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Letzte Aktualisierung: 08.01.2011
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Mimmo von der Red Lips Bar ist tot

Der Schweizer Claudio Schibli eröffnete am 18. Dezember sein neues Restaurant

Mimmo in seinem Element: Bikerkumpels aus Singapur gab er auf einer Koh Samui-Rundfahrt das Geleit.

Akutes Herzversagen in seinem Wohnhaus / Ende eines kurvenreichen Lebens

Die meisten kannten ihn nur unter seinem Rufnamen: Mimmo. Der Besitzer der „Red Lips Bar“ in Lamai, italienischer Herkunft und in der Schweiz aufgewachsen, lebte und arbeitete seit acht Jahren in Koh Samui und betrieb mit seiner Ehefrau Luna eine gutgehende Nachtbar in der Soi Samui Moon. Die letzten Monate seines Daseins waren für Domenico Tarallo (46) kein paradiesisches Vergnügen mehr: viel Kampf und Krampf anstelle der erhofften Lebensfreude. Am Freitag, 10. Dezember, kam das jähe Ende. In seinem Miethaus bei Hua Thanon erlag er einem akuten Herzinfarkt. Seine Frau fand ihn um 14.30 Uhr tot in seinem Schlafzimmer auf.

Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile um die Insel und Stunden später über Internet auch in die Schweiz, nach Österreich und nach Deutschland. Das Gästebuch seiner Domain www.redlipsbar.com füllte sich seither mit Kondolenz-E-Mails. Stammgäste und Freunde vernahmen die Nachricht seines Todes mit großer Bestürzung.

Bei Bikern war er eine Institution

Unter den Barbesitzern in Lamai war Mimmo einer der Schillerndsten. Die einen mochten und verehrten ihn fast. Andere konnten sich weniger mit seiner manchmal aufbrausenden und direkten Art anfreunden. Gekannt hat ihn dennoch fast jeder. Viele große Partys in der Red Lips Bar Lamai bleiben unvergessen. Vor allem bei Motorradfahrern galt Mimmos und Lunas Bikerpub als erste Adresse. Als einer der wenigen in diesem hartumkämpften Milieu konnte sich der Italo-Schweizer behaupten.

Dieser Erfolg kam nicht ohne Nebenwirkungen. Wer in Thailand eine Bar betreibt, ignoriert wie bei einer Berufskrankheit die Risiken. Bei Mimmo war das nicht anders. Sein steter Kampf gegen das ungeregelte Leben zehrte an seiner Gesundheit und an der Substanz. Wochenlang saß der 46-Jährige standhaft vor seiner Soda und tankte Kraft für die nahende Hochsaison. Dann zog ihn der Alltag wieder wie in einen Sumpf hinein. Das Geschäft ging vor, und die Gesundheit wurde vertagt.

Als Mimmo vor acht Jahren von Zürich nach Koh Samui gezogen war, hatte er ein neues Leben beginnen wollen. Zunächst betrieb er eine kleine Bar an der Kreuzung der ersten Lamai-Zufahrt aus Richtung Chaweng. Vor fünf Jahren nutzte er mit seiner damals neuen Lebensgefährtin Luna die Chance und zog ins Zentrum von Lamai. In der Soi Samui Moon renovierten die beiden eine alte Karaoke-Bar und eröffneten das „Red Lips“. Neben dem „Samui Pub“ von Stefan Alder und Aen war Mimmo der einzige, der dort mittelfristig ein Stammpublikum aufbauen konnte.

Seine Spaghetti- und Grill-Abende machten über Jahre vielen Gästen Appetit auf mehr, gute Rock-Musik und Billard-Wettbewerbe rundeten das Programm ab. Und in den Saison-Monaten röhrten vor der Red Lips Bar die Motoren. Auf Samui ansässige Motorradfreunde und Bikerclubs auf der Durchreise kehrten gerne bei ihm ein und fanden sich in ihrer Welt wieder. Das war auch die Welt, die Mimmo liebte und die ihn stolz und glücklich machte. Er selbst war ein hervorragender Motorradfahrer und hatte sich im Juli seine erste eigene Harley Davidson zugelegt.

Red Lips Bar stand lange zum Verkauf

Wer ihn näher kannte, wusste um seine angeschlagene Gesundheit und auch die Absicht, die Red Lips Bar zu verkaufen. Seit einem Jahr stand der Bikertreff in der Soi Samui Moon im Internet zum Verkauf (www.samuinightlife.com/bar-for-sale01). Trotz mehrerer Interessenten kam das Geschäft nie zustande. Mimmo blieb, und damit auch sein Risiko. Den Sonnenaufgang erlebte er mit Stammgästen viele Male, ohne sein Bett gesehen zu haben. Er war der Kumpel, den die Biker schätzten, und selten ließ er einen alleine sitzen, der nicht nach Hause gehen wollte.

 


Domenico Mimmo Tarallo vor 15 Monaten: Seine Mutter Enza besuchte ihn und Ehefrau Luna (2. von links) in Lamai. Im Sommer gab sein Körper einen Warnschuss ab. Mimmo landete mit Brustschmerzen und Atemnot zunächst auf der Intensivstation des Bangkok-Samui Hospitals. Die Diagnose war ernüchternd und dramatisch: eine lebensbedrohliche Herzkranzverengung musste operativ behoben werden. Nach zähem Ringen um die Finanzierung konnte die Bypass-Operation in Bangkok realisiert werden. Mimmo schien über den Berg zu sein, und im September kam er mit frischem Elan auf die Insel zurück.

Bar-Routine behielt am Ende Oberhand

Die Besserung seines Gesundheitszustandes war jedoch trügerisch, und offensichtlich nahm der lebenslustige Mimmo seine Krankheit auch auf die leichte Schulter. Der Alltag und die Nacht hatten ihn bald wieder. Es war ein Teufelskreis. Die gefährliche Routine einer Barexistenz in Thailand behielt die Oberhand.

Dass der Tod ihn nun so jäh und unbarmherzig aus dem Leben riss, wie der Schnitt eines scharfen Skalpells, sorgte bei seinen Freunden und Bekannten für tiefe Betroffenheit. Im Tempel Wat Lamai wurde der 46-Jährige am Samstag, 18. Dezember, nach einer buddhistischen Trauerzeremonie eingeäschert. Viele seiner Bikerfreunde und Bekannten gaben ihm das letzte Geleit.

Ob seine Witwe Luna die Kraft besitzt, die Red Lips Bar mittelfristig alleine weiterzuführen, das stand dabei noch in den Sternen. Kaufinteressenten können sich über das Internet informieren.

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