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Letzte Aktualisierung: 08.10.2011
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Hochwasser nicht nur eine Laune der Natur

Verheerende Überschwemmungen nehmen zu / Landesweit bereits über 200 Tote

Kinder nutzen eine überflutete Straße als Swimmingpool. Sie haben Spaß. Erwachsene wohl weniger. Die von Jahr zu Jahr zunehmenden Überschwemmungen in Pattaya sind nicht allein den Naturgewalten geschuldet. Auch nicht nur, wie die Stadt und die Bezirksverwaltung Banglamung es wahrnehmen, den Anliegern der Klongs, die illegal Brücken errichtet, Böschungen bebaut und in den Kanälen ihren Müll entsorgt haben, so dass das Regenwasser nicht zügig abfließen kann. Bei den Ursachen für Hochwasser liegt wohl eher der Präsident der Pattaya Business and Tourismus Association richtig. Auf einer Zusammenkunft der Vereinigung kritisierte Wiwat Pattanasin die unzureichende und auch mangelhaft gewartete Infrastruktur Pattayas.

Dazu zählen die Klongs. Bereits 2009 hatte die Stadtverwaltung nach Überschwemmungen angekündigt, illegale Konstruktionen entlang der Kanäle niederzureißen. Getan wurde seitdem nichts. Als Folge konnten die Klongs bei dem stundenlangen und heftigen Monsunregen am 11. September die Wassermassen nicht aufnehmen. Sie flossen verzögert ab. Zur Mittagszeit stand die Innenstadt bis zu einem Meter unter Wasser. Der Verkehr brach zusammen.

Ebenso auf der Sukhumvit Road. Dort führten aber keine Klongs zu überfluteten Fahrbahnen. Das Oberflächenwasser stürzte aus den höher gelegenen Gebieten auf den Highway. Die erst vor kurzem mit vielen Millionen Baht verlegten breiten Kanäle und der zu Rückhaltebecken ausgebaute Mittelstreifen der Sukhumvit zwischen Nordpattaya und dem Jomtien liefen nach einigen Stunden über. Gegen Mittag glich die Hauptstraße einem See, vereinzelt schauten Autodächer aus den Fluten.

Pattaya muss sich künftig auf die gefährliche Laune der Natur einstellen und kräftig in den Hochwasserschutz inves-tieren. Politiker und Beamte sollten die Katastrophe vom 11. September als eindringliche Warnung verstehen und die Häufigkeit und das Ausmaß der Schäden begrenzen. Sonst könnte es der Touristenmetropole so ergehen wie Hat Yai im Süden und Nakhon Ratchasima im Nordosten: Beide Städte standen erst kürzlich nach heftigem Regen viele Tage unter Wasser. Ihr Geschäfts- und gesellschaftliches Leben kam zum Erliegen.

Solche Wassermassen sind Teil der Natur. Aber der Mensch greift massiv in die Natur ein und beeinflusst so die Häufigkeit von Überschwemmungen. Pattayas City liegt in einer Senke. Weil fast alle Flächen bebaut oder betoniert sind, werden die Niederschläge vom Boden und der Vegetation nicht aufgenommen. Und Wasser sucht sich seinen Weg: von den Siedlungen östlich der Sukhumvit Road in Richtung 3rd Road, weiter zur Second- und Beach Road. Die Kanalrohre sind nicht großzügig genug dimensioniert, um anfallende Wassermassen zu transportieren. Das zeigt sich deutlich an der Central Road vor der Kreuzung mit der 3rd Road. Bei Regen schießen die Abwässer förmlich aus den Gullys.
Fachleute der Wasserwirtschaft sehen denn auch die Beseitigung von Konstruktionen an den Kanälen der Innenstadt nur als Kosmetik an. Die Klongs müssten ausgebaggert werden, um bei Bedarf mehr Wasser aufzunehmen. Weil aber die Pumpen, die das Abwasser in die Großkläranlage an der Soi Siam Country Club transportieren, bei Monsunregen überfordert sind, sollten die zuständigen Ämter zwischen Sukhumvit Road und Strandpromenade Regenwasserspeicher sowie entlang der Beach Road vom Hafen Bali Hai bis nach Nordpattaya Überläufe schaffen. Es wäre sinnvoller, das Wasser in das Meer zu leiten, als das Risiko einer überschwemmten Stadt einzugehen, mit weit reichenden Folgen für Touristen und Bürger. Die Tourismusbranche will es denn auch nicht soweit kommen lassen, dass wegen flutartiger Überschwemmungen Urlauber mit Hubschraubern und Schiffen gerettet werden.

Im Frühjahr hatte die Marine mehrere Schiffe, darunter den Hubschrauberträger HTMS Chakri Naruebet, in den Süden Thailands entsandt. Sie holten Hunderte Urlauber von überschwemmten Inseln im Golf von Thailand und in der Andamanen-See. Im April und Mai hatten starke Regenfälle mehr als 20 Menschen das Leben gekostet. Rund eine Million Bewohner, darunter Tausende Touristen, waren in Südthailand von den Auswirkungen des Unwetters betroffen.

Seit Juli stehen erneut weite Teile des Landes unter Wasser. Bisher kamen über 200 Menschen ums Leben. Die meisten ertranken. Bei Erdrutschen in Uttaradit und Chiang Mai starben 13 Dorfbewohner, vier Tote gab es bei einem Häuser­einsturz in Saraburi, und in Chiang Mai wurden ein Baby und sein dreijähriger Bruder im Schlaf von einer Flutwelle überrascht. Beide ertranken. Der Schaden im Norden, Nordosten und Zentralthailand sowie im Süden wird auf mindestens 50 Milliarden Baht geschätzt.

Die Regierung hat Hilfsgelder zur Verfügung gestellt und will das Problem Hochwasser angehen. Zu grundlegenden Schutzmaßnahmen zählen Wiederaufforstungen und die Errichtung von Dämmen, Deichen, Auffangbecken und Kanälen zur Ableitung der Fluten.

 

 

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