„Liebe Urlauber, bitte kommen Sie zurück“
Koh Samuis Bürgermeister Jaikwang: Unbeschwerte Ferienfreude auf unserer Insel
Dr. Armin Knors aus Krefeld ist ein eingefleischter Koh Samui-Fan und besucht seine Lieblingsinsel seit 13 Jahren regelmäßig, manchmal sogar zweimal im Jahr. Als er am 1. April Fernsehbilder sah, die Marinezerstörer beim Evakuieren von Urlaubsgästen auf Koh Tao zeigten, mussten er und seine Frau Gabi schon schlucken. „Auweia, dachten wir, was wird aus unserem Jahresurlaub Mitte April 2011?“ – Ein Anruf bei einem Freund auf Koh Samui überzeugte sie dann doch. Seit 16. April genießen sie ihren Aufenthalt bei sonnigem Wetter in Chawengs Luxushotel ‚Imperial‘. Von den Zerstörungen durch die Fluten vom 29. und 30. März bekommen sie ebenso wenig mit wie die anderen Gäste.
Viele Unternehmer in den Katastrophengebieten Südthailands sind nicht gut auf die Medien zu sprechen. Die Bilder der Überschwemmungen gingen um die Welt. Sie zeigten die verheerenden Folgen der Naturgewalt. Sie jagten aber – und das hängt einer ganzen Region bis heute nach – vielen Menschen Angst und Schrecken ein. Sind Koh Samui, Phangan und Koh Tao überhaupt noch sichere Reiseziele? Wie stellt sich die Situation vor Ort dar, fahren wir womöglich in eine Ruinenlandschaft?
Medien schürten die Angst mit
Touristen, die während des Unwetters auf der Insel weilten und später auch die Aufräumarbeiten beobachteten, weisen auf die riesige Diskrepanz zwischen Medienberichten und der Realität hin. „Nur wenige Tage nach der Überschwemmung konnte ich schon wieder normal am Strand schwimmen gehen“, sagt Daniel Haab (46) aus Zürich. „Es war unglaublich, mit welcher stoischen Ruhe und mit welchem Fleiß die Menschen hier anpackten und aufräumten“, zollt Haab allen großen Respekt.
Nicht ein zweites Mal abstrafen…
In vielen Internetforen schreiben sich dennoch weltweit die Thailandtouristen die Finger wund. Aus einigen Beiträgen sprechen Angst und Unbehagen. Selbst die Nuklearkatastrophe von Japan wurde plötzlich ‚samuiisiert‘. Von Strömungen war die Rede, die strahlenverseuchtes Meerwasser bis nach Thailand schwemmen könnten. Ein Unfug, versichern Umweltexperten. Der Unglücksreaktor von Fukoshima stehe 5.221 Kilometer nordöstlich von Koh Samui. Die Menschen hier seien nicht mehr oder weniger gefährdet als in Australien, an der amerikanischen Westküste und in Indien.
Welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Fluten des März 2011 für eine ganze Region hatten, zeigt sich mittlerweile deutlich. Alleine die Schäden an der Infrastruktur und durch Ernteausfälle gehen in die Milliarden Baht (1 Euro = 42 Baht / die Redaktion). Sollten die Urlauber nun auch noch ausbleiben, werde die tapfere Bevölkerung Südthailands ein weiteres Mal abgestraft, warnt Koh Samuis Bürgermeister Ramnate Jaikwang.
„Kommen Sie auf unsere Insel, lassen Sie uns bitte nicht im Stich!“ Fast verzweifelt appelliert Jaikwang an die Feriengäste, sich selbst davon zu überzeugen, wie schnell wieder Normalität eingekehrt sei. „Für uns geht es schon lange nicht mehr um die Bewältigung einer einmaligen Naturkatastrophe“, sagt der Bürgermeister. „Hier kämpfen viele um ihre Existenz, weil selbst große Reiseveranstalter wie TUI oder Meiers Weltreisen kurzfristig unser Ferienparadies aus dem Programm genommen hatten.“
Im April und Mai kamen die ersten neuen Gäste zurück. Sie konnten sich über eiligst ausgelobte Sonderpreise freuen und über menschenleere Strände. Auch wenn das Ostergeschäft für eine mittelfristige Belebung sorgte, der Weg bis zur nächsten Hochsaison im Winter 2011/2012 wird für viele Unternehmer lang und steinig. Die Einnahmen bleiben aus und die Kosten nicht. Manche werden wohl auf der Strecke bleiben.
Asiens Optimisten sind keine Jammerer
„Wir werden das schaffen, wir nutzen die Zeit, um aufzuräumen und wichtige Projekte fortzuführen“, verspricht Koh Samuis oberster Politiker und Verwaltungschef. Ramnate Jaikwang: „Wir haben den Aufstand der Rothemden kompensiert, den Vulkanausbruch auf Island, den schweren Monsun im November 2010, wir werden uns auch dieses Mal aufrappeln.“
Dr. Armin Knors versteht solche Appelle gut und weiß, dass dahinter nicht Mutmacherei steckt sondern asiatische Hartnäckigkeit. Knors war zehn Jahre für den Weltkonzern Bayer in Shanghai tätig und leitete dort als Chef das Asiengeschäft für den Bereich Technischer Service. „Dieser asiatische Optimismus lässt sich durch nichts bremsen“, spricht Knors aus vieljähriger Erfahrung. Während in abendländischen Kulturen schnell der Kopf in den Sand gesteckt werde, sei hier eine permanente Aufbruchsstimmung spürbar.
Dass gerade das den Charme der thailändischen Kultur ausmacht, neben wunderschönen Sandstränden, der schmackhaften Thaiküche, der umwerfenden Freundlichkeit der Menschen – das überzeugt Dr. Armin Knors und seine Familie jedes Mal neu: „Ist das nicht auch ein Grund, weshalb wir so gerne hierher kommen?“
Sam Gruber
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