LCD-Fernseher die TV-Programme und Sport-Liveübertragungen. Fürs erste ist es damit vorbei, auf der nun abgesperrten großen Terrasse zu sitzen und dort einen Augenblick lang innezuhalten, um den vorbeieilenden Menschen in ihrer Hektik und Betriebsamkeit zuzuschauen.

In seiner Internetbotschaft versprach Sudhitham Chirathivat, die Mall so schnell wie möglich wieder aufzubauen:

„Wir versprechen, dass wir nach besten Kräften hart arbeiten werden, um weiterhin für Sie da zu sein. Wir verpflichten uns, das CentralWorld wieder aufzubauen.“

Mit eindringlichen Worten richtete er vor allem aber auch einen Appell an alle Thailänder, dass augenblicklich am vordringlichsten sei, zu einer friedlichen und geeinten thailändischen Gesellschaft beizutragen.

Wer könnte sich diesem Wunsch verschließen!

Lothar W. Brenne-Wegener

 


 
 
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