Traumberufe mit der schönsten Aussicht der Welt
Piloten und Stewards arbeiten da, wo jeden Tag die Sonne scheint
Exklusiv durfte DER FARANG während eines Linienfluges der airberlin von Bangkok nach Berlin einem Piloten sowie einem Flugbegleiter bei ihrer spannenden Arbeit in 15.000 Metern über dem Erdboden über die Schultern schauen und erlaubt damit der Leserschaft einen faszinierenden Einblick in das Leben über den Wolken.
Fragt man ein Kind, was es später einmal werden möchte, dann zählt „Pilot“ zu den sicheren Favoriten. Doch nicht nur Kinder, auch Erwachsene fasziniert nach wie vor dieser Traumberuf. Christopher Scheid hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt und ist seit 1991 Pilot. Doch bis man das Steuer eines großen Passagierflugzeuges übernehmen darf, ist es ein langer Weg: „Vor jeder Ausbildung steht in der Regel ein umfangreicher Eignungstest. Die Pilotenlizenz wird folglich in mehreren Schritten erworben. Begonnen wird mit der Privat-Piloten-Lizenz (PPL). Die Commercial Pilot Licence (CPL) erlaubt dann schon die gewerbliche Nutzung eines kleinen Flugzeuges mit bis zu neun Passagieren. Aber erst die Airline Transport Pilot Licence (ATPL) berechtigt zum Führen großer Passagierflugzeuge“, erklärt Scheid. Und was hat es mit dem Gerücht auf sich, dass Piloten keine Plomben in den Zähnen aufweisen dürfen? „Das ist heutzutage kein Problem mehr“, antwortet der Flugzeugführer.
Ein Blick in das Cockpit des modernen Airbus A330, das einer fliegenden Computerzentrale zu gleichen scheint, beweist, dass Piloten Flugzeugführer und IT-Spezialisten in einer Person sind und an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine entscheiden.
Pilot – Manager über den Wolken
So kämpfen der Kapitän und Copilot heute nicht mehr wie früher mit den Naturgewalten am Himmel: „Der Autopilot fliegt das Flugzeug. Wir Piloten managen den Flug, überwachen die technischen Systeme, kommunizieren mit den Fluglotsen und kümmern uns um die Ein- und Überflugsgenehmigungen der verschiedenen Länder.“ Doch was genau macht den Reiz dieses Berufes aus? „Die Faszination ist sehr vielfältig. Da wäre zum einen die Arbeit mit modernster Technik. Zum anderen die Tatsache, im schönsten Büro der Welt zu sitzen und ferne Länder zu bereisen“, schwärmt der 44-Jährige.
Auf die Frage, welchen Flugzeugtyp er am liebs-ten fliegen würde, antwortet er: „Während meiner 20-jährigen Berufserfahrung durfte ich die Flugzeugtypen B757 und B767 von Boeing und A319/320/321 sowie A330 von Airbus fliegen. Alle Flugzeuge sind ausgezeichnete und sichere Arbeitsgeräte. Bei airberlin fliegen wir mit den Typen der A320iger Baureihe Ziele in Europa und Nordafrika an. Mit dem A330 bedienen wir Ziele weltweit.“
Insgesamt fliegt airberlin 163 Flughäfen in 39 Ländern an, und Scheid hat sie bereits fast alle kennengelernt. „Ob die gigantischen Nationalparks im Westen der Vereinigten Staaten und Kanadas, die faszinierende wilde Tierwelt in Afrika oder die Schönheit und Freundlichkeit Asiens, jedes Land ist etwas ganz Besonderes.“ Nicht vergessen wird er die mystischen sowie farbenprächtigen Polarlichter bei einem Flug über den Nordpol: „So etwas Schönes erlebt man nur einmal in seinem Fliegerleben.“ Auch schätzt er die Möglichkeit, dass er bei airberlin sowohl Kurz- als auch Langstrecke fliegen kann: „Morgens mal eben unsere Gäste von Berlin nach München zum Oktoberfest fliegen und am nächsten Tag beispielsweise nach Phuket, um dort ein typisches Thai-Curry zu genießen.“ Doch vor allem die Route zwischen Berlin und Bangkok ist immer wieder eine Herausforderung: „Da wären die endlosen Weiten Russlands, das Krisengebiet um Afghanistan und Pakistan, die Gebirgskette des Himalajas oder die Überquerung des Indischen Ozeans“, beschreibt Scheid und weist darauf hin, dass „bei langen Flugrouten wie nach Bangkok, der Flieger mit einem zusätzlichen Piloten ausgestattet ist, so dass jeder Pilot während des Fluges die Möglichkeit hat, etwas zu ruhen.“
Die Leserschaft mag sich fragen, was dran ist an dem Klischee, dass Piloten als „Womanizer der Lüfte“ nicht selten ein romantisches Techtelmechtel mit den hübschen Stewardessen haben: „Diese Antwort überlasse ich ihrer eigenen Fantasie!“, winkt der sympathische Kapitän geschickt ab.
„Die Arbeit wird nie zur Routine“
Während sich Scheid um leichte Turbulenzen über dem indischen Ozean kümmert, hat Steffen Homölle in der Business Class alle Hände voll zu tun: „Die Arbeit wird nie zur Routine. Auf jedem Flug muss man sich auf eine neue Crew einstellen und hat die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Berufsgruppen, wie den Piloten oder dem Zoll zusammenzuarbeiten. Auch lerne ich neben den vielen Passagieren auch unterschiedliche Länder und Kulturen kennen“, lobt der 23-Jährige die Vorzüge seines Traumjobs über den Wolken.
„Vor dem Flug erfolgt immer das Briefing, durch welches das Team alle relevanten Informationen, zum Beispiel zur Wettervoraussage und den dadurch beeinflussten Flug- und Serviceabläufen, erhält. Anschließend gehen wir zum Flugzeug, wo wir die Gäste in Empfang nehmen. Vor dem Start checkt jeder Flugbegleiter die Flugkabine und überprüft unter anderem, ob die Passagiere angeschnallt sind. Während des Fluges sind wir für den Service zuständig, wir bieten beispielsweise Spielutensilien für Kinder, warme und kalte Getränke sowie Snacks an. Nach der Landung wird abschließend eine interne Absprache zum Flugverlauf durchgeführt“, beschreibt der Flugbegleiter seinen vielfältigen Arbeitsablauf.
Doch wie beruhigt der junge Mann quengelnde Kinder oder flugangstgeplagte Passagiere? „Bei Kindern gelingt es mir meistens, sie spielerisch abzulenken und sie somit die Flugangst vergessen zu lassen. Bei Erwachsenen ist das meist schwerer. Doch ich versuche, mich immer individuell dem Gast anzupassen, um eine Vertrauensbasis zu schaffen. Dadurch ist es mir bis jetzt immer gelungen, den Flugängsten entgegenzuwirken.“ Gleichsam gibt er zu bedenken, dass die persönliche Tagesform eines Flugbegleiters während der Arbeitszeit keine Rolle spielen darf: „Manchmal fällt das schon etwas schwer, aber es ist nicht unmöglich.“ Auf die Frage, in welcher Klasse er am liebsten arbeitet, antwortet Homölle: „Die Arbeit in der Business Class hat den Vorteil, dass es weniger Sitzplätze als in der Economy Class gibt. Dadurch können die Fluggäste noch individueller und intensiver betreut werden. Außerdem wird unser Service auch persönlicher anerkannt. Allerdings ist die Arbeit in der Economy Class nicht weniger interessant, weil sie uns wieder vor andere Herausforderungen stellt.“
Auch Retter über den Wolken
Ein Ereignis wird Homölle so schnell nicht vergessen: „Wir sind von New York nach Berlin-Tegel geflogen und waren gerade über dem Atlantik, als ein Passagier zusammenbrach und bewusstlos liegen blieb. Zu meinem Erstaunen haben wir die oft trainierte Ablauffolge eines solchen Vorfalls ohne Probleme eingehalten und konnten schnell die medizinischen Schritte einleiten.“
Während der Zwischenstopps bleibt Homölle ein wenig Zeit, sich von der anstrengenden Arbeit zu erholen: „Ich versuche mich dann den kulturellen Aspekten der Reiseziele zu widmen. Ich besichtige Gebäude, schaue mir die Landschaften an und komme manchmal mit Einheimischen in Kontakt, weil ich mich sehr für andere Kulturen interessiere. Persönlich kann ich sagen, dass ich meinen Traumberuf gefunden habe und glücklich bin, ihn ausleben zu können.“
Björn Jahner
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