Der Masterplan gegen die Sturmflut
Wie die „Love Chaweng“-Gruppe Samuis Hochwasserschutz völlig neu definiert
Halb Nordthailand steht unter Wasser, wieder einmal haben Monsun-Fluten Existenzen ruiniert. Koh Samuis Bewohner schauen mit bangen Mienen auf die verstörenden Fernsehbilder von untergegangenen Landschaften und obdachlosen Landsleuten. Wie hart wird uns selbst der Monsun im November treffen?
Abwarten und sich in hilflose Ergebenheit zu fügen ist keine Lösung. Tanongsak Somwong, Kopf des einflussreichen Unternehmerverbandes „Love Chaweng“, ergriff lieber selbst die Initiative. Der Hotelier hat mit Fachkräften monatelang einen Katastrophenplan erarbeitet, der schon in diesem Jahr Schlimmeres verhindern soll.
„Dieses Jahr werden wir vorbereitet sein“
Ein erster Schritt war die akkurate Auswertung von Niederschlagsmengen der Vorjahre. 430 Milliliter Regen pro Quadratmeter ergossen sich am 2. November 2010 über die Insel. Die Auswirkungen waren vor allem in Chawengs Zentrum desaströs. Am 28. März 2011 maß die Wetterstation auf Samui den unglaublichen Rekordwert von 840 Millilitern in 24 Stunden – „so etwas gab es hier noch nie“, sagt Tanongsak Somwong. Alle schaudern bei der Erinnerung an die aktuellste Flutkatastrophe. Die Fernsehbilder gingen um die Welt und machten wenig Appetit auf einen Strandgang im Inselparadies. Koh Samuis Urlaubsträume waren mitten in der Hochsaison weggespült worden.
So böse überraschen lassen wollen sich die Experten nie wieder. Obwohl die Gruppe „Love Chaweng“ kooperativ mit der Inselverwaltung und Bürgermeister Ramnate Jaikwang arbeitet, hat man sich für einen Alleingang in der Präventionsplanung entschieden. Der Besitzer des Samui Paradise Beach Resort & Spas hat mit Unternehmern, Ingenieuren, Elektrikern, Handwerkern, Polizei, Armee und Katastrophenschutz klare Richtlinien erarbeitet. Tanongsak: „Wenn dieses Jahr der Regen kommt, werden wir vorbereitet sein wie nie.“
Sechs Center-Manager regeln alle Aktionen
Wie das im Detail aussieht, legte die „Love Chaweng“- Gruppe in einem Pressegespräch mit dem FARANG dar.
• Bei Niederschlagsmengen von 90 bis 120 Millilitern pro Quadratmeter wird in den Hilfscentern der erste Alarm gegeben. Diese sechs Center liegen am Samui International Hospital gegenüber dem Lotus, am Tempel Chaweng an der Ringstraße, an der Haad Ngam-Schule, dem Laem Din- Markt, dem Chaweng-See, in der Polizeistation sowie dem Love Hotel beim Centara Grand Beach Resort. Bei mehr als 120 Millilitern Regen/qm wird Flutalarm ausgelöst.
• Sechs Center-Manager, die nur Tanongsak Somwong unterstellt sind, koordinieren in enger Abstimmung mit den Hilfskräften die Einsätze. Alle sind mit modernen Walkie-Talkies ausgestattet worden, damit beim Ausfall des Strom- und Telefonnetzes keine Kommunikationslücken entstehen.
• Im Katastrophenfall entscheiden diese Manager über Stromabschaltungen, Evakuierungen sowie das gezielte Eingreifen von Polizei, Armee und Rettungssanitätern.
• Auch der Einsatz von allen technischen Geräten wird dort festgelegt. Alleingänge bei der Zuweisung wichtiger Pumpen und Bergungsgeräte sind nicht mehr möglich.
• Eine Telefon-Hotline für die Bürger wird noch eingerichtet.
Die Inselverwaltung Tesaban arbeitet seit Monaten daran, die marode und unzureichende Kanalisation auszubauen. Bürgermeister Jaikwang kämpft einen fast aussichtslosen Kampf, denn die Infrastruktur ist über 20 Jahre lang vernachlässigt worden. Dennoch besteht laut Tanongsak Somwong kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Alleine im Bereich des Chaweng-Sees haben wir Richtungsweisendes erreicht“, sagt er. „Besser kleine Schritte als gar keine.“
565 Rai beträgt die Gesamtfläche dieses Sees, das sind 904.000 Quadratmeter. Das Tesaban und die „Love Chaweng“-Experten haben die technischen Voraussetzungen geschaffen, diesen See als Auffang- und Regulierbecken zu nutzen. Etwa drei Millionen Kubikmeter Wasser fasst der volle See, der auf 2,5 Meter vertieft worden ist. Mit Schleusen und Pumpen kann die Hälfte des Wassers binnen zweier Tage koordiniert abgelassen und in die Klongs gepumpt werden - und von dort ins Meer. In Nakhon Si Tammarat habe man sich zwei leistungsstarke 145 PS-Pumpen besorgt und diese am Klong in Höhe des Samui Paradise Beach Resorts installiert, erläutert Tanongsak.
„Love Chaweng“-ist allein weisungsbefugt
Auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern dehnt sich der Urlaubsort Chaweng mit seinem wuseligen Eigenleben aus Hotels, Märkten, Bars, Restaurants und Diskotheken aus. „Natürlich können wir nicht alles trocken halten, falls der Monsun wieder mit voller Härte zuschlägt“, wissen die Verantwortlichen von „Love Chaweng“. Das Vorwarnsystem, das Krisenmanagement sowie die Pläne für den Wiederaufbau nach einer Überschwemmung seien jedoch auf einen professionellen Standard gehoben worden.
Selbst die auf ihre Autarkie pochende Polizei wird dabei an die kurze Leine gelegt. „Wir besitzen alle Namen und Mobilnummern der Polizisten, jeder wird dieses Mal seinen Bestimmungsort finden“. Tanongsak Somwong hat als Chefkoordinator mit Hilfe seines Kompentenzteams viele Strippen an höchster Stelle gezogen. Sein wichtigster Erfolg ist, dass die Provinzregierung in Suratthani alle Vollmachten in seine Hände gelegt hat. Die „Love Chaweng“-Manager werden im Notfall weisungsbefugt sein und nicht mehr die Politiker der Insel.
Sam Gruber
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