Der Bankräuber aus Pattaya, dem das Geld ausging
Prozessauftakt: Kuhhandel wirkt strafmildernd für ehemaligen Barbesitzer
Er führte ein Leben in Saus und Braus. Doch arbeiten, das kam ihm nicht in den Sinn. Vor allem nicht im kalten Deutschland. Das hatte er schon lange satt. In Pattaya-City hingegen war der Kölner kein Unbekannter. In seinem Freundeskreis wurde er geschätzt und galt als äußerst beliebt. Schließlich lud er immer wieder Bekannte oder sogar Fremde zu einem feuchtfröhlichen Umtrunk ein, bezahlte alle Rechnungen für Speis und Trank und zog gerne um die Häuser. Ja, der Deutsche wusste, wie man Freundschaften pflegt.
In Pattaya kein Unbekannter
Wer den Mann mit den Spendierhosen kannte, begriff schnell: Der hat Geld. Seine bevorzugten Bierbars waren im VIP-Center an der Naklua Road. Hier, mitten im deutschen Viertel der Touristenmetropole, war der Lokalmatador bekannt wie ein bunter Hund.
Der Mann aus dem Rhein-Erft-Kreis wurde als Sohn eines Fremdenlegionärs geboren und lernte nach Beendigung der Hauptschule keinen Beruf. Ein Jahr arbeitete er beim Bundesgrenzschutz, brach aber ab und eröffnete erfolglos eine Kneipe, später schlug er sich als LKW-Fahrer über die Runden. Als seine Ehe in die Brüche ging, sein Sohn aus dem Gröbsten heraus war und seine Freundin ihn verließ, beschloss er, eine neue Zukunft im sonnigen Thailand zu beginnen. Denn schon lange hatte der 53-Jährige einen Traum: Er wollte in der Touristenmetropole, die weltweit für ihr laszives Nachtleben bekannt ist, eine eigene Bar eröffnen. Jedoch fehlte ihm dazu das nötige Startkapital. Das brachte ihn auf den Plan, eine Bank zu überfallen.
Im Januar 2005 überfiel er in Linnich, Kreis Düren, die lokale Raiffeisenbank. Mit der ergaunerten Beute verschwand der Bankräuber nach Thailand, besorgte sich eine neue Identität, ab jetzt hieß der kriminelle Deutsche „Kurt Flücht“, und eröffnete in Pattaya das „Dom Eck“ an der Naklua Road, die heutige „Garage“. Jedoch ging ihm schneller das Geld aus als gedacht. Er kehrte nach Deutschland zurück und plante seinen nächsten großen Coup. Erneut probierte er, die Raiffeisenbank in Linnich um Bares zu erleichtern, jedoch ohne Erfolg. Während der kürzlich stattgefundenen Verhandlung gegen den Bankräuber gab dieser an, dass er nach dem gescheiterten zweiten Banküberfall ohne Beute nach Thailand zurückkehrte. Zwar erscheint diese Aussage wenig logisch. Doch den Richtern fiel dieser Widerspruch während der Verhandlung nicht auf. Vielleicht wollte es ihnen aber auch gar nicht auffallen?
Bekannt ist, dass er erneut zuschlug. Diesmal in einer Volksbank-Filiale in Kerpen-Türnich. Er bedrohte die Bankangestellten mit einer Gaspistole, fesselte sie mit Kabelbindern und ließ sich den Tresorraum öffnen. Dabei ging das Schlitzohr äußerst dreist vor: Selbst als Kunden an die Scheibe klopften, zählte er erstmal seelenruhig die Kohle durch und entfernte noch in der Bank das Farbbündel, bevor er zurück nach Thailand flüchtete.
Insgesamt werden dem 53-Jährigen zwei ausgeführte sowie zwei versuchte Raubüberfälle zur Last gelegt. Immerhin: Vor einem halben Jahr waren es noch neun Überfälle. Grund: Die Staatsanwaltschaft hatte mit dem Verteidiger einen Kuhhandel geschlossen. Vier Überfälle wurden zugegeben, die Restlichen fielen weg. Da „Kurt Flücht“ geständig ist, wurden aus der ergaunerten Beute in Höhe von 450.000 Euro nur noch 120.000 Euro, die Strafe vergleichsweise gering.
Man kam ihm auf die Schliche, da er von einem pensionierten Kripobeamten in Pattaya bei der Immigration angezeigt wurde. Jedoch nahm das Bundeskriminalamt (BKA) in Bangkok den Vorfall nicht ganz ernst. Auch lag gegen „Kurt Flücht“ nichts vor. Erst später konnten die Ermittler aufgrund der Ein- und Ausreisen nach Deutschland einen Zusammenhang zu den verübten Banküberfällen herstellen. Die Falle schnappte zu, und er wurde in letzter Minute von der Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf verhaftet und sitzt seit Mitte Oktober letzten Jahres in Untersuchungshaft.
Persönliche Niederlage schmerzt sehr
Nach der Verhaftung musste er auch mehrere persönliche Niederlagen einstecken. Sein Sohn brach den Kontakt zu ihm gänzlich ab, Exfrau und –freundin besuchten ihn nicht im Knast. Bei der Verhandlung am 13. und 15. Juli vor der 13. Großen Strafkammer am Landgericht Köln wirkte die ehemalige Frohnatur traurig und völlig abgemagert. Doch er will wiederkommen. Denn seiner Aussage nach hat er etwa 15.000 Euro in Thailand auf die hohe Kante gelegt. Doch bevor er diese Reise antreten kann, muss er zunächst fünf Jahre und acht Monate im Knast absitzen, bevor er auf Bewährung entlassen werden kann (Quelle der Infos: Kölner Stadtanzeiger).
Björn Jahner
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