Das Schweizer Uhrwerk tickt präzise
Ein Besuch in der frisch renovierten Schweizer Botschaft
Wohl kaum ein Schweizer Resident oder Langzeiturlauber hat seine Dienste noch nicht in Anspruch genommen: Das Konsulat der Schweizerischen Botschaft in Bangkok. Seit wenigen Monaten sind die Renovierungsarbeiten am denkmalgeschützten Gebäude bis auf wenige Kleinarbeiten abgeschlossen, und die Auslandsvertretung der Eidgenossenschaft erstrahlt im neuen Glanz. DER FARANG ermöglicht der Leserschaft einen exklusiven Einblick in das neue Konsulat, traf sich mit dem Schweizer Konsul Bernhard Bienz und befragte ihn über die neue Einrichtung.
Bereits beim Betreten des lichtdurchfluteten Eingangsbereiches der Schweizer Auslandsvertretung in der North Wireless Road, im Herzen der geschäftigen Hauptstadt, fällt den Besuchern die neue Ordnung und Klarheit auf, die die mehrmonatigen Renovierungsarbeiten mit sich brachten. „Wir haben die Räumlichkeiten der Visasektion komplett neu gebaut“, begrüßt der Schweizer Konsul Bernhard Bienz den Besuch aus Pattaya-City. Er fährt fort, „dass unter anderem ein zusätzlicher Schalter angefügt wurde, um während der Visa-Hochsaison vom Februar bis April mehr Aufträge bewältigen zu können. Ferner haben wir einige Büros komplett neu konzipiert, andere werden in den nächsten Monaten renoviert“. Auch der parkähnliche Garten wurde während der Bauarbeiten auf Vordermann gebracht. „Schließlich sollen sich unsere Kunden von Anfang an wohlfühlen.“
Damit lange Wartezeiten vermieden werden, erhalten Visa-Kunden und Konsulatsbesucher durch zwei voneinander getrennte Eingänge Einlass zur Botschaft. Während die Visakunden über ein Callcenter einen Schaltertermin zugewiesen bekommen, lösen die Kunden fürs Konsulat ein Ticket an einem Automaten im Vorraum der Botschaft, das ihnen den Zeitpunkt und den Schalter zum Vorsprechen ihres Anliegens benennt.
Für private Angelegenheiten wurden spezielle gläserne Kabinen an den Schaltern errichtet, sogenannte Diskretionskabinen, die die nötige Privatsphäre gewährleisten und in diesem Sinne ein Höchstmaß an Kundenfreundlichkeit bieten.
Effizientes Arbeiten dank Renovierung
Doch nicht nur seitens der Kundschaft gibt es nach Beendigung des Umbaus und der Beseitigung des ehemals unschönen und unpraktischen Schalters nun keinerlei Beanstandungen mehr: „Vor allem unsere Mitarbeiter sind sehr froh darüber, dass sie endlich in modernen Räumlichkeiten mit ausreichenden Ablagemöglichkeiten arbeiten dürfen, was natürlich das Arbeitsklima und darüber hinaus die gesamte Qualität des Arbeitsplatzes enorm erhöht“, so der Konsul. Seinen Schätzungen zufolge beanspruchen täglich etwa 100 Kunden die Dienste des Konsulates, sowohl direkt am Schalter als auch per Telefon, E-Mail oder per Briefverkehr. „Während der Hochsaison können es sogar bis zu 300 Kunden pro Tag sein. Pro Jahr beanspruchen somit etwa 30.000 Personen unsere Hilfe“.
Insgesamt arbeiten in der Schweizer Botschaft in Bangkok 17 versetzbare und 28 lokale Mitarbeiter. „Wir verfügen über eine diplomatische und eine konsularische Abteilung in der Botschaft“, erklärt Bienz. Der diplomatische Teil beinhaltet die Aufgabengebiete Politik, Wirtschaft, Kultur, Erziehung, Menschenrechte, Presse und Entwicklungsfragen. Im konsularischen Teil hingegen wird zwischen der Kanzlei mit den konsularischen Aufgabengebieten sowie der Visasektion unterschieden. Doch was versteht man eigentlich unter konsularischen Tätigkeiten? „Darunter fallen hauptsächlich Aufgaben des Immatrikulations-, Pass- und Personalwesens, Fragen des Nachlasses sowie Hinterlagen, Zivilstandsangelegenheiten, Beglaubigungen, Bestätigungen und Sozialversicherungsfragen“, erklärt der Konsul dem Autor dieser Zeilen.
Zunahme der Schweizer Kolonie
Der Konsul kann nur schätzen, wie viele Landsleute sich tatsächlich im Königreich aufhalten: „Etwa 6.500 Schweizer/innen sind bei der Botschaft registriert. Wir schätzen jedoch, dass nochmals die gleiche Anzahl hier lebt, jedoch nicht gemeldet ist“, informiert der Konsul und führt fort: „Laut Immigrationsbehörde besuchen pro Monat rund 12.000 Schweizer/innen das Land des Lächelns“. Vor allem in den letzten zwei Jahren hat die Schweizer Kolonie einen starken Wachstumsschub erfahren: „Alleine 2009 verzeichneten wir einen Zuwachs von 1.500 Residenten, die sich in Thailand dauerhaft niedergelassen haben. Wir gehen davon aus, dass sich diese Zahl auch in den nächsten Jahren nochmals deutlich steigern wird“, so Bienz. Nach Informationen des Konsulats leben die meisten Schweizer Residenten/innen in den Regionen Bangkok, Pattaya, Chiang Mai, Hua Hin und Phuket.
Den Journalisten interessiert, was die häufigsten Anliegen der Kunden darstellen. „Meist sind es einfache Routineanliegen, die im üblichen Rahmen unserer konsularischen Tätigkeiten bearbeitet werden. Hinzu kommen jedoch auch zahlreiche komplexe und arbeitsintensive Aufgaben wie Unfälle, Todesfälle oder Haftfälle“, informiert der Konsul. Eher selten erfolgen auch mal unangenehme Erfahrungen mit den Kunden. Doch Bienz möchte das nicht überbewerten: „Wie auch in der Schweiz trifft man auch hier auf Problemfälle, das ist völlig normal“. In diesem Zusammenhang möchte er an die Leserschaft appellieren, „dass man von uns nicht mehr erwarten darf, als in der Heimat die Behörden erfüllen können“.
Kein Schlupfloch für Verbrecher
Auch das Argument, dass Thailand ein Schlupfloch für Schweizer Verbrecher darstelle, möchte der Konsul entkräften: „Aufgrund der weltweiten Vernetzung der Strafverfolgungsbehörden ist es heutzutage viel schwieriger geworden, sich ins Ausland abzusetzen“. Doch wie werden in der Heimat straffällig gewordene Verbrecher im Königreich aufgespürt? „Je nach Strafmaß werden gesuchte Personen mittels Interpol ausgeschrieben. Da auch Verbrecher für den Aufenthalt in Thailand gültige Reisedokumente benötigen, stoßen wir schlussendlich in der Auslandsvertretung auf die gesuchten Personen.“ Er fügt hinzu, „dass häufig von den Schweizer Behörden gesuchte Verbrecher auch in Thailand nicht selten in kriminelle Aktivitäten verwickelt sind und früher oder später von den hiesigen Behörden verhaftet werden. Die meisten Delikte stellen Drogen- und Betrugsfälle und leider auch Pädophilie dar“. DER FARANG möchte wissen, ob für das Aufspüren Schweizer Krimineller ein verdeckter Ermittler im Königreich stationiert sei? „Nein. Ermittlungsaufgaben unterliegen den thailändischen Behörden. Wir verfügen jedoch über eine Verbindungsperson der Bundespolizei, welche den Kontakt zwischen den hiesigen und Schweizer Polizeibehörden gewährleistet“.
Viele Leser fragen sich, wie sie das Antrags-Prozedere des Visums für ihre Herzallerliebste für einen romantischen Heimaturlaub absolvieren können. Auch hier möchte Bienz Vorurteile entschärfen: „Für die verheiratete Thai-Partnerin von EU/ EWR-Bürgern oder von Schweizer Staatsbürgern besteht im Visumsbereich ein vereinfachtes Vorgehen. „2010 wurden zum Beispiel 15.000 Visaanträge bei der Schweizer Botschaft gestellt, rund 14.000 Anträge wurden bewilligt. 2011 stieg die Anzahl der Anträge im Vergleich zum Vorjahr sogar um 28 Prozent“, informiert der Konsul.
„Grundsätzlich müssen die Bedingungen – je nach Reisegrund unterschiedlich – erfüllt sein sowie zahlreiche Kriterien, die zum einen in der Einhaltung der migrationspolitischen Vorschriften aus Bern sowie in Schutzbestimmungen für Thailänder/innen begründet sind“, erklärt Bienz und fügt hinzu, „dass zwischen zwei verschiedenen Besuchsgründen unterschieden wird: Ein Visum zwecks einer Eheschließung in der Schweiz muss im Voraus den Behörden in der Heimat zum Entscheid unterbreitet werden. In der Regel dauert dieses Prozedere vier bis sechs Wochen. Ein Besuchervisum hingegen kann direkt bei uns in der Botschaft in Bangkok beantragt werden“.
Auch wenn sich die Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes alles andere als einfach gestaltete, steht ohne Zweifel fest, dass sowohl Visa- als auch Kunden konsularischer Belange sich stets auf ihre Auslandsvertretung in der quirligen Millionenmetropole verlassen können: Denn auch im tropischen Königreich tickt das Schweizer Uhrwerk präzise!
Björn Jahner
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Hilfe im Notfall
Zwar steht die Schweizer Auslandsvertretung den Landsleuten mit Rat und Tat zur Seite. Doch bei privatrechtlichen Angelegenheiten kann sie keinerlei Hilfeleistung erbringen, da diese Aufgaben den hiesigen Rechtsvertretern unterliegen. Personen, die professionelle Unterstützung benötigen, wird daher empfohlen, die Beratungsangebote von Hilfsgesellschaften, zum Beispiel Swiss Support Swiss, aufzusuchen.
Infos und Kontakt: Notfall-Hotline, Tel.: 085-847.6176. www.sss-thailand.com.
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Schweizerische Botschaft
35 North Wireless Road
Bangkok 10330, Thailand
Tel.: 02-674.6900
Fax: 02-674-6901
02-674.6903 (Visa)
Montags bis freitags
09.00 bis 11.30 Uhr
www.eda.admin.ch/bangkok
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