Bangkok Cable Ways – Oder: das künstlerisch Interessante hinter dem Banalen
Das Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster/ NRW zeigt Fotografien von Thomas Kalak
Oft ist es die ungewöhnliche Perspektive, ein raffinierter Bildausschnitt oder ein besonderer Lichteinfall, durch den das Alltägliche, sozusagen das Gewöhnliche, einen Wert an sich erlangt und dieserart zum Ausstellungsobjekt aufsteigt und es schließlich sogar in ein renommiertes Museum schafft! Dies trifft insbesondere zu für eine Fotoausstellung, die augenblicklich im „Kunstmuseum Pablo Picasso“ in der kleinen nordrhein-westfälischen Provinzstadt Münster gezeigt wird.
Sie werden sich sicherlich fragen „...und warum berichtet ausgerechnet der in Thailand erscheinende FARANG über eine Ausstellung von Banalitäten, die obendrein noch in Deutschland stattfindet?“
Nun, ich sage es Ihnen, und der Titel weist vielleicht schon auf das in diesem Fall „Alltägliche“, eigentlich „Gewöhnliche“ hin, denn er lautet „Bangkok Cable Ways“ und zeigt ausschließlich Fotos der elektrischen Oberleitungen entlang der Straßen in der thailändischen Hauptstadt.
Das Banale sichtbar gemacht
Professionell in Szene gesetzt, ist man bei näherer und vor allem auch bewußter Betrachtung aber gar nicht mehr so überzeugt, dass es sich tatsächlich nur um „Alltägliches“ oder „Gewöhnliches“ handelt, denn die fast graphisch wirkenden Fotos bilden ein Stück „Lebensader“ Bangkoks ab, ohne die in der Millionenmetropole nichts funktioniert! Was hier so banal herumhängt, zu undurchsichtigen Knäueln aufgeschossen ist, oder lediglich in luftiger Höhe als Kabelrolle an den Strommasten baumelt, ist überlebenswichtig! Gemacht hat diese Fotos Thomas Kalak, der dem aufmerksamen FARANG-Leser vielleicht noch als Autor des Buches „Thailand – Same same, but different!“ in Erinnerung ist, ein Buch, das die begnadete Kunst der Thailänder zur Improvisation - ebenfalls in Bildern - befeiert.
„Je weiter ich herumkomme, desto mehr werde ich zum globalen Beobachter mit dem Blick für Kurioses und Skurriles“ hat Thomas Kalak einmal gesagt. Und in der Tat, kurios sehen sie aus, und auch irgendwie skurril, seine Fotos. Aber wer – wie der Unterzeichner – einmal in Bangkok selbst erlebt hat, wenn diese ineinandergewurschtelten und verflochtenen Kabel einfach nicht mehr nur so herumhängen, sondern mit einem Kanonendonner gleichenden Knall plötzlich ihr bisher unsichtbares Innenleben durch massenhaften Funkenflug und Lichtblitze preisgeben, der nähert sich den Oberleitungsmasten doch mit vorsichtigem Respekt.
Bangkoks Kabelgewirr als Kunstobjekt
Welcher Thailand-Besucher kennt es nicht, dieses chaotische Kabelgewirr, das sich überall im Land von einem Mast zum nächsten hangelt! Welcher Hobbyfotograf hat nicht sogar eigene Bilder davon im Bestand, muten sie im Zeitalter von HighTech doch veraltet und rückständig an. Erst recht in einer Metropole wie Bangkok! Thomas Kalak hat jetzt ein weiteres Adjektiv hinzugefügt: museal!
Thomas Kalak war in den achtziger Jahren eine Ikone in der Skaterszene im westfälischen Münster, bevor er sich der Fotografie widmete. Heute lebt er in München, arbeitet an Buch- und Ausstellungsprojekten und ist dazu in der ganzen Welt unterwegs.
Lothar W. Brenne-Wegener
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Thomas Kalak:
„Bangkok Cable Ways“
Museum Pablo Picasso
Münster
Bis 3. Juli 2011
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