Hämorrhoiden - Das Leiden unter der Gürtellinie
Aus Scham der Betroffenen zumeist als Tabuthema kategorisiert
Die Zahl derer, die von Hämorrhoidalleiden betroffen sind, ist deutlich größer als viele vielleicht ahnen würden. Beziffern lässt sich diese nur schwerlich, da ein Großteil der Betroffenen den Besuch beim Arzt meidet. Oft geschieht dies einzig aus Schamgefühl, denn über so „tiefliegende“ Probleme wird in der Regel nicht gesprochen. Dabei vermuten Ärzte, dass die Hälfte aller über 30-Jährigen unter den Aftervenenknoten, wie die Hämorrhoiden in der Fachsprache auch bezeichnet werden, leidet.
Doch warum sind Juckreiz, Brennen und Schmerzen am After immer noch ein Tabuthema? Genau genommen hat doch jeder Mensch Hämorrhoiden. Diesen kommt auch eine wichtige Funktion zu. Diese Schwellkörper sorgen als eine Art Feinverschluss gemeinsam mit dem Schließmuskel am Darmausgang für das kontrollierte Abführen des Stuhls. Dabei hängen rund 15 Prozent der menschlichen Kontinenz allein von diesen allgemein verkannten Aftervenenknoten ab.
Die Ursachen liegen oft im Lebensstil
Die Ursachen für Hämorrhoidalleiden sind vielseitig, und es gibt dabei unzählige Faktoren, die oft gemeinsam einher gehen und für einen Blutstau sowie der damit verbundenen krankhaften Vergrößerung der Hämorrhoiden sorgen. Falsche und zu ballaststoffarme Ernährung sowie Flüssigkeitsmangel zählen zu den wesentlichsten Indikatoren. „Du bist, was du isst“, könnte an dieser Stelle gesagt werden.
Auch der regelmäßigen Bewegung wird hier wieder ein hohes Gewicht beigemessen. Wer im Tagesverlauf weitestgehend im Sitzen tätig ist und auch nach Dienstschluss Bewegung meidet, leidet in der Regel schneller unter den unliebsamen „äußeren Hämorrhoiden“ als ein aktiver Mensch, der sich bewusst ernährt. Allerdings kann auch eine angeborene oder erworbene Bindegewebsschwäche die Entstehung begünstigen.
Nicht mit dem Toilettengang zögern
Mit den Symptomen und Folgen eines Hämorrhoidalleidens sieht auch der sich konfrontiert, der sich stetig zu kontrollieren versucht. Wird der natürliche Stuhlgang über einen längeren Zeitraum unterdrückt, so führt dies unweigerlich zu Verstopfungen. Diejenigen, welche glauben, sich auf ewig mit Abführmitteln behelfen zu können, werden schnell merken, dass der Körper sich zügig an die stuhltreibenden Medikamente gewöhnt und das gewünschte Resultat mit der Zeit ausbleibt.
Tritt nun aber ein Hämorrhoidalleiden auf, so gilt es, vier Grade bei der Schwere dieses Leidens zu unterscheiden. Die Hämorrhoiden ersten Grades sind äußerlich nicht zu erkennen oder zu ertasten, aber können im Analbereich Juckreiz, Schmerzen, Nässen und Nachschmieren verursachen. Da die Gefäßpolster vergrößert sind, kann eine Schwellung in der betreffenden Region im Analbereich spürbar sein. Werden die Aftervenenknoten bei dem Gang auf die Toilette mit herausgepresst, ziehen sich aber nach der Ausscheidung der Exkremente wieder allein zurück, so wird von Hämorrhoiden zweiten Grades gesprochen. Häufigste Symptome sind in diesem Falle starker Juckreiz, ein Brennen am After, Schleimabsonderungen sowie hellrotes Blut, welches dem Kot nachfolgt. Zur Behandlung genügen in diesem Falle die Einnahme von Medikamenten sowie eine sehr ballaststoffreiche Ernährung. Im Einzelfall kommt eine Legation, die Abbindung mit einem Gummiband, oder auch eine Selero-Therapie mit chemischen Injektionen als Behandlungsmethode in Frage.
Muss beim Zurückführen selbst nachgeholfen werden, da die Aftervenenknoten nicht mehr von allein zurückgehen, spricht die Medizin von Hämorrhoiden dritten Grades. Kann der Betroffene die vergrößerten Schwellkörper nicht einmal mehr per Hand zurückschieben, wird dies sogar im vierten Grad eingestuft.
Den Arztbesuch nicht umgehen
Sowohl das dritte als auch das vierte Stadium werden von starken Schmerzen und Brennen begleitet. Weiterhin kann es zu Entzündungen der Analschleimhaut kommen, was im schlimmsten Fall auch zu einem Analprolaps, dem Herausgleiten der Analschleimhaut vor den Schließmuskel, führen kann. Mit Hilfe einer konventionellen Operation kann dem Patienten durch eine Stapler-Hämorrhoidoplexie geholfen werden. Es ist jedoch ratsam, in diesen Stadien der Erkrankung die Meinungen mehrerer Ärzte zu Rate zu ziehen. Eine neue Methode zur Behandlung im fortgeschrittenen Stadium ist eine Verätzung. Bei allen Eingriffen muss mit einem zwei- bis dreitägigen Krankenhausaufenthalt gerechnet werden.
Im Volksmund hingegen zählen noch mehr Krankheitsbilder unter die Kategorie der Hämorrhoidalbeschwerden. In einer Vielzahl der Fälle kommt es zur Ausstülpung von Organen, meist des Enddarms, nach der Stuhlentleerung, der jedoch häufig wieder zurückgeführt werden kann. Das Zurückführen per Hand ist nötig, da der Schließmuskel die herausgetretenen Organe sonst einklemmt und so die Blutversorgung unterbindet.
Doch die Kategorie erfasst mehr
Weiterhin fallen unter die Kategorie der Hämorrhoidalleiden Ekzeme, ausgelöst durch Allergien oder Infekte, Schuppenflechte, Analfissuren oder Geschwülste, welche durch Thrombosen verursacht werden. Sie alle sorgen für Unwohlsein und oft auch für Scham. Da die Behandlung zumeist sehr spezifisch ist, sollte generell der Besuch beim Arzt ganz oben auf der Liste stehen, wenn das Leiden unter der Gürtellinie erst einmal begonnen hat. Personen über 40, die Blut im Stuhl mit abführen, wird empfohlen, umgehend einen Mediziner aufzusuchen, da die Blutungen auch von anderer Stelle, wie dem Dickdarm, ausgehen können.
Präventiv lassen sich eine ballaststoffreiche Ernährung, eine hohe Flüssigkeitsaufnahme, ausreichend Bewegung und eine gute Analhygiene empfehlen. Bei letzterem sollte vor allem darauf geachtet werden, zum Säubern lauwarmes Wasser und weiches Papier zu verwenden, bei Bedarf von Pflegeprodukten sollte auf möglichst schonende zurückgegriffen werden.
Unsere Gesundheitskolumne entsteht in Zusammenarbeit mit dem Bangkok Hospital Pattaya (BPH). Die Arbeit zu dem hier veröffentlichten Artikel wurde von dem Chirurgen Dr. Paiboon Benjarattanaporn betreut. |