Wellenbrecher sollen den Strand retten
Teure Landaufschüttung reicht nicht: Die See trägt den Sand wieder ab
Die vor wenigen Monaten von in- und ausländischen Medien als Sensation verbreitete Nachricht, nach der Pattaya ohne nachhaltige Sofortmaßnahmen in fünf Jahren keinen Strand mehr hätte, war alles andere als sensationell. Das Problem Erosion ist seit Jahrzehnten bekannt. Schadensbegrenzung stand immer wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates, Kommunalpolitiker bewilligten Millionen zur Erhaltung bzw. Verbreiterung der Sandflächen.
Deshalb hat die von Pattaya bei der Universität Chulalongkorn in Auftrag gegebene Studie weder Stadtväter noch Verwaltungsbeamte in Panik versetzt. Nach Einschätzung der Wissenschaftler hat die Erosion am Strand von Pattaya einen kritischen Punkt erreicht. Von 1952 bis 2002 ist die Sandfläche zwischen dem Dusit Thani Resort und dem Hafen Bali Hai von einst 96.000 Quadratmetern auf 50.500 und der Abstand zum Meer von 36 Metern auf 18 geschrumpft. Heute sollen es nur noch maximal 5 Meter sein.
Experten der Uni haben vorgeschlagen, mit 200.000 Kubikmetern Sand den Strand auf einer Länge von 4,48 Kilometern auf 30 Meter Breite zu erweitern. Die Wissenschaftler verschweigen nicht die immensen Kosten in Höhe von 600 Millionen Baht, und dass die Landaufschüttung ständig wiederholt werden muss.
In Pattaya ist der schrumpfende Strand nicht nur hausgemacht. Umweltsünden, Bebauung, in die See abgeleitete Abwässer und sintflutartiger Regen, der, weil die Kanalisation die Wassermassen nicht aufnehmen kann, über die Strandpromenade fließt und dabei ungehindert große Sandmengen ins Meer spült, sind nur einige der vielen Ursachen für das ökologische Problem.
Hinzu kommen Klimawandel, starke Winde wehen Sand fort, Gezeitenströme und Brandung. Mit der Erwärmung der Atmosphäre steigt die Temperatur in der oberen Wasserschicht der Ozeane, deren Volumen sich vergrößert und zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt.
Wissenschaftler sagen für das 21. Jahrhundert – je nach Klimamodell – einen weiteren Anstieg um 9 bis 59 Zentimeter voraus. Sind Strände den erosiven Kräften schutzlos ausgeliefert? Beileibe nicht! Inzwischen haben Politiker und Behörden gelernt, dass eine teure Landaufschüttung allein nicht reicht, weil das Meer den neuen Sand gleich wieder abträgt. Auch synthetisches Material bestand den Test nicht. Zehn Meter lange Matten wurden auf den Strand in Pattaya gelegt und mit Sand zugeschüttet. Das Meerwasser, so die Hoffnung, sollte nur den aufgeschütteten Sand mitnehmen.
Die Stadt hat das Gutachten der Chulalongkorn-Experten erst einmal ins Archiv verbannt. Pattaya sucht nach endgültigen und umweltverträglichen Verfahren und erwartet weitere Studien zu Molen (siehe Bericht: Mit Molen gegen die Erosion), Buhnen und Seewällen als Wellenbrecher. Ein Damm ab Bali Hai bis weit in die Bucht von Pattaya oder eine Reihe von Buhnen bzw. Molen würden verhindern, dass eine von den Nordsee-Halligen bekannte Redewendung für Pattaya nicht mehr gilt: Das Meer holt sich sowieso, was es will!
Noch sind es nur Gedankenspiele. Langfristige Lösungen erfordern enorme Geldmittel und moderne Techniken. Fest steht indessen: Pattaya ohne Strand – das wollen sich weder Thais noch ausländische Touristen vorstellen. Sollte der Strand verschwinden oder noch schmaler werden, würde das verheerende Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft der Region haben.
• • •
Das Meer frisst das Festland
Küstenschutz hat in Zeiten des Klimawandels oberste Priorität. Im Golf von Thailand zwischen Trat im Osten und Narathiwat im Süden, ebenso an der Küste der Andamanen-See frisst das Meer immer mehr vom Festland. Jährlich nimmt die See der Küste zwischen 15 und in der Spitze 65 Meter ab. Schwankungen des Meeresspiegels werden künftig drastische Auswirkungen für Thailands Küstenregionen haben. Klippen und Strände sind einer stärkeren Erosion ausgesetzt.
• • •
|