Ein Abend bei Chris und Pah in Loei
Impressionen von einer Reise abseits der Touristenpfade
Im Loose-Reisehandbuch steht unter Restaurants in Loei „Ban Thai“, das populärste Ausländer-Restaurant der Stadt“. Naja, als wir am frühen Abend eintrafen, waren wir zu dritt die einzigen Ausländer. Um die Wahrheit zu sagen, Klaus, Hans-Werner und ich waren die einzigen Gäste. Okay, low Season, dachten wir. Pah, die thailändische Frau des Inhabers, begrüßte uns auf Deutsch. Später kam auch ihr Mann zu uns, Chris, der an der Mosel groß geworden war und dort den Beruf eines Kochs gelernt hatte.
Wir schauten uns erst einmal in diesem Laden um. Das Ambiente war gemütlich, Bilder, Girlanden, Blumen und Pflanzen, gedämpftes Licht. Damit könnte ja ein schöner Abend beginnen, aber die entscheidenden Fragen standen ja noch bevor: Wie ist das Essen? Was gibt es zu trinken? Antwort: Eine üppige Speisekarte, darunter deutsche Spezialitäten, eine spezielle Pizza-Karte, eine reichliche Getränkeauswahl mit vielen Biersorten, darunter auch deutschen, und Wein aus aller Welt. Und das alles zu erstaunlich günstigen Preisen. Was soll ich noch sagen? Wir begannen, uns wohlzufühlen.
Mit den Gästen kommt Chris gut zurecht
Der Chef kam an unseren Tisch, um uns zu begrüßen. Er betreibt dieses Restaurant schon seit sechs Jahren, zusammen mit seiner Frau Pah. Dieses Restaurant ist ein Renner in Loei. Wo Preis und Qualität zusammen kommen, muß man sich über die Gäste offensichtlich keine Sorgen machen.
Neben uns saß, allein an einem Tisch, eine Frau, eine Thai, die, als sie hörte, dass wir deutsch miteinander sprachen, uns zurief: „Hallo, ich habe drei Monate lang in Ludwigshafen gelebt.
Meine Schwester lebt dort immer noch. Ihr Mann ist dort Lehrer, und jeden Monat schicken sie Geld für die Familie.“
Der Typ, der gerade das Restaurant betritt, macht den Eindruck, als ob er ein wenig „neben der Kapp“ ist. Er bestellt ein Flasche Bier, gießt sein Glas voll, trinkt es in wenigen Schlucken aus und verlangt die Rechnung. Aber da beginnt der Streit. Er will nur ein kleines Bier bezahlen, hat aber eine große Flasche Bier vor sich stehen, wenn auch noch halb voll. Er wird auf unangenehme Weise laut. Chris mischt sich ein, lächelnd, er sagt: „Sie zahlen nur ein kleines Bier, kein Problem.“ Den Rest trinkt er selbst. Er hat gelernt, mit Thais wie mit Farangs zurechtzu- kommen. Dann kommen zwei Dänen herein, sie sagen, sie hätten kein Geld. Chris empfiehlt ihnen einen Shop in der Nähe, wo sie für wenig Geld satt werden können.
Da drüben am Tisch sitzt ein Typ ganz allein, schaut stur vor sich her und bestellt dann ein Glas Rotwein. „Der kommt jeden Abend“, sagt Chris, „ein Holländer. Früher habe ich mal versucht, mit ihm zu reden. Seine Antwort war kurz und eindeutig: Hau ab! Seitdem rede ich nicht mehr mit ihm.“
So langsam hat der Laden sich gefüllt. Die einzige Bedienung versucht vergeblich, gegen den Ansturm anzukämpfen. Pah und Chris müssen einspringen. „Seit drei Monaten suche ich vergeblich nach einer Bedienung.“ Ich wende ein: „Vielleicht zahlst du zu wenig.“ Aber das weist Chris weit von sich: „Viertausend Baht im Monat, sieben Tage Dienst pro Woche, täglich von 10 bis 22 Uhr, zwischendurch, nachmittags, Ruhepausen, und jedes Jahr 10 Tage Urlaub. Was wollen die denn noch mehr?“
Spätestens um 20 Uhr ist der Laden voll
Naja, ich versuche, ihm vorzurechnen, wie man mit einhundertdreiunddreißig Baht überleben, beziehungsweise nicht überleben kann, aber Chris entgegnet, nicht ganz zu Unrecht, dass die Preise in Loei weit unter dem Landesdurchschnitt liegen. „Außerdem bekommen sie ja auch noch Trinkgeld und ein kostenloses Abendessen.“
Täglich kommen Backpacker aus aller Welt hierher, angelockt durch die Hinweise im Reiseführer, aber eigentlich ist es ihnen in diesem Restaurant zu teuer. Auf der Straße kostet ein Abendessen nur 20, maximal 30 Baht. Während wir noch mit Pah und Chris reden, ist auch der letzte Tisch besetzt, neu ankommende Gäste müssen wieder gehen, weil es keinen Platz mehr gibt. Fast alle sind Thais. „Ja,“ sagt Chris, „sie mögen unsere deutsche Küche.“ Wir übrigens auch. Als wir Chris erzählen, wo wir hier untergekommen sind, immerhin in einem Vier-Sterne-Hotel für 420 Baht, meint er nur: „Gleich hier um die Ecke hättet ihr das Gleiche zum halben Preis haben können“. Wir können es kaum glauben, aber es stimmt:
Loei ist nicht Pattaya. Hier ist alles gemächlicher und ruhiger, hier gibt es auch nichts zu bestaunen oder zu besichtigen. Um 22 Uhr ist das Lokal plötzlich leer. Die Bürgersteige werden hochgeklappt. Der Tag in Loei geht schlafen.
Chris und Pah haben jetzt Zeit und setzen sich zu uns. Aber eigentlich sind sie neugierig, wollen wissen, wie wir in Pattaya leben, wie es in Deutschland aussieht, was wir auf unserer Reise bisher erlebt haben. Verständlich, denn hier leben sie wirklich wie am Ende der Welt.
Gleichwohl: Wir haben ausgezeichnet gegessen, wir haben einen guten Wein getrunken und einen wunderbaren Abend erlebt, und als wir den „FARANG“ hervorzogen, wurde er uns aus den Händen gerissen.
„Hier leben ja nur zwölf Deutsche, aber wenn ihr mir regelmäßig den Farang schickt, dann könnt ihr davon ausgehen, dass sie alle hierher kommen, um ihn zu lesen.“
Okay, dem lieben Chris kann geholfen werden mit einem preiswerten Abonnement beim Medienhaus in Pattaya zum Jahrespreis von nur 1.300 Baht.
(C.F.)
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